Kreditgebühr verboten, hoher Zins erlaubt

Mittwoch, 30.11.2016 13:00 von

Banken dürfen Kunden bei Kontoüberziehungen nicht zu stark in die Tasche greifen. Dabei sind oft nicht die Zinsen, sondern die Gebühren das Problem.

Dass Girokonten zeitweise ins Minus rutschen, ist nicht ungewöhnlich. Dafür gewähren Banken in der Regel einen Dispositionskredit. Wie hoch dieser Kredit maximal sein darf, hängt von der Bonität des Bankkunden ab und wie viel Geld regelmäßig auf seinem Konto eingeht. Jeden Monat werden deutschlandweit Dispokredite in Höhe von insgesamt 35 Milliarden Euro gewährt.

Kritisch wird es, wenn das Dispokontingent ausgereizt ist und das Konto noch tiefer in die roten Zahlen rutscht oder gar kein Dispo vereinbart worden ist und das Konto sich im Minus befindet. Juristen sprechen dann von einer geduldeten Überziehung. Die Zinsen für solche Überziehungen sind derzeit meist zweistellig. Beispiel: Bei der Commerzbank (Commerzbank Aktie) sind es aktuell je nach Variante des Girokontos zwischen 14 und 16 Prozent jährlich.

Sittenwidrig sind laut Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs lediglich Zinsen, die mehr als doppelt so hoch sind wie diejenigen vergleichbarer Überziehungskredite. Bei Dispozinsen weist die Bundesbank für den September einen Wert von 8,7 Prozent pro Jahr aus. Die durchschnittlichen Konditionen für geduldete Überziehungen des Dispos liegen rund fünf bis sechs Prozentpunkte darüber. Für die Banken bleibt also noch viel Luft nach oben.

Allerdings ist das Limit von maximal 100 Prozent Zuschlag auf marktübliche Konditionen kein Freibrief. „Ob der Zins für einen Überziehungskredit sittenwidrig ist, hängt nicht allein davon ab, wie weit der Zins über dem marktüblichen Niveau liegt“, sagt Tanja Suchowerskyj, Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht bei Baker Tilly Roelfs in Stuttgart. Gerichte würden die gesamten Umstände des Kredits beurteilen, beispielsweise auch, ob die Bank eine Notlage des Kunden ausgenutzt habe.

25.185 Prozent Jahreszins

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