Verschwindet der Traumberuf Bankkaufmann?

Montag, 06.11.2017 19:54 von Frank Frommholz

Es ist noch nicht allzu lange her, da galt eine Ausbildung als Bankkaufmann fast als Garantie für ein solides Berufsleben mit vielen Aufstiegschancen. Wer die Bankenwelt heute betrachtet, kann das kaum glauben. Für Bankkaufleute im Jahre 2017 ist nur eines sicher - dass nichts mehr sicher ist. 

Die deutsche Kreditwirtschaft befindet sich in einem Umbruch wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Die angestammte Marktaufteilung zwischen Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken ist schon lange perdu - spätestens seit dem Aufkommen der Direktbanken. Die Digitalisierung beschert der Branche nun einen gewaltigen Rationalisierungsschub mit dramatischen Konsequenzen für das Personal. 

Die Digitalisierung frisst Arbeitsplätze im Bankgewerbe 

Da viele Institute ihr Filialnetz ausdünnen, weil die Zweigstellen weniger frequentiert sind, ergeben sich auch entsprechende Einsparmöglichkeiten beim Personal. Tatsächlich wird im digitalen Zeitalter der traditionelle Bankkaufmann immer weniger gebraucht. Dort wo viele Geschäftsvorgänge online und quasi in Selbstbedienung ablaufen, wird die Unterstützung durch einen Bankberater überflüssig. Selbst im klassischen Feld der Anlage- und Finanzberatung sinkt der Personalbedarf. Intelligente Systeme treten immer häufiger an die Stelle des Finanzberaters und manches Geldhaus hat sein Beratungsangebot inzwischen stark eingeschränkt. 

Der Personalabbau in deutschen Banken ist im vollen Gange. Alleine seit 2008 ist die Zahl der Beschäftigten um gut zehn Prozent zurückgegangen. Der Prozess ist damit längst nicht zu Ende. Mit der Digitalisierung ergeben sich viele weitere Potentiale für Personaleinsparungen. Traf es bisher vor allem die Filialmitarbeiter, geraten jetzt auch die Zentralen zunehmend ins Visier. Bei automatisierten Vorgängen bedarf es immer weniger eines "Back Office", das sich um die Administration und Abwicklung kümmert. Die Geldhäuser werden die Möglichkeiten zur Kosteneinsparung voll ausschöpfen. Denn angesichts des intensiven Wettbewerbs und der anhaltenden Niedrigzinsen ist von der Ertragsseite her kaum Entlastung zu erwarten. 

Alternativen zum Bank-Job sind gefragt
 

Es verwundert daher nicht, dass mancher gelernte Bankkaufmann inzwischen über Alternativen zu seinem gewohnten Job in der Bank nachdenkt. "Restrukturierungen" und Rationalisierungen sorgen selten für ein "Wohlfühlklima" am Arbeitsplatz. Wenn dann noch die Sorge um die berufliche Existenz hinzukommt, besteht ein starker Anreiz zum Wechseln - aber wohin? Andere Kreditinstitute stehen schließlich vor ähnlichen Herausforderungen und bieten kaum sicherere Arbeitsplätze. 

Selbständigkeit kann eine interessante Alternative sein. Denn der Bedarf für Finanzberatung ist unverändert groß, und als selbständiger Berater kann man seinem Beratungsansatz folgen, ohne an Vertriebsvorgaben der Bank gebunden zu sein. Immerhin verfügen die Deutschen über mehr als fünf Billionen Euro Geldvermögen. Es gibt viele Möglichkeiten, als Bankberater sein eigener Chef zu werden. Einen ersten Test, ob Sie die Voraussetzungen erfüllen, finden Sie auf www.selbstchef.de.

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Frank Frommholz war viele Jahre bei Banken und Vermögensverwaltern als Direktor oder Geschäftsführer tätig, bevor er sich 2009 als unabhängiger Berater selbständig machte. Er kennt aus der täglichen Praxis die Probleme mit rechtlichen Veränderungen, Produkten und Marketingfragen und wird darüber berichten. Mehr Informationen dazu auch auf www.finanzkun.de