Trumps Politik provoziert Zinserhöhungen

Donnerstag, 16.02.2017 20:04 von Klaus Stopp

So wie es aussieht, läuft in den USA alles auf eine Konfrontation zwischen US-Präsident Donald Trump und Notenbankchefin Janet Yellen hinaus. Mit deutlichen Worten hat sie die Märkte auf bald steigende Zinsen eingestimmt. Ein solcher Schritt nach oben sei unter gewissen Bedingungen auf einer der nächsten Sitzungen „wahrscheinlich angebracht", hatte Yellen vor dem Bankenausschuss des US-Senats gesagt. Dazu müssten sich der Arbeitsmarkt und die Inflation im Einklang mit den Erwartungen der Zentralbank entwickeln. Yellen fügte hinzu, es sei unklug, die Straffung zu lange hinauszuzögern. Die nächste Fed-Sitzung ist für März terminiert. Es ist aber davon auszugehen, dass die Notenbank mit einem Zinsschritt bis Juni warten wird.

 

Die Fed hatte den Leitzins zuletzt Ende 2016 auf das aktuelle Niveau von 0,5% bis 0,75% angehoben. Mit Blick auf die gute Konjunktur hatte die Fed damals drei Zinserhöhungen für 2017 in Aussicht gestellt. Nun ist aber davon auszugehen, dass die Wirtschaft durch Trumps Politik zusätzlichen Schub bekommen wird. Schließlich plant dieser radikale Steuersenkungen und Investitionen in Billionenhöhe. Die mit dieser Perspektive gekoppelte Unsicherheit macht es nach Einschätzung von US-Währungshüter Jeffrey Lacker erforderlich, dass die Zinsen schneller steigen als an den Märkten derzeit allgemein erwartet wird.

Indessen hat der Vizechef der US-Notenbank, Stanley Fischer, seine Sorge über die Haushaltspolitik der Trump-Administration geäußert und damit auf einen weiteren Unsicherheitsfaktor hingewiesen. Es gebe deutliche Unsicherheit über das, was kommen werde, sagte Fischer und lenkte die Aufmerksamkeit auf die Regulierung der Banken, die Trump ja offenbar aufweichen will. Die neue US-Regierung hat angekündigt, die 2010 in den USA im sogenannten Dodd-Frank-Act festgeschriebene Neuregulierung der US-Finanzmärkte zu überprüfen. Fischer, der als einer der Architekten des Dodd-Frank-Gesetzes gilt, ist überzeugt, dass eine deutliche Verringerung der Kapitalvorgaben bei den Banken die Sicherheit des Finanzsystems gefährden würde. Er hoffe aber natürlich, dass das nicht passiere.

Ins gleiche Horn stieß Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, als er diese Woche vor Rückschritten bei der global vereinbarten Regulierung der Finanzmärkte gewarnt hat. Schäuble will daher dem neuen US-Finanzminister Steven Mnuchin nahe legen, die nach der Finanzkrise mühsam erreichte Regulierung nicht wieder zurückzunehmen. Jede freiheitliche Ordnung zerstöre sich ohne Regeln und Grenzen, so Schäubles Credo.

Ähnlich deutlich äußerte sich der EU-Kommissionsvize Valdis Dombrovskis, der mit Blick auf US-Pläne vor einem weltweiten Deregulierungswettlauf warnt.  "Wir müssen wirklich alles Mögliche tun, um einen Wettlauf nach unten bei der Finanzregulierung zu verhindern", machte Dombrovskis gegenüber der Börsen-Zeitung klar. 

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Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds bei der Baader Bank AG. Baader betreut an den Börsenplätzen Berlin, Frankfurt und München u.a. den Handel mit Anleihen und betreut Deutschlands führende Anleihen-Website Bondboard.
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