Gold und Silber setzen Talfahrt fort!

Freitag, 02.12.2016 08:13 von

Auch in der vergangenen Handelswoche setzen die Edelmetalle ihre bestehende Abwärtsbewegung fort und distanzieren sich nun endgültig von zuvor wichtigen Unterstützungsbereichen. Dabei bleibt das Umfeld für die Edelmetalle weiterhin denkbar schlecht! Der US-Dollar hat nach seiner Rallybewegung zwar eine kurze Verschnaufpause eingelegt, notiert aber weiterhin auf einem Rekordniveau. Auch die Erwartungen an steigende US-Zinsen und eine Straffung der Geldpolitikn der US-Notenbank FED lasten weiterhin auf den Edelmetallpreisen. Diese Entwicklung könnte sich auch in den kommenden Wochen und Monaten fortsetzen, weshalb Analysten für den Goldpreis äußerst pessimistisch gestimmt sind. So erwarten führende Analysten nach einer Bloomberg-Umfrage, dass der Goldpreis in 2017 auf ca. 1.100,- USD zurückfallen dürfte.

 

 Marktsituation Gold – 02. Dezember 2016

Mit steigenden Notierungen bei den Ölpreisen am Mittwoch brach auch der Goldpreis seine kurzfristige Erholung ab und nahm die übergeordnete Abwärtsbewegung wieder auf. Dabei wurde auch das Zwischentief bei 1.178,- USD durchbrochen, was ein weiteres Signal für die Fortsetzung der Abwärtsbewegung darstellt.


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Damit wurde auch das Oktoberhoch aus 2015 bei 1.190,- USD nachhaltig bearish getriggert, weshalb dem gelben Edelmetall kaum nennenswerte Unterstützungen bis zum Jahrestief aus 2015 bei 1.046,- USD zur Verfügung stehen.


Derzeit notiert das gelbe Edelmetall auf dem Niveau des Korrekturhochs vom 24. August 2015 bei 1.167,- USD. Ob diese Unterstützung allerdings eine nachhaltige Stabilisierung ermöglichen kann bleibt abzuwarten. Im Hinblick auf das 61,8er-Retracement der in 2016 durchgeführten Aufwärtsbewegung, welches auf einem ähnlichen Kursniveau notiert, sollte dieses Szenario allerdings nicht gänzlich außer acht gelassen werden.


Bei einer Stabilisierung bietet sich zunächst ein Rücklauf an die vorangegangene Unterstützung bei 1.200,- USD an. Auch die Marke bei 1.250,- USD könnte dabei ins Auge gefasst werden. Setzt sich das bearishe Momentum allerdings durch, sollte Gold die intakte Abwärtsbewegung zumindest bis 1.143,- USD bzw. 1.130,- USD fortsetzen. Kleinere Korrekturbewegungen wären dabei nicht auszuschließen, bieten aber tendenziell eher die Möglichkeit, einen Einstieg in die intakte abwärts gerichtete Marktbewegung zu finden.

 Unterstützungen und Widerstände Gold:

 

Unterstützungen

Widerstände

1.163,- USD

1.178,- USD

1.156,- USD

1.202,- USD

1.130,- USD

1.220,- USD

1.113,- USD

1.233,- USD

1.100,- USD

1.241,- USD

 Marktsituation Silber – 02. Dezember 2016

Silber hält sich wie auch schon in den Vorwochen etwas stabiler und notiert weiterhin oberhalb von wichtigen Unterstützungszonen. So kann beispielsweise weiterhin das Oktoberhoch aus 2015 in Verbindung mit dem 61,8er-Retracement der Aufwärtsbewegung zwischen Januar und August 2016 bei 16,35 USD verteidigt werden. Sollte Silber allerdings ebenfalls andauernde Schwäche in den kommenden Tagen zeigen, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Vorwochentief bei 16,20 USD und damit auch die o.a. Unterstützungsmarke bei 16,35 USD nachhaltig durchbrochen wird.


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Im Vergleich zu Gold stünden dann aber weitere Unterstützungen auf der Agenda, welche die Abwärtsbewegung bei Silber ausbremsen und eine Stabilisierung bewirken könnten. So ergibt sich zwischen 15,95 USD und 15,80 USD eine weitere Unterstützungszone in greifbarer Nähe auf der Unterseite. Hier sind insbesondere das Zwischenhoch vom 11. Februar und das Korrekturtief vom 01. Juni entscheidend.


Unter 15,30 USD (76,4er-Retracement) würde allerdings auch bei Silber die Wahrscheinlichkeit erheblich steigen, dass das Jahrestief aus 2015 bei 13,63 USD ins Visier genommen wird.


Unterstützungen und Widerstände Silber:

 

Unterstützungen

Widerstände

16,20 USD

16,60 USD

16,15 USD

16,88 USD

15,80 USD

17,10 USD

15,67 USD

17,50 USD

15,30 USD

17,67 USD

 Die Bedeutung der Non-farm-Payrolls und der Opec:

Bereits in den vergangenen Handelswochen ist mehrfach darauf hingewiesen worden, dass die Edelmetalle insbesondere unter einem steigenden US-Dollar leiden. Diese Situation hat auch weiterhin Bestand und dürfte laut verschiedener Analysten auch in den kommenden Wochen und Monaten Bestand haben.


Nun lässt sich die Zukunft niemals zu 100 Prozent vorhersagen und auch die Tatsache, dass die meisten Analysten sich mittlerweile einig sind ist eher ein Hinweis dafür, dass die Bewegung nun an ihre Grenzen zu kommen scheint. Dennoch wird aus dem folgenden Chart deutlich, dass der anziehende US-Dollar für die Schwäche der Edelmetallpreise zumindest mitverantwortlich ist:


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Im grünen Rechteck ist deutlich erkennbar, dass bei fallenden Notierungen beim US Dollar Index das gelbe Edelmetall stärker tendierte während sich ein anziehender US-Dollar als Belastungsfaktor für die Edelmetallpreisen herausstellte (rotes Rechteck). Der Goldkurs ist in diesem Chart in lila dargestellt.


Am heutigen Handelstag dürften zudem die US-Arbeitsmarktdaten eine wichtige Rolle spielen. Liegen diese tatsächlich über den Erwartungen, wie es am Mittwoch durch die „Automatic Data Processing“ (ADP) Arbeitsmarktdaten angedeutet worden ist, dürfte eine Zinsanhebung durch das FED nicht mehr wegzudiskutieren sein. Damit würde sich dann allerdings nur das bestätigen, was in den vergangenen Tagen schon längst erwartet worden war. Demnach dürfte eine Zinsanhebung der FED weder beim US-Dollar noch bei Gold zu starken und unerwarteten Bewegungen führen.


Insbesondere der gestrige Rücksetzer beim Goldpreis dürfte zum Teil auch auf die Einigung der Opec auf eine Förderbegrenzung und der Rückführung der Förderquoten sein. Die sinkenden Erdölpreise hatten über die vergangenen Jahre auch einen negativen Einfluss auf die Inflationsdaten, da die Energiepreise einen nicht unerheblichen Teil der Verbraucherpreise repräsentieren. Sollte es jetzt tatsächlich zu einem nachhaltigen Anstieg bei den Erdölpreisen kommen, dürfte dies die Inflationserwartungen nochmals steigen lassen. Was dies bedeutet lässt sich anhand der verschiedenen Kursreaktionen nach der US-Wahl sehr deutlich nachvollziehen.


Da der Markt eine Einigung im Vorfeld nicht eingepreist hatte, ergab sich hier ein Faktor, den der Markt bislang nicht durch seine Erwartungen abgedeckt hatte und der Goldpreis kam erneut stärker unter Druck.

 

 Ausblick für Gold:

Gold befindet sich nach wie vor in einer mustergültigen Abwärtsbewegung, welche durch eine regelmäßige Abfolge von Impuls- und Korrekturbewegungen gekennzeichnet ist.


Nach dem gestrigen Ausbruch auf der Shortseite besteht nun temporär die Möglichkeit einer erneuten untergeordneten Korrektur. Unter 1.160,- USD könnte sich die dynamische Impulsbewegung auch noch bis zur übergeordneten Unterstützung bei 1.156,- USD fortsetzen.


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Aufhellen würde sich die technische Lage erst mit Notierungen oberhalb des Widerstandbereiches zwischen 1.194,- USD und 1.197,- USD. Solange Gold unter diesen Marken notiert, bleibt das übergeordnete Shortszenario weiterhin intakt.

 Ausblick für Silber:

Bei Silber hat sich in den untergeordneten Zeiteinheiten bereits eine länger andauernde Korrekturformation ergeben. Diese ist geprägt durch zwei Abwärtstrendlinien auf der Oberseite und eine seit dem 23. November bestehen Aufwärtstrendlinie auf der Unterseite. Hinzu kommen entsprechende Widerstands- und Unterstützungsbereiche, die sich aus den letzten temporären Hoch- und Tiefpunkten ergeben.


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Eine weitere Richtungsentscheidung wäre bei Silber erst anzunehmen, wenn diese Bereiche (gelb eingefärbt) durch Schlusskurse im Stundenchart überwunden oder unterschritten werden. Ein bullishes oder bearishes triggern der Trendlinien ist lediglich als erstes Handelssignal zu verstehen und würde allein keinen nachhaltigen Ausbruch bedeuten. Hier würde sich zunächst der Aufbau einer Teilposition empfehlen.   

 Gold/ Silber Ratio:

Das Gold/Silber Ratio liegt anhand der derzeitigen Kursniveaus bei 71,31 und hat damit in der vergangenen Handelswoche wieder etwas abgebaut. Dennoch liegt anhand des Gold/Silber Ratios weiterhin eine Überbewertung zu Gunsten von Gold vor, da das Gold Silber Ratio weiterhin deutlich über dem historischen Durchschnittswert notiert.


Im Durchschnitt lag die Ratio in den vergangenen 60 Jahren bei 57,6 mit einer Standardabweichung von 17,3. Am 01. März dieses Jahres notierte die Ratio noch bei 83 Punkten und damit 3 Punkte über dem historischen Wendepunkt von 80. Aufgrund des Gold/Silber Ratio besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass die relative Stärke von Silber aus den vergangenen Wochen beibehalten wird.

 Palladium & Platin:

Platin konnte sich der Schwäche bei den Edelmetallpreisen ebenfalls nicht entziehen und hat durch die abwärts gerichtete Impulsbewegung am Mittwoch die wichtige Unterstützungszone bei 914,- USD nun auch nachhaltig durchbrochen. Damit ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch hier die bestehende Abwärtsbewegung in den kommenden Tagen fortgesetzt wird.


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Zu beachten ist hier aber der anstehende Unterstützungsbereich bei 894,- USD, welcher zumindest temporär für eine Stabilisierung sorgen könnte. Mehr als ein Rücklauf an die vorangegangene Unterstützung bei 914,- USD dürfte zunächst aber nicht auf der Agenda stehen, sodass das Jahrestief  aus 2015 bei 812,- USD auch bei Platin ein Thema in den kommenden Wochen bleibt.


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Palladium konnte in den vergangenen Tagen den übergeordneten Widerstandsbereich abschließend bullish aushebeln und die dynamische, aufwärts gerichtete Impulsbewegung weiter fortsetzen. Am gestrigen Handelstag kam es dann allerdings auch bei Palladium zu einer stärkeren Intraday-Korrekturbewegung die darauf schließen lässt, dass nun die ersten nennenswerten Gewinnmitnahmen einsetzen.


Daher ist in den kommenden Tagen eine Pullbackbewegung an den vorherigen Widerstandsbereich bei 725,- USD denkbar. Hier besteht dann eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die ursprüngliche Aufwärtsbewegung wieder aufgenommen und die Widerstände bei 800,- USD und 832,- USD ins Auge gefasst werden.


Sollte der jetzige Unterstützungsbereich bei 725,- USD keine Stabilisierung mit sich bringen, scheint auch ein Test der Aufwärtstrendlinie denkbar. Solange diese Trendlinie aber nicht bearish getriggert wird, bleibt das bullishe Chartbild bei Palladium weiterhin intakt.


Sofern der Ausbruch nicht auf Anhieb gelingen sollte, bieten die eingezeichneten Unterstützungsbereiche entsprechende Korrekturziele. Von dort sollte dann ein neuer Anlauf auf den Widerstandsbereich erfolgen.


 

 

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Hinweis: ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Verantwortlich für den Inhalt ist allein der jeweilige Autor.

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Benedikt Wachsmann arbeitet als Chartanalyst für RoboForex.de und veröffentlicht jede Woche sehr anschauliche Einschätzungen der aktuell beliebtesten Märkte.