Gold-Future (Annually) - Edelmetalle: Kein dauerhaftes Investment, sondern ein temporärer Zufluchtsort

Dienstag, 10.01.2017 08:13 von Jörg Scherer








Edelmetalle: Kein dauerhaftes Investment, sondern ein temporärer Zufluchtsort
Rückblick: Vor einem Jahr gingen wir an dieser Stelle von einem „Comeback der Edelmetalle“
im Jahresverlauf 2016 aus. Mit dieser Prognose konnten wir lediglich einen Teilerfolg
verbuchen: Einerseits wurde beim Goldpreis die Durststrecke mit drei roten Jahreskerzen
in Serie mit der ersten 12-Monats-Kerze seit 2012 beendet, andererseits waren wir
besonders zu Jahresbeginn 2016 damit nicht optimistisch genug (siehe Chart). Allerdings
sind der Menschheit auch im vergangenen Jahr die Krisen nicht ausgegangen. Insbesondere
die Entwicklung des vermeintlich „sicheren Hafens“ im 2. Halbjahr muss deshalb als
herbe Enttäuschung bezeichnet werden. Offenbar sorgt die jüngste Zinserhöhung seitens
der Fed sowie die Tatsache, dass die wichtigste Notenbank der Welt für 2017 mittlerweile
drei weitere Zinsschritte in Aussicht stellt, für einen wichtigen Belastungsfaktor.
Schließlich steigen die Opportunitätskosten der Goldhaltung wieder. Die jüngste US-Dollar-Stärke
sorgt für einen weiteren Hemmschuh. Vor diesem Hintergrund gilt in Bezug auf die anstehenden
Jahresprognosen auf der Edelmetall- bzw. Rohstoffseite der alte Bergmannsspruch: „Vor
der Hacke ist es dunkel“, in ganz besonderer Weise.



Gold-Future (Annually)
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Weiße Jahreskerze mit Schönheitsfehlern
Mit anderen Worten: Für diese Märkte ist der Jahresausblick mit besonderen Unsicherheiten
behaftet. Möglicherweise ist dies für Anleger ja eine erste wichtige Erkenntnis. Den
Ausgangspunkt unserer Überlegungen sollen auch beim Goldpreis sehr langfristige Charts
und hohe Zeitebenen darstellen. Deshalb möchten wir an dieser Stelle nochmals auf
den oben schon einmal angerissenen Jahreschart des Edelmetalls zurückkommen, wo die
erste weiße Jahreskerze nach zuvor drei roten zu Buche steht. Darüber hinaus springen
zwei weitere Aspekte ins Auge: Zum einen wird die weiße Kerze des abgelaufenen Jahres
durch ihren markanten Docht konterkariert. D. h. gemessen an seinem Jahreshochstand
kam der Goldpreis-Future inzwischen mehr als 240 USD zurück. Auch die beiden Vorjahre
weisen markante obere Schatten auf, so dass Anleger unter dem Strich von deutlichen
Angebotsüberhängen jenseits der Marke von 1.300 USD ausgehen müssen. Zum anderen liegt
zwischen den Jahrestiefs der letzten beiden Jahre – 1.046 USD vs. 1.060 USD – kaum
mehr als ein Wimpernschlag. Der Jahreschart dokumentiert also, dass auf diesem Niveau
eine markante Langfristunterstützung besteht, welche als Katastrophenstopp für 2017
prädestiniert ist.



Gold (Quarterly)
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„evening star“ als Belastungsfaktor
Wenn Investoren die Zeitebene herunterbrechen, dann treten die aktuellen Probleme
des Goldpreises noch offensichtlicher zu Tage. Schließlich verdeutlicht der Quartalschart,
dass seit dem 4. Quartal 2013 die Marktteilnehmer regelmäßig zwischen 1.306/1.375/1.392
USD der Mut verließ. Ein Anstieg über die zuletzt genannten Marken ist unseres Erachtens
die notwendige Vorbedingung damit bei dem Edelmetall von einer tragfähigen Bodenbildung
gesprochen werden kann. Einen solchen Befreiungsschlag halten wir aber zunächst für
Wunschdenken. Vielmehr liegen die Risiken zunächst auf der Unterseite. Aus charttechnischer
Sicht liegt diese Einschätzung zunächst einmal daran, dass die Rally im 1. Halbjahr
2016 im übergeordneten Kontext nichts anderes als einen nahezu idealtypischen Pullback
an den ehemaligen Basisaufwärtstrend seit Beginn des Jahrtausends (akt. bei 1.436
USD) brachte. Der zuvor gesehene Trendbruch wurde demnach lehrbuchmäßig bestätigt.
Noch deutlich schwerer wiegt allerdings der „evening star“ der letzten drei Quartalskerzen,
mit dem sowohl die 38-Perioden Glättung (akt. bei 1.235 USD) als auch die 2013er-Tiefs
bei knapp 1.200 USD unterschritten wurden (siehe Chart). Aufgrund des angeführten
Candlestickverkaufsmusters befinden sich die Bären derzeit in der besseren Ausgangslage.



Gold (Monthly)
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Kreuzwiderstand liefert weiteres Argument
Im Monatsbereich werden die Warnsignale leider ebenfalls nicht weniger. Als das schwerwiegendste
sehen wir in diesem Kontext den nach wie vor bestehenden Abwärtstrend seit September
2011 (akt. bei 1.336 USD) an. Im Zusammenspiel mit dem zuvor angeführten Basisaufwärtstrend
seit 2001 bildete der besagte Baissetrend zur Jahresmitte 2016 einen wichtigen Kreuzwiderstand.
Die oben beschriebene Pullbackbewegung bestätigt deshalb nicht nur den Bruch des alten
Langfristtrends, sondern unterstreicht nochmals, dass derzeit eindeutig der vor gut
fünf Jahren etablierte Abwärtstrend dominiert (siehe Chart). Als Bremsklötze werten
wir darüber hinaus den Rutsch unter die 38-Monats-Linie bzw. den Rückfall in den Abwärtstrend
seit August 2013 (akt. bei 1.218 USD bzw. 1.174 USD). In dieser Gemengelage kann eine
Belastungsprobe des letzten Verlaufstiefs vom Dezember 2015 bei 1.046 USD nicht ausgeschlossen
werden. Fällt diese Bastion, müssen sich Anleger sogar wieder auf dreistellige Notierungen
einstellen. Um den „Bock“ umzustoßen, müsste der Goldpreis indes den o. g. Baissetrend
seit September 2011 zu den Akten legen, der derzeit exakt zwischen den zuvor genannten
Erholungshochs verläuft.



Silber (Annually)
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Zwei Rückzugsbereiche – Eine Bastion
Ähnlich präsentiert sich das Bild beim Silberpreis. Die zweite Jahreskerze in Serie
brachte die zwischenzeitlichen Kursgewinne nicht über die Ziellinie. Vielmehr steht
der zweite markante Docht in Serie zu Buche. Analog zum „großen Bruder“ konnte zwar
den Verlusten der drei vorangegangenen Jahren Einhalt geboten werden, allerdings treten
die letzten beiden oberen Schatten auf die Euphoriebremse. Wichtig sind die letzten
beiden Jahrestiefs bei 13,71 USD bzw. 13,60 USD (siehe Chart). Da nur wenige US-Cents
zwischen den beiden Lows liegen, bieten sich die angeführten Unterstützungen als strategische
Absicherung auf der Unterseite an. Vorher entsteht bereits im Bereich der alten Ausbruchsmarken
bei rund 15 USD eine massive Haltezone. Auf diesem Niveau bilden verschiedene Hoch-
und Tiefpunkte in Verbindung mit der 200-Wochen-Linie (akt. bei 14,91 USD) sowie dem
76,4%-Fibonacci-Retracement des gesamten Hausseimpulses von 2001 bis 2011 (14,77 USD)
einen lehrbuchmäßigen Kumulationspunkt (siehe Chart). Wenn man bedenkt, dass auch
der ehemalige Abwärtstrend seit April 2011 (akt. bei 13,88 USD) nur knapp darunter
verläuft, lassen sich die zuletzt genannten Unterstützungen mit dem zuvor angeführten
Katastrophenstopp zur ultimativen Haltezone 2017 zusammenfassen.



Silber (Monthly)
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„death cross“ im Tagesbereich
Diese Bastion gilt es im neuen Jahr unbedingt zu verteidigen. Ansonsten würde der
Silberpreis weiteren spürbaren Schaden nehmen. Im Tagesbereich möchten wir das negative
Schnittmuster zwischen den Glättungslinien der letzten 50 bzw. 200 Tage (akt. bei
17,12/17,76 USD) hervorheben. Dieses als „death cross“ bekannte Chartmuster unterstreicht,
dass der Fokus zu Jahresbeginn zunächst auf den diskutierten Schlüsselunterstützungen
liegen sollte. Auf der Oberseite möchten wir Investoren dagegen das Widerstandsbündel
bei rund 18,50 USD ins Stammbuch notieren. Auf diesem Niveau fallen diverse Hoch-
und Tiefpunkte zwischen 18,19 USD und 18,80 USD mit der 200-Wochen-Linie (akt. bei
18,43 USD) sowie dem seit dem Halbjahreswechsel 2016 bestehenden Korrekturtrend (akt.
bei 18,85 USD) zusammen. Erst ein Spurt über diese Hürden würde die charttechnischen
Perspektiven des Silberpreises nachhaltig aufhellen. Interessant ist aktuell auch
das Gold-Silber-Ratio, welches weiterhin einen hohen Wert ausweist. Da sich in den
letzten 30 Jahren die Marke von 80 als wichtiger Widerstand herauskristallisiert hat,
dürfte sich der Silberpreis 2017 zumindest nicht schlechter als der „große Bruder“
entwickeln (siehe Chart).



Gold-Silber-Ratio (Monthly)
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