Fed spielt weiter auf Zeit

Donnerstag, 22.09.2016 17:30 von

Auch auf der 6. Notenbanksitzung in diesem Jahr hat sich in Bezug auf die Leitzinsen nichts geändert. Janet Yellen spielt weiter auf Zeit und mit einer Zinserhöhung ist wohl frühestens auf der Sitzung im Dezember zu rechnen. Im Vorfeld der Fed-Sitzung hatte die Aussicht auf weiterhin billiges Geld den US-Aktienbörsen zu Kursgewinnen verholfen. Investoren rechneten nach den jüngsten durchwachsenen Konjunkturdaten offenbar nicht damit, dass die US-Notenbank am Mittwoch den Leitzins anheben würde. Und damit behielten sie Recht.

 

Nie zuvor war das Zinsniveau in den USA so lange so niedrig. Nach der Finanzkrise im Jahr 2008 lag der Leitzins der US-Notenbank erst jahrelang knapp über 0%. Seit Ende vergangenen Jahres bewegt er sich zwischen 0,25 und 0,5%. Eigentlich waren längst weitere Zinsschritte erwartet worden, aber seit Dezember ist nichts mehr passiert. Und auch für diese Sitzung war in den Tagen zuvor nicht mit einem weiteren Zinsschritt gerechnet worden.

Dabei hat der Wahlkampf in den USA die Situation für Fed-Chefin Janet Yellen nicht leichter gemacht. Je näher die Präsidentschaftswahl rückt, desto schwieriger wird es für die Fed, die Zinsen zu erhöhen. Es verwundert nicht, dass der krawallige republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump die Geldpolitik der Notenbank massiv attackiert und Yellen persönlich angegriffen hat. Die Fed solle die Wirtschaft ankurbeln und würde somit die Demokratin Hillary Clinton unterstützen. Donald Trump würde ohnehin eine Ablösung Yellen‘s bevorzugen, sollte er Präsident werden. Für die bietet sich am 2. November nochmals die Möglichkeit, vor den Präsidentschaftswahlen zu handeln. Dann wird es aber zeitlich eng, denn der künftige US-Präsident wird sechs Tage später, am 8. November, gewählt. Daher ist wohl frühestens auf der letzten Sitzung in diesem Jahr am 14.12.2016 mit einem Zinsschritt zu rechnen.

Indessen hat sich die japanische Notenbank (BoJ) mehr Spielraum bei der Ausweitung der Geldmenge verschafft. Grundsätzlich soll diese weiter um jährlich 80 Billionen Yen (rund 700 Mrd. €) steigen. Aber die BoJ will dabei nicht mehr starr an dieser Marke festhalten, sondern kurzfristig auch flexibel sein können. Dies soll dazu beitragen, dass die Renditen bei den Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten nicht noch weiter absacken. Unter anderem wurde das Ziel gesteckt, die Rendite für 10-jährige Staatspapiere nicht mehr unter 0% sinken zu lassen.

 

 

 

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Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds bei der Baader Bank AG. Baader betreut an den Börsenplätzen Berlin, Frankfurt und München u.a. den Handel mit Anleihen und betreut Deutschlands führende Anleihen-Website Bondboard.
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