Draghi in den Startlöchern für weitere geldpolitische Schritte

Donnerstag, 03.03.2016 20:28 von

Deutet man die Zeichen aus dem Turm der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt richtig, so werden bereits am kommenden Donnerstag weitere geldpolitische Maßnahmen getroffen. Man sei auf mögliche weitere Schritte vorbereitet, hatte EZB-Präsident Mario Draghi in einem Brief an einen Europa-Abgeordneten geschrieben, der von der EZB selbst öffentlich gemacht wurde. Die EZB könne dadurch „alle zur Verfügung stehenden Optionen“ nutzen, heißt es in dem Schreiben. Und: „Es gibt keine Grenzen, wie weit wir gewillt sind mit unseren Instrumenten innerhalb unseres Mandats zu gehen.“ Die EZB sieht sich also grenzenlos in ihren Spielräumen – „koste es, was es wolle“, wie Draghi im Sommer 2012 gesagt hatte.

 

Wenn nun am 10. März der EZB-Rat zu seiner turnusgemäßen geldpolitischen Sitzung zusammenkommt, wird diese auch unter dem Eindruck einer vermutlich negativen Inflation für die gesamte EU stehen, die wesentlich von der schwachen Teuerungsentwicklung in Deutschland und Spanien beeinflusst worden ist. Bekanntlich strebt die Notenbank mittelfristig eine Inflation von knapp 2% an, wovon man insbesondere wegen des Ölpreisverfalls weit entfernt ist. Vor diesem Hintergrund hat der Markt ein Absenken des aktuellen Einlagenzinses, zu dem Banken bei der EZB Gelder parken, von derzeit minus 0,3% auf minus 0,4% bereits eingepreist. Meines Erachtens ist sogar mit einem Absenken auf minus 0,5% zu rechnen.

Eine Ausweitung des Ankaufvolumens für Anleihen von derzeit rund 60 Mrd. € pro Monat erscheint dagegen als unwahrscheinlich. Damit würde man im Markt früher oder später an die Grenzen der Verfügbarkeit stoßen. Der Sekundärmarkt ist ohnehin schon leergefegt, so dass die EZB sogar bei verschiedenen Neuemissionen immer wieder als Käufer auftritt. Bei einer Erhöhung des Ankaufprogramms gehen der EZB also schlichtweg bald die Titel aus, die am Markt verfügbar sind und man würde Gefahr laufen, an die Obergrenze von 33% der ausstehenden Anleiheschulden eines Landes zu geraten, die sie sich selbst gesetzt hat. Allerdings wäre auch eine Anpassung dieser Beschränkung eine mögliche Option der geldpolitischen Gestaltung am 10. März.

Mit Blick auf den Kampf für eine Erhöhung der Inflation argumentiert Draghi immer wieder gerne damit, dass sich niedrige Inflation bzw. Deflation nicht verfestigen dürfe. Sonst hätte die Zentralbank irgendwann kein Mittel mehr, etwas dagegen zu unternehmen. Umso mehr müsse die EZB handeln, so seine Schlussfolgerung. Da es insbesondere der Absturz des Ölpreises ist, welcher der EZB einen dicken Strich durch die Rechnung macht, mag man Draghi ja empfehlen, doch gleich am Spotmarkt in Rotterdam als Käufer aufzutreten, um den Ölpreis in die Höhe zu treiben. Statt Anleihen und Gold würde die Notenbank dann auch Öl bunkern. Zugegeben, der Vorschlag ist nicht ganz ernst gemeint. Aber am Ende könnte eine solche direkte Intervention am Ölmarkt wirkungsvoller und gegebenenfalls auch weniger schädlich für den Finanzsektor sein als eine dauerhafte Niedrigzinsphase.

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Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds bei der Baader Bank AG. Baader betreut an den Börsenplätzen Berlin, Frankfurt und München u.a. den Handel mit Anleihen und betreut Deutschlands führende Anleihen-Website Bondboard.
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