Deutsche Bank immer unattraktiver

Dienstag, 13.02.2018 09:58 von Frank Frommholz

Wieder kein Gewinn, dafür Boni in Milliardenhöhe - die Deutsche Bank AG kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Fakt ist, Deutschlands einstiges Vorzeigehaus muss sich konsequent neu aufstellen um irgendwann mal wieder Platz 74 der weltweiten Bankenliste verlassen zu können.

 

Nach der Gewinnwarnung zu Jahresbeginn sorgte die Deutsche Bank erneut für Diskussionen, als sie die Höhe der Bonifikationen verkündete: Mehr als eine Milliarde sollen demnach ausgeschüttet werden, obwohl wieder keine Gewinne erwirtschaftet werden konnten - zumindest nach Steuern. Die Aktienkurse brachen erneut ein, die Bank-Aktien gelten mittlerweile ohnehin als Schnäppchen. Stellt sich nur die Frage, ob sie Aufwärtspotenzial haben.

 

Deutsche Bank: Gesundungsprozess dürfte schmerzhaft werden

 

Es ist aber auch ein Dilemma: Verweigert die Bank ihrem Management und den wichtigen Mitarbeitern eine wettbewerbsfähige Vergütung, haben die Mitbewerber weiterhin leichtes Spiel in der Personalakquise. Zahlt sie die Boni wie angekündigt aus, stößt sie die Aktionäre vor den Kopf und sieht sich einer massiven Politiker- und Medienschelte ausgesetzt. Noch schwieriger wird die Diskussion jedoch in puncto Strafzahlungen - und da musste die Deutsche Bank schon enorme Summen zahlen und abschreiben. Waren es letzte Woche manipulierte Preise für Edelmetalle, für die summa summarum 30 Millionen Euro fällig waren, ist es nun ein Deal (hypothekenbesicherte Wertpapiere) mit der amerikanischen Bankenaufsicht SEC der 4,5 Mio. US-Dollar kostet.

 

Als weiteres Puzzleteil, das das Negativ-Image vervollständigt, könnte sich Insolvenzgerüchte um den Großaktionär HNA erweisen: Der verkauft Grundstücke in Hongkong, um Geld in die leeren Kassen zu bekommen. Käme es zu Notverkaufen der vom chinesischen Mischkonzern gehaltenen Deutsche Bank Aktien, dürfte das Geldinstitut auf der schiefen Ebene Fahrt aufnehmen. Ob die Umstrukturierungen, mit denen John Cryan die Bank weiter sanieren will, dann ausreichen, bleibt fraglich. Sicher scheint hingegen der weitere Stellenabbau: Weitere 9.000 Jobs sollen bis zum Jahresende weltweit eingespart werden. Auf Deutschland entfällt die Hälfte - was tun?

 

Alternative für freigesetzte Banker

 

Banker sollten die Initiative ergreifen und sich rechtzeitig mit Alternativen befassen: Kompetente Bankfachleute können sich als selbständige Berater, Fondsvermittler und Vermögensverwalter durchaus interessante Chancen eröffnen. Im Gegensatz zu den Restriktionen und engen Strukturen, mit denen die Banken ihre Berater bei ihrer wichtigen Arbeit behindern, wartet hier ein ausgesprochen vielfältiger Markt - und damit echte Geschäftsmöglichkeiten. Für eine derartige Neuorientierung sind aber auch wichtige Voraussetzungen notwendig, nämlich Mut, Konsequenz und der Anspruch, das Beste für die eigenen Kunden erreichen zu wollen. Böse Zungen behaupten, das wäre berufliches Neuland.

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Frank Frommholz war viele Jahre bei Banken und Vermögensverwaltern als Direktor oder Geschäftsführer tätig, bevor er sich 2009 als unabhängiger Berater selbständig machte. Er kennt aus der täglichen Praxis die Probleme mit rechtlichen Veränderungen, Produkten und Marketingfragen und wird darüber berichten. Mehr Informationen dazu auch auf www.finanzkun.de