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Stephan Bogner,
Rockstone Research
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Willkommen zum Kupfer-Thrust

14:43 28.02.12

Mit einem Nachfrage-Anteil von 40% am weltweiten Kupfer-Angebot ist China der mit Abstand grösste Kupfer-Konsument der Welt. Der Kupfer-Preis stieg dieses Jahr in der Spitze bereits um 17% an – obwohl die Kupfer-Lagerbestände in Shanghai seit geraumer Zeit stetig angestiegen sind und letzte Woche ihr höchstes Niveau seit fast einem Jahrzehnt erreicht haben. Der jüngste Kupfer-Preisanstieg wird auf breiter Basis mit „Hoffnungen“ versucht zu erklärt, dass die Nachfrage in China nach dem chinesischen neuen Jahr im Januar ansteigen wird. Allerdings indizieren vorausgehende Daten, dass Chinas neue Exportaufträge im Februar gesunken sind – anstatt wie „erwartet“ anzusteigen.

 "Im Vergleich mit den zurückliegenden Jahren zeigt sich, dass eine aufwärtsgerichtete Kursentwicklung zum Jahresanfang nicht die Regel ist. Was steht also hinter dem diesjährigen Kursanstieg? Offensichtlich besteht ein Konsens, dass wir auch 2012 den Kupfermarkt mit einem Produktionsdefizit im Ungleichgewicht sehen werden, und das trotz einer gedämpft erwarteten Kupfernachfrage. Über die ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, auch wenn sie derzeit noch gering ausfällt. Die Kupferimporte Chinas sind im Januar gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert zwar um 13,8 % auf 413.964 t gestiegen, jedoch gegenüber dem Dezember-Hoch von 509.000 t zurückgegangen. In den vergangenen zwei Wochen ist darüber hinaus die chinesische Kupfernachfrage abgeflaut, was sich an rückläufigen Prämien im Spotgeschäft zeigt. Die Kupferbestände bei der SHFE haben mit 217.142 t den höchsten Stand seit August 2002 erreicht und auch in den chinesischen Zolllagern ist es mit den Mengen aufwärts gegangen. Dahinter stehen umfangreiche Mengenabrufe aus LME-Beständen während der vergangenen Wochen und, da die SHFE-Preise erneut deutlich unter den LME-Preisen liegen, das wieder geschlossene Arbitrage-Fenster. Dies alles ist aber lediglich temporär zu sehen. Das zweite Quartal eines Jahres gilt als bedarfsintensiv, so dass ab März mit dem Abbau lokaler Bestände gerechnet werden kann. Dies gilt umso stärker, als dass die negative Arbitrage zunächst zu geringeren Kupferimporten führen dürfte. Zudem hat China jüngst kommuniziert, dass es einen deutlichen Wachstumsrückgang nicht zulassen wird. Nach den schwachen Güterexporten im Januar hat die chinesische Zentralbank bereits am letzten Wochenende den Mindestreservesatz gesenkt, wovon die chinesische Wirtschaft einen deutlichen Wachstumsimpuls erhalten dürfte. In Europa und den USA haben die letzten Konjunktur- und Stimmungsindikatoren sowie die politischen Krisenbewältigungsmaßnahmen zu einer Beruhigung und Stabilisierung geführt. Vielfach ist der Blick der Industrie hier schon weiter ins Jahr hinein gerichtet. In Europa ist deshalb zu beobachten, dass das Kaufinteresse für Kathoden bei Preisrückgängen steigt, zumal die Kupfermengen in europäischen LME-Lagerhäusern mit 37.000 t sehr niedrig sind. Mancher Verarbeiter ist in diesem Jahr zudem verstärkt auf Eindeckungen im Spot-Geschäft angewiesen, da längerfristig nur geringere Mengen gesichert worden sind.” (Aurubis AG: “Kupfermail Nr. 94”; 21. Februar 2012; die deutsche Arubis AG ist Europas grösster Kupfer-Produzent)

Da die saisonale Nachfrage nun bald in China ansteigt und zudem  Liquidität in das chinesische System gepumpt wird, dürfte der Kupfer-Preis in den kommenden Wochen und Monaten wohl weiter ansteigen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Preis seit Ende 2011 derart stark aufwerten konnte – trotz negativer “Statistiken” und auf breiter Basis hochsterilisierten “Erwartungen”.

 

“Mit einem Anstieg von 10% ist Kupfer bisher eines der am besten performenden Rohstoffe dieses Jahr, obwohl Investoren zunehmend weniger Gründe finden, die Rally mit der vermeintlichen Rezessionsrückkehr der europäischen Wirtschaft und den anhaltenden Produktionsrückgängen des grössten Kupfer-Konsumenten Chinas unter einen Hut zu bringen”, kommentierte Reuters letzten Freitag, und ergänzte: Während das chinesische Interesse nach physischen Kupferkäufen nach den chinesischen Neujahrsfeiertagen im Januar recht flau ist, so sagen Analysten voraus, dass die Nachfrage Chinas dieses Jahr wohl stabil bleibt, v.a. auch aufgrund ihrem Elektrifizierungsprojekt, welches etwa 40% der heimischen Kupfernachfrage ausmacht. “Dies wird die Nachfrage auch im Falle eines Absinkens stützen, da es einen zyklischen Investmentplan in China darstellt, welcher den kurzfristigeren Wirtschaftszyklus übertrumpft”, sagte Matt Fusarelli, ein Analyst bei der AME Group. Die Produktionszahlen Chinas nächste Woche dürften weitere Hinweise über die Tiefe der asiatischen Nachfrage liefern, dessen Einkäufe nach den Neujahrfeiertagen hauptsächlich enttäuschten. Allerdings reflektiert der LME-Kupfermarkt ein Defizit an vorhandenem Angebot, da der “Cash”-Kupferpreis mit einem Aufschlag (“premium”) von $28 im Vergleich zum 3-Monatspreis gehandelt wird, während letzte Woche noch ein $15 Abschlag (“discount”) vorherrschte – die grösste Bewegung seit einem Jahr. “Das beeindruckt mich, da der Markt ein Defizit erwartet. Wir erwarten ein substanzielles Defizit im Kupfermarkt dieses Jahr, in der Region von 280.000 t. Der einzige Grund warum letztes Jahr ein derartiges Defizit nicht erkannt wurde ist, dass ein substanzieller Lagerabbau in China stattfand”, sagte Nic Brown, Head of Commodity Research bei Natixis.“ (Siehe Reuters: “Copper surges to biggest weekly gain in a month” und “Copper struggles as economic woes drag”; beide Artikel vom 24. Februar 2012)

“Aufgrund dem unnachgiebigen Wirtschaftsboom Chinas wird von der dortigen Kupferindustrie erwartet, weiter stark zu bleiben und sich dynamisch zu entwickeln. Da erwartet wird, dass die Nachfrage weiter anwächst, wird erwartet, dass der Kupfermarkt ein drastisches Defizit weltweit erfahren wird, welches bereits ein paar wenige solcher Charakteristika Ende 2011 demonstriert hat. Der Kupfer-Output auf globaler Ebene ist ausserhalb des Rahmens, um die expandierende Nachfrage von aufstrebenen Volkswirtschaften zu kompensieren”, kommentiere PRWeb letzten Freitag in dem Artikel “Copper market expected to witness deficit worldwide according to Merchant Research & Consulting Ltd”.

Frik Els von Mining.com lieferte letzten Freitag den folgenden Kommentar:

“Die Daten für November 2011 von der International Copper Study Group zeigen ein weltweites Kupfer-Produktionsdefizit von 119.000 t nach einem signifikanten Anstieg der chinesischen Importe. Chinas Netto-Importe waren im Oktober-November 59% höher als während dem gleichen Zeitraum 2010 (gemäss deren February 2012 Copper Bulletin). Während den ersten 11 Monaten 2011 wuchs der globale Bedarf um nur 2,7% im Vergleich zu 2010 an, jedoch beschleunigte sich dieser im Oktober-November auf 12% aufgrund einem Anstieg von 38% in China. Im Vergleich zu China erscheint das Wachstum vom Rest der Welt blass. Der vorläufige Report zeigt, dass der Bedarf in Europa, Japan und den USA während dem Jahr abnahm und bei -4% in Japan und unverändert in Europa und USA endete. Gemäss ICSG produzierte die Kupfer-Minenindustrie weiterhin unter ihren Kapazitäten und blieb während den 11 Monaten eher flach im Vergleich zum Vorjahr. Die Konzentrat-Produktion nahm um 0,5% ab und die SX-EW-Produktion (“Solvent Extraction-Electrowinning”) wuchs um 2,8% an. Der Output in Chile, Peru und den USA, der zusammen knapp 50% der weltweiten Neuförderung ausmacht, nahm um 2,8% im Vergleich zum Vorjahr ab, während der 2. grösste Kupfer-Förderer China seinen Output um 12% steigerte. Der ICSG-Bericht zeigt, dass die Minenförderung um 6,5% in China, 3% in Europa, 12% in Nord-Amerika und 7% in Ozeanien zunahm, während sie um 3,5% in Süd-Amerika und 5% in Asien hauptsächlich aufgrund Arbeiterunruhen bei der Grasberg-Mine in Indonesien abnahm. “Die durchschnittlichen Minen-Kapazitäten während den ersten 11 Monaten 2011 fiel auf 78,5% ab, im Vergleich zu 80% im gleichen Zeitraum 2010”, wurde im Bericht erwähnt. Während den ersten 11 Monaten 2011 wuchs die weltweite Raffinerie-Produktion um 3,2% an, wobei grosse regionale Unterschiede in der Performance vorherrschten: “Die primäre Produktion stieg um 2% an und die sekundäre Produktion (aus Schrott) nahm um 9% zu. Die Produktion stieg um 16% in Australien (aufgrund einer Erholung nach den Betriebsbeschränkungen 2010), 15% in China, und 38% im Kongo, wobei diese Anstiege von Rückgängen in Chile (4,5%), USA (7%), Kanada (15%) und Japan (15%) teilweise ausgeglichen wurden.”

“Hinsichtlich der Kupferproduktion muss differenziert werden. Auf der Minenseite spricht nach dem störungsreichen Produktionsjahr 2011 vieles für einen deutlichen Mengenanstieg während der kommenden Jahre. Die ICSG rechnet mit einem Zuwachs der Produktionskapazitäten für Kupferkonzentrate von akkumuliert 30,5 % bis 2015 mit einem durchschnittlichen Wachstum von 6,9 % im Jahr. Barclays sieht 2012, als Folge der Inbetriebnahme neuer Projekte und dem Ausbau und der Reaktivierung bestehender Minen, eine Steigerung um 3 % gegenüber dem Vorjahr. BHP Billiton und Rio Tinto investieren Milliarden in die Kupferförderung ihrer Escondida-Mine und wollen sie von 990.000 t Jahresproduktion auf mehr als 1,3 Mio. t bis Juni 2015 steigern. Anders als die Minenproduktion wird die Produktion von raffiniertem Kupfer 2012, trotz des Ausbaus der Schmelzhüttenkapazitäten um durchschnittlich 3,7 % jährlich, anhaltend schwach gesehen, mit niedrigen Auslastungsgraden von zuletzt 80 %. Schon im Januar war es bei zwei Hütten, in Japan und auf den Philippinen, durch technische Störungen zu Produktionsausfällen gekommen.” (Aurubis AG: “Kupfermail Nr. 94”; 21. Februar 2012)

Tom Albanese, CEO von Rio Tinto PLC  – das 3. grösste Minen-Unternehmen der Welt und gleichzeitig eines der grössten Kupfer-Lieferanten – geht ebenfalls davon aus, dass die Kupfer-Preise weiterhin „stark“ bleiben. In einem Interview mit der Australian Broadcasting Corporation prognostizierte Herr Albanese vor einem Jahr, dass die Kupfer-Neuförderung stark hinter der Nachfrage hinterherhinken wird – aufgrund erheblich sinkenden Erz-Mineralisierungsgehalten und folglich stark ansteigenden Produktionskosten bei nahezu allen grossen Kupfer-Minen weltweit (inkl. Rio Tinto). Lediglich neue Kupfer-Minen würden das zunehmend ausweitende Angebot-Nachfrage-Defizit über die nächsten Jahre wieder in Richtung Gleichgewicht bringen können. Herr Albanese gab zu, dass die kräftig angestiegenen Kupfer-Preise die Entwicklung von neuen Kupfer-Minen rege vorantreibt, wie z.B. auch die eigene Oyu-Tolgoi-Lagerstätte in Mongolia, sowie andere Projekte auf dem amerikanischen und australischen Kontinent. Er betonte jedoch zugleich ausdrücklich, dass dieses und nächstes Jahr keine Minen mit der Produktion beginnen werden, die zusammen auch nur den Hauch einer Chance haben könnten, das Defizit signifkant zu entlasten, da es viele Jahre benötigt um eine abbauwürdige Lagerstätte gen Produktion zu entwickeln. Herr Albanese geht langfristig zudem davon aus, dass sich die Industrie-Nachfrage nach Kupfer über die nächsten 15-20 Jahre mehr als verdoppeln wird.

Nichtsdestotrotz war eines der wohl bedeutendsten Kupfer (Lagerstätten-) Entdeckungen und (Minen-) Entwicklungen der letzten Jahre die in British Columbia (Kanada) beheimatete Lagerstätte von Copper Mountain Mining Corp. (TSX-Symbol: CUM). Mit einer durchschnittlichen Mineralisierung von “nur” 0,3% Kupfer wurde diese porphyrische Kupfer-Lagerstätte, nur 3 h Autostunden von Vancouver entfernt, im September 2011 in die Produktion gebracht (Ressource >5 Mrd. Pfund Kupfer). Für die ersten 12 Jahre wird ein Output von rund 100 Mio. Pfund Kupfer pro Jahr erwartet. Mitsubishi übernahm 25% von Copper Mountain (Marktkapitaisierung: $528 Mio.).

Eines der Unternehmen, die wir verfolgen, ist Anglo Canadian Mining Corp. (TSX-Symbol: URA), da ihr voll im Besitz befindliches Princeton-Grundstück aktiv bebohrt wird, welches im Süden direkt an die Copper Mountain Mine angrenzt. Die allerersten Bohrungen des Unternehmens Ende 2010 zeigten 0,7% Cu über 21 m in einer Tiefe von nur 106 m (Bohrloch #6), während Ende 2011 eine Bohrung (#21) 0,6% Cu über 38 m in einer ähnlichen Tiefe von 108 m zeigte. Bohrloch #6 wurden vertikal mit einem Winkel von -90° niedergebracht, wobei in der jüngsten Pressemitteilung (7. Februar 2012) folgendes zu lesen war:

 

“Diskussionen mit Copper Mountain Mining Corp. haben zu der Entscheidung geführt, zukünftige Löcher mit einem Winkel von -50 zu bohren, und zwar generell gen Norden zum Copper Mountain Intrusiv / Nicola-Vulkanit-Kontakt. Die meisten Bohrungen des Unternehmens wurden bisher vertikal niedergebracht.”

Klicken Sie HIER, um die letzte Analyse über Anglo Canadian als PDF einzusehen, welche auch einen allgemeinen Artikel über “Porphyrische Kupfer-Lagerstätten im Wandel der Zeit” beinhaltet.

 

Wird der Kupfer-Preis seit 1985 unter die Lupe genommen, so sticht ins Auge, dass der Preis zwischen 1987 und 2002 von der rot-blauen Dreiecksformation dominiert wurde. Die finale Auflösungsbewegung eines Dreiecks wird “Thrust” genannt – entweder ein starker und längerfristigerer Auf- oder Abwärtstrend. Nachdem der “Thrust“ augenscheinlich 2002 bei etwa $0,75/Pfund begann, erreichte dieser das $4-Niveau 4 Jahre später Anfang 2006. Danach konsolidierte der Preis seitwärts innerhalb den begrenzenden Schenkeln eines weiteren rot-blauen Dreiecks, wobei der Preis schnell und heftig von etwa $4 auf $1,25 im Jahr 2008 absackte.

Im Nachhinein kann dieser starke Preisrückgang als “klassischen Pullback” zum ersten rot-blauen Dreieck bzw. zur gelben Trendlinie definiert werden – was bedeutet, dass der finale “Thrust” nach oben erst danach startete und noch immer aktiv ist. Auf der anderen Seite kann der “Crash” von 2008 auch als “fake Breakout” nach unten definiert werden, da folglich eine schnelle Preiserholung zurück ins Dreieck stattfand. 2010 unternahm der Preis einen “Breakout” von etwa $3,25 auf $4,50, woraufhin ein “klassischer Pullback” folgte. Da der Preis seitdem begann, anzusteigen, ist ein “Thrust” nach oben im Gange, und zwar mit dem Ziel, das Hoch vom vorherigen “Breakout” ($4,50) zu übersteigen, damit alsdann ein neuer und langfristiger Aufwärtstrend beginnen kann. Somit ist seitdem ein starkes Kaufsignal à la “Thrust” nach oben aktiv, wobei sich ein erstes Verkaufssignal generiert, wenn die gelbe und grüne Unterstützungen bei $3,75 bzw. $3,50 verletzt werden.

Hinweis: ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Verantwortlich für den Inhalt ist allein der jeweilige Autor.

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