Wie es aussieht, wird Boliviens linksgerichteter Präsident Evo
Morales die Streitigkeiten um das Malku Khota-Projekt von South
American Silver (WKN A0MLL6) nutzen, um dem kanadischen
Unternehmen die Konzessionen zu entziehen. Dann soll das Projekt
verstaatlicht werden, berichten Medien.
Damit hätte Morales zum zweiten Mal innerhalb weniger als eines
Monats den Forderungen von Demonstranten nachgegeben, seine
Bemühungen um eine größere staatliche Kontrolle des Rohstoffsektors
des Andenlandes zu verstärken.
Vergangene Woche kam es auf dem Projektgebiet von Malk Khota zu
Gewalttätigkeiten, nachdem Demonstranten fünf bolivianische
Angestellte von South American festhielten, um so das Unternehmen zu
zwingen, sich zurückzuziehen. Die Demonstranten begrüßten die
Entscheidung des bolivianischen Präsidenten als endgültige Lösung
des Konflikts, in dem einer von ihnen getötet und mehrere verletzt
wurden.
Das Unternehmen habe Brüder, Schwager, Cousins und Nachbarn in
Konflikt zueinander gebracht, erklärte Morales laut mineweb.com, als
er den Deal zwischen den Demonstranten und seiner Regierung
erläuterte. Wie aber könne man sich untereinander uneins sein, wenn
es um ein internationales Unternehmen gehe, das die Rohstoffe
Boliviens plündern wolle, habe Morales gefragt.
Der mit den Demonstranten unterzeichnete Deal sieht vor, dass die
Regierung eine gemeinsame Kommission einsetzt, die ein Dekret
aufsetzen soll, dass alle Konzessionen, die South Americans
bolivianischer Tochtergesellschaft gewährt wurden, widerruft.
In einer Pressemitteilung teilte South American Silver mit, dass man
bislang keinerlei offizielle Benachrichtigung der bolivianischen
Regierung über die Annullierung der Konzessionen erhalten habe und
aktiv versuche, eine Klarstellung in Bezug auf die Absichten der
Regierung zu erhalten. Man protestiere eindringlich gegen die
geplante Vorgehensweise und werde alle rechtlichen,
konstitutionellen und diplomatischen Optionen verfolgen, erklärte
Greg Johnson, President und CEO von South American Silver.
Die Arbeiter, die als Geiseln genommen wurden, sind am Wochenende
frei gekommen, nachdem die Regierung versprochen hatte, eine
mögliche Verstaatlichung des Projekts zu untersuchen. Morales
erklärte laut mineweb, dass Malku Khotas Ressourcen dem
bolivianischen Volk gehören und dass eine weitere Exploration des
Projekts oder eine mögliche Produktion vom Staat in Zusammenarbeit
mit den Gemeinden vor Ort durchgeführt werde.
Erst im vergangenen Monat waren auf einer Zinn- und Zinkmine, die
dem Rohstoffgiganten Glencore (WKN A1JAGV) gehörte, nach
wochenlangen Protesten rivalisierende Bergleute aneinandergeraten.
Morales reagierte darauf, indem er den Staat die Kontrolle über den
Minenbetrieb übernehmen ließ. Das beruhigte zwar die Gemüter im
Inland, führte aber zu Verstimmung bei Glencore, da der Konzern
keine Entschädigung erhielt.
Es sieht also nicht gut aus für das Malku Khota-Projekt und South
American Silver in Bolivien. Insofern sind die heftigen
Kursabschläge der letzten Tage durchaus verständlich. Allerdings
scheinen viele Anleger zu vergessen, dass es sich bei South American
nicht um eine Ein-Projekt-Gesellschaft handelt.
Denn das Unternehmen besitzt ja auch noch das Kupfer-, Gold- und
Silberprojekt Escalones in Chile, auf dem man bereits eine
geschlussfolgerte Ressource von 3,8 Mrd. Pfund Kupfer, 610.000 Unzen
Gold und 16.8 Mio. Unzen Silber nachgewiesen hat. Zudem verfügte
South American nach eigener Aussage zum Ende des ersten Quartals
über mehr als 38 Mio. Dollar an liquiden Mitteln, die man für die
weitere Entwicklung von Escalones einsetzten kann.
Insofern bleibt abzuwarten, wie sich die Situation weiter
entwickelt. Wenn sich der Staub gelegt hat und klar ist, wie es mit
Malku Khota tatsächlich weitergeht, muss eine sachliche Neubewertung
von South American Silver erfolgen. Angesichts des
Escalones-Projekts und der Barmittel von über 38 Mio. Dollar könnte
es dann sein, dass der Markt erkennt, dass eine Marktkapitalisierung
von 55,48 Mio. CAD, wie sie das Unternehmen derzeit ausweist, oder
weniger trotz allem deutlich zu niedrig angesetzt sein dürfte.
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