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Torsten Gellert,
FXCM Deutschland
Über den Autor:
Torsten Gellert ist Managing Director bei FXCM Deutschland.
Er verfügt über 13 Jahre Erfahrung in leitenden Funktionen innerhalb der Finanzdienstleistungs-
branche. Unter anderem leitete der studierte Mathe-
matiker die Geschäfte im deutschsprachigen Raum von CMC Markets.
Als langjähriger Trader bringt Gellert zudem umfangreiche Erfahrung im Devisenhandel mit.

Japan kämpft gegen Rezession und hohe Schulden – Yen mit weiterem Abwärtspotenzial

12:33 18.10.12

Zehn Milliarden Euro gegen die Krise – so könnte man kurz und knapp die Pläne der japanischen Regierung für ein weiteres Konjunkturpaket beschreiben, welches Japans Ministerpräsident Noda gestern in seinem Kabinett ankündigte. Das Geld soll in Erneuerbare Energien, in das Gesundheitssystem sowie in die Landwirtschaft investiert werden. NUR zehn Milliarden, könnte man meinen, scheint dies doch eher ein Tropfen auf den heißen Stein zu sein, nachhaltig der Wirtschaft wieder auf die Beine helfen wird diese kleine Summe wohl eher nicht.

Größere Pakete aber würden an der Opposition im japanischen Parlament scheitern, die sich vehement gegen neue Schulden stemmt. Bei der Betrachtung des aktuellen Schuldenberges von rund 230 Prozent des Bruttoinlandsproduktes kann man diese Haltung sehr gut verstehen. Das Land steht vor einem Dilemma. Einerseits droht die hohe Verschuldung aufgrund der immer älter werdenden Bevölkerung bald zu einem großen Problem zu werden, andererseits steht die japanische Wirtschaft am Rande einer Rezession und hat mit einer schwachen Weltkonjunktur und der Stärke der eigenen Währung zu kämpfen. Da gerät der immer noch nicht beigelegte Streit mit China um eine Inselgruppe schnell zur Nebensache, sollte aber an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben.

Mit der Stärke des Yen könnte es bald vorbei sein, wenn sich der Trend aus den vergangenen Wochen weiter fortsetzt. Die überwiegend guten Konjunkturdaten aus den USA waren der Auslöser dafür, dass der US-Dollar gerade in den vergangenen drei Wochen immer mehr Boden gegenüber dem Japanischen Yen gut machen konnte. Aktuell notiert der Dollar wieder über 79 Yen und damit auch charttechnisch in einem interessanten Bereich, wo weitere Kursgewinne schnell für eine Trendbeschleunigung sorgen könnten. Gleiches gilt für das Währungspaar EUR/JPY. Überwindet der Euro hier die Marke von 104 Yen, wäre der Weg frei bis zu meinem mittelfristigen Kursziel von 115 EUR/JPY. Auf längere Sicht kommen dann neben diesen kurzfristigen Effekten auch die in meinen Augen viel stärker wiegenden fundamentalen Argumente Nippons wirtschaftliche und finanzielle Zukunft betreffend zum Tragen.

Bislang ist vom Thema Schuldenkrise nur im Zusammenhang mit der Eurozone zu lesen und zu hören, doch das kann sich in den nächsten Monaten ändern. Zwar glaube ich nicht, dass die Krise in Europa so schnell gelöst werden kann, aber die Regierungen haben zunehmend ihre Hausaufgaben gemacht und bekommen die Probleme – wenn auch nur langsam – aber zumindest in den Griff. Unterstützung kommt von der Europäischen Zentralbank, die nur auf das Signal aus Madrid wartet, um mit ihren Anleihekäufen in großem Stil starten zu können.

Da lohnt sich für den langfristig orientierten Devisenmarktteilnehmer schon jetzt einmal der Blick auf das Land mit der fast dreimal so hohen Verschuldung wie der Eurozone, setzt man die Verbindlichkeiten ins Verhältnis zur Wirtschaftsleistung. Das ist deshalb für Japan jetzt noch kein Problem, da die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen (noch) bei unter einem Prozent liegt, Spanien und Italien im Vergleich dazu refinanzieren sich aktuell mit guten fünf Prozent. Der Grund für die niedrigen japanischen Zinsen: Rund 95 Prozent der Staatsanleihen gehören Inländern, den einheimischen Banken, Versicherungen und den Bürgern selbst. Letztere werden aber immer älter. Das allein ist nicht zu verhindern und wäre noch kein Problem, würden junge Menschen als Anleihekäufer nachwachsen. Tatsächlich aber steigt der Anteil der Rentenempfänger rasant, aktuell ist ein Viertel der Gesamtbevölkerung über 64 Jahre alt.

Während also die Konjunktur schwächelt, die Schulden - nicht nur durch neue Konjunkturpakete - weiter steigen, geht die Zahl der potenziellen Gläubiger im eigenen Land zurück. Denn wer alt ist, lebt (nicht nur in Japan) immer mehr von seinen Ersparnissen, statt weiter zu sparen. Reicht die gesamtwirtschaftliche Ersparnis nicht mehr aus, um den Kreditbedarf der Japaner zu decken, müssen verstärkt Ausländer als Käufer der Papiere herhalten. Mit Blick auf die wirtschaftlichen Probleme des Landes und den enormen Schuldenberg könnte ich mir aber vorstellen, dass diese Investoren dann höhere Zinsen für das in ihren Augen gestiegene Risiko haben wollen. Wir sprechen da lange nicht von spanischen und italienischen Verhältnissen, aber da es die Menge macht, könnten auch kleine Zinssteigerungen schnell zu einem großen Problem werden.

Ich gehe nicht davon aus, dass dies sehr zeitnah passieren wird, aber für eine mittel- bis langfristige Investition am Devisenmarkt bietet sich vor diesem Hintergrund eine interessante Möglichkeit. Kurzfristig hatte ich schon oben die Konstellationen des Yen gegenüber Euro und Dollar beschrieben, weshalb ich den aktuellen Zeitpunkt als sehr interessant für diejenigen erachte, die sich short im Yen positionieren, das heißt, auf fallende Kurse der japanischen Währung setzen wollen. Die Kursziele auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten für mich liegen weiterhin bei 85 USD/JPY und 115 EUR/JPY.

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