Griechenland unter doppeltem Krisendruck

Aufgrund seiner Haushaltslöcher und der geografischen Lage Griechenlands hat sich die Krisensituation in dem Mittelmeerstaat zugespitzt. Angesichts des weiter wachsenden Flüchtlingszustroms hat Athen die EU um Hilfe ersucht, die nun ihrerseits ein millionenschweres Nothilfe-Paket für Hellas schnürt. Natürlich hat Griechenland an der Südostgrenze der EU bei der Bewältigung des Flüchtlingsthemas an strategischer Bedeutung gewonnen. Deshalb dürfte die Bereitstellung eines Nothilfe-Pakets zügiger vonstattengehen, als dies bei den Verhandlungen um Notkredite zur Bewältigung der Schuldenkrise der Fall war.

Jedenfalls sollen noch in diesem Jahr 300 Mio. € und bis Ende 2018 insgesamt 700 Mio. € für humanitäre Hilfe dem Land zur Verfügung gestellt werden. Das Geld werde nicht nur Griechenland, sondern auch anderen EU-Staaten zugutekommen, wird in EU-Kreisen argumentiert. Die Unterstützung sei nötig, um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern, wenn eine noch nie dagewesene Zahl von Flüchtlingen in die EU gelange. Dafür sollen Umschichtungen in dem bestehenden Haushalt vorgenommen werden. Athen hatte für dieses Jahr um Nothilfe in der Höhe von 480 Mio. € gebeten. Nach Angaben der Vereinten Nationen warten derzeit 24.000 Flüchtlinge in Griechenland auf ihre Weiterreise.

Parallel zu dem Flüchtlingsdrama droht sich die Schuldensituation des Landes weiter zu verschärfen. So rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) laut „Spiegel“ damit, dass Griechenland bereits ab Ende März Schwierigkeiten haben wird, seine Schulden zu bedienen. Dabei stellt sich der IWF gegen die Bereitschaft vieler EU-Länder, Athen angesichts der Belastungen durch die Flüchtlingskrise bei den Sparauflagen im Rahmen des dritten Rettungspakets stärker entgegenzukommen. Das könnte etwa die Umsetzung der umstrittenen Rentenreform betreffen. Der IWF beharrt demnach auf den Reformversprechen aus Athen und blockiert den längst fälligen Fortschrittsbericht, der grünes Licht geben muss, damit sich der Währungsfonds am dritten Rettungspaket beteiligt. Solange es den Griechen nicht gelinge, die Wohlhabenden ausreichend zu besteuern, müssten laut IWF die Renten gekürzt werden - eine Situation, die ausgerechnet die linke Syriza-Regierung von Alexis Tspiras nicht in der Lage ist zu lösen.

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Über den Autor:
Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds bei der Baader Bank AG. Baader betreut an den Börsenplätzen Berlin, Frankfurt und München u.a. den Handel mit Anleihen und betreut Deutschlands führende Anleihen-Website Bondboard.
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