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Norbert Lohrke,
Globalyze Invest AG
Über den Autor:
Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“

Gefahr für die Welt

17:44 12.06.11

In der Zeitung von gestern können Sie lesen, dass unser Bundesfinanzminister Schäuble meint, dass „von Griechenland eine ernste Gefahr für die ganze Welt ausgeht“. Wobei Griechenland nur die Folge ist und nicht die Ursache. Die wirkliche Gefahr für diese Welt geht von unfähigen Politikern wie Herrn Schäuble und Regierungen wie unserer aus, die offenbar nicht den Mut und die Kraft haben, das Richtige zu erkennen und dann dementsprechend zu handeln.

Und so sage ich einmal etwas recht drastisches. Und wenn es Morgen aufgrund eines Schuldenschnitts Griechenlands und der Beteiligung der Gläubigerbanken zu einer neuen Finanzkrise kommt, so soll es so sein. Besser jetzt als später. Dann wird der Markt wenigstens einmal von den ganzen Kostgängern bereinigt, die nur deshalb noch am Leben sind, weil der deutsche Steuerzahler in sie Milliarden versenkt.

Es ist geradezu absurd und lächerlich, dass Herr Schäuble von einer freiwilligen Beteiligung der Gläubigerbanken spricht. Glauben Sie denn, Herr Schäuble, die Banken wären mit uns im umgekehrten Falle auch so gnädig?

Die kündigen uns Mittelständlern wenn wir einmal in Schwierigkeiten kommen, ohne mit der Wimper zu zucken unsere Kredite oder lassen uns schlicht ersaufen. Und so frage ich sie, warum wir ausgerechnet gegenüber jenen Milde walten lassen sollen?

Wobei ich schon ahne woher der Wind weht. Nach Herrn Dieckmann von der Allianz meldet sich jetzt auch Herr Blessing, Vorstandsvorsitzenden der Commerzbank AG, zu Wort. Er, der in seiner Bank laut Zeitungsberichten über 3 Mrd. Euro griechische Staatsanleihen in den Büchern hat, ist gegen eine Beteiligung der privaten Gläubiger.

Was mich nicht wundert. Das wäre ich an seiner Stelle aus purem Eigennutz auch. Es muss aber die Frage erlaubt sein, wieso wir wieder und wieder für die Versäumnisse und Fehler dieser unfähigen Bankiers den Kopf hinhalten sollen? Die sich die Taschen vollstopfen, uns Kunden schlecht behandeln und unfähig sind ihr Bankgeschäft ordentlich zu betreiben.

Und wenn Blessing von einem Vertrauensschaden spricht, so kann ich nur feststellen, dass der schon längst da ist. Und mit jedem Tag tiefer wird. Und die alternativlose Politik der Regierung im Gleichklang mit der Opposition förmlich nach neuen Parteien schreit, die auch das Projekt Europa auf die Tagesordnung und den Prüfstand stellen. Denn ein solches Europa, dass muss doch einmal ausgesprochen werden, will doch keiner von uns.

Es gibt in unserem Land schon genug, die von den Produktiven leben und sich selbst nicht anstrengen. Wir brauchen jetzt nicht noch ganze Länder, die uns auf der Tasche sitzen.

Und da scheiße ich auf die Political Correctness. Es ist an der Zeit, dass man die Dinge mal klar an- und ausspricht. Und, wenn die etablierten Parteien es nicht schaffen, müssen wir uns nach anderen umsehen, die uns Bürger und Wähler noch ernst nehmen.

Wieso soll ich für ein Europa, das ich nicht einmal in einer freien Wahl durch meine Stimme legitimiert habe, gerade stehen? Wieso werden unsere Steuergelder für einen Bail-Out verwendet werden, den es verfassungsrechtlich gar nicht geben darf? Wieso stimmt der Deutsche Bundestag für etwas, was sich in Kürze als ein Verfassungsbruch herausstellen kann bzw. wird? Schließlich ist bald Anhörung beim Bundesverfassungsgericht.

Das Problem Europas ist seine Legitimation. Es ist nicht frei gewählt. Es ist nicht demokratisch legitimiert. Und wird nicht demokratisch geführt. Das zeigt auch die gesamte EU-Schuldenkrise, die das Volk so nicht will. Eine Mehrheit ist gegen diese unvernünftige Politik. Und zwar nicht nur in Deutschland.

Und so ist das Ganze doch nur noch zum Lachen, wäre es nicht so ernst.

Dabei wissen alle, dass der Kaiser nackt ist. Keiner aber hat den Mut es zu sagen. Und so muss wahrscheinlich wie im Märchen des Kaisers neue Kleiner erst ein kleines Mädchen kommen und dies sagen. Dieses Märchen passt wie die Faust aufs Auge auf die Krise Europas. Parallelen sind durchaus vorhanden.

Das Märchen handelt nämlich von einem Kaiser, der sich von Betrügern für viel Geld neue Gewänder weben lässt. Diese machen ihm weis, die Kleider seien nicht gewöhnlich, sondern könnten nur von Personen gesehen werden, die ihres Amts würdig und nicht dumm seien. Tatsächlich geben die Betrüger nur vor zu weben und dem Kaiser die Kleider zu überreichen. Aus Eitelkeit und innerer Unsicherheit erwähnt dieser nicht, dass er die Kleider selbst auch nicht sehen kann und auch die Menschen, denen er seine neuen Gewänder präsentiert, geben Begeisterung über die scheinbar schönen Stoffe vor. Der Schwindel fliegt erst auf, als ein Kind ausruft, der Kaiser habe gar keine Kleider an.

Und wieder versagen weltweit scheinbar gestandene Männer und Frauen, die sog. Elite in Wirtschaft und Politik, weil sie nicht den Mut haben, das zu tun, was getan werden muss. Und über ihre Untätigkeit erneut eine Krise viel größeren Ausmaßes heraufbeschwören.

Ich jedenfalls habe von der Regierung dieses Landes und auch der EU-Kommission jeglichen Respekt verloren. Zwei Jahre haben sie untätig verstreichen lassen, uns angelogen, die systemischen Risien in Wahrheit angehoben statt sie zu senken und die Situation verschärft. Jetzt ist es an der Zeit, dass sie zur Seite treten. Oder wir Sie mit dem entsprechenden Nachdruck dazu auffordern.

Damit ein neues und gerechteres Europa an den Platz des alten Europa treten kann. Eines, das seine Jugend und unsere Zukunft nicht verkauft, sondern eine Zukunft gerade auch für die jungen Menschen schafft. Und zwar indem es in neue Köpfe und intelligente Ideen investiert und nicht in die alten verknöcherten und versagenden dem Tode geweihten Strukturen sowie längst überfälligen Banken, Unternehmen und Institutionen, die es nicht wert sind, erhalten zu werden. Und seit Jahren künstlich mit verschwendeten Milliarden-Subventionen über Wasser gehalten werden.

Es muss schon zu denken geben, wenn selbst der ehemalige Bundespräsident Köhler in Zeit-Online feststellt: „Europa ist in Gefahr, sich selbst zu verraten. Die jetzige Situation zeigt, dass wir vor unseren eigenen Werten versagen ...“.

Jugend Europas erwache. Und zeige der Welt, wer die eigentliche Gefahr für dich war und ist. Und dass es auch anders geht als so. Lasst Euch nicht belügen. Es gibt stets eine Alternative! Auch und gerade für Europa.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.

Ihr Norbert Lohrke

Globalyze
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