Foto
Jochen Steffens,
Stockstreet GmbH
Über den Autor:
Jochen Steffens ist als Chefredakteur diverser Fachpublikationen im Bereich Börse und als bekannter Kolumnist tätig. Seit mehr als zwölf Jahren arbeitet er als eigenverant-
wortlicher Daytrader mit dem Schwerpunkt Future-
handel. Als Geschäftsführer der Stockstreet GmbH ist er für die Börsenseite stockstreet.de verantwortlich.
Dort gibt er den täglich erscheinenden Börsen-
newsletter: „Steffens Daily“ heraus.

Für mehr Information: www.stockstreet.de

Ein guter Indikator verliert an Relevanz

09:48 05.10.12

Wir kommen jetzt in die heiße Phase des US-Präsidentschaftswahlkampfes. Normalerweise ist es für die Börsen schon interessant, welche der beiden Parteien den Präsidenten stellen wird. Allgemein heißt es, die US-Börsen favorisieren einen republikanischen Präsidenten. 

Doch dabei handelt es sich meistens um sehr kurzfristige Auswirkungen vor und nach der Wahl. Mittel- bis langfristig entscheiden zumeist ganz andere Fragen das Wohl und Wehe der Börsen.

Wenn Sie in den vergangenen Jahren wissen wollen, wie es um den US-Präsidentschaftswahlkampf bestellt war, empfahl sich ein Blick auf die Wetten in den USA. Hier wurden sehr gut die Stimmungen abgebildet und oft lieferten die Wettquoten bessere Ergebnisse als die Umfragen. Wir haben immer auf die Quoten bei Intrade.com zurückgegriffen.

Wetten verboten

Doch es gibt ein Problem. Die Terminbörsenaufsicht CFTC hat bereits im April dieses Jahres Optionsscheine, also an den Börsen gehandelte Wetten, auf den Präsidentschaftswahlkampf verboten. Und eben diese Derivate waren es, die auch für andere offizielle Wettbörsen Grundlage der dortigen Quoten gewesen sind.

Da Intrade seinen Sitz jedoch in Irland und nicht in den USA hat, wird dort munter weiter gewettet. Also werfen wir einen Blick auf den Verlauf der Wettquote, dass US-Präsident Barack Obama bei der Präsidentschaftswahl 2012 wieder Präsident wird:

Dargestellt ist der Quotenverlauf seit Januar 2011. Rechts sehen Sie den Preis. Werte von 50 beschreiben eine ausgeglichene Quote Barack Obama und Matt Romney wären dann gleich stark.

Die aktuelle Quote und die Entwicklung der vergangenen Tage

Aktuell liegt Barack Obama auf Intrade bei 66,7 % und Mitt Romney bei 33,4 %. Das wäre ein eindeutiges Ergebnis zu Gunsten Obamas. Dabei hat Romney mit dem ersten Fernsehduell wieder gut aufholen können. Davor waren die Wettquoten auf um die 80 % zugunsten von Obama gestiegen. Hintergrund dieses starken Anstiegs war die heimlich gefilmte Aussage von Romney, dass 47 Prozent der Wähler in jedem Fall für Obama stimmen werden, weil sie von staatlichen Leistungen leben und keine Einkommensteuer bezahlen.

Aber, und das ist das Problem, ohne die oben genannten Derivate haben die Wetten auf Intrade keinen klaren Anhaltspunkt. Zudem ist die Zahl der Kontrakte bei Intrade natürlich deutlich geringer, als es bei den nun verbotenen Optionsscheinen der Fall war. Wir kennen das von den Börsen: Bei niedrigem Umsatz kommt es gerne mal zu Kurskapriolen.

Und deswegen ist zu befürchten, dass die Wetten bei Intrade verzerrt sind. Ich denke, die Werte von 80 % belegen das. Auch wenn die Aussagen von Romney ein Wahlkampfgeschenk an Obama waren, so sind doch Quoten um 80 Prozent nicht realistisch. Schade, ein guter Indikator verliert damit an Relevanz.

Zu guter Letzt

Aber eines ist interessant, nämlich der Vergleich des Börsenverlaufs seit 2011 und dem Verlauf der Wettquoten. Dazu habe ich den oberen Chart auf den S&P500 gelegt:

Es ist eine gewisse Synchronität im Verlauf zu erkennen. Aber ich denke, das liegt daran, dass natürlich der Verlauf der Wirtschaft den Verlauf der Börsen beeinflusst und für die Wiederwahl eines Präsidenten die wirtschaftliche Entwicklung vor einer Wahl von Bedeutung für seine Wiederwahl ist. Und somit ist der Verlauf der Börsen eher Grundlage für die Wettquote als umgekehrt gewesen.

Viele Grüße

Jochen Steffens

(Quelle: www.stockstreet.de)

Hinweis: ARIVA.DE veröffentlicht in dieser Rubrik Analysen, Kolumnen und Nachrichten aus verschiedenen Quellen. Verantwortlich für den Inhalt ist allein der jeweilige Autor.

Artikel ins Forum einfügen und Antwort schreiben