EZB in der Sackgasse

Es war einmal vor langer, langer Zeit, als ich ein kleiner Junge war und mir die Welt als großes Aquarium vorstellte, dessen räumliche Grenzen wir nicht einsehen konnten. Aus dieser beschränkten Vorstellungskraft des Menschen rührt eventuell auch meine Unfähigkeit, mich mit der aktuellen Notenbankpolitik der führenden Zentralbanken anzufreunden. Immer mehr hat sich inzwischen die Europäische Zentralbank (EZB) in eine Sackgasse manövriert. Doch wie will man da wieder herauskommen? Im Rückwärtsgang? Durch Einreißen der Mauern und Zünden des Turbos? Super Mario ist zwar nicht James Bond, der sicherlich eine Lösung parat hätte, aber vielleicht gibt das jüngste 007-Abenteuer einen entscheidenden Hinweis

 

 

Immer öfter kommt hierbei ein Helikopter zum Einsatz und der könnte auch schon bald in der EZB-Zinspolitik eine große Rolle spielen. Abheben und die staunende Menge mit ihrem beschränkten Weltbild zurücklassen. Denn das „Helikopter-Geld“, sprich Geld, das die Notenbanken den Bürgern zur Konsumanheizung kostenlos direkt zur Verfügung stellen, wird immer mehr zum Thema. Diese Vorgehensweise kennt man aus Japan und den USA. Allerdings ist die Wirkung sehr umstritten. Insbesondere wenn man bedenkt, dass sich inzwischen immer mehr mahnende Kommentare zur Geldpolitik der Notenbanken Gehör verschaffen. So hat sich jetzt auch der ehemalige Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF), Rughuram Rajan, der inzwischen indischer Notenbankgouverneur ist, mit dem Thema beschäftigt. Seiner Meinung nach führt die Null-Zins-Politik zu einer Verunsicherung der Menschen, was sogar zu einer Steigerung der Spartätigkeit führen könnte und damit kontraproduktiv wäre. Auch mit seiner Äußerung, dass nicht die Deflation das Problem darstellt, sondern die Verschuldung der Staatshaushalte, spricht er vielen Fachleuten aus dem Herzen.

Zumal sicher ist, dass die Staats- und Regierungschefs die Folgen ihrer verfehlten Haushaltspolitik nicht am eigenen Leib erfahren und sich dadurch in einer trügerischen Sicherheit wähnen. Unterstützung erfahren insbesondere die sogenannten Volksvertreter von Draghi und seinen Helfershelfern, die sogar zukünftig Banken für eine ungezügelte Kreditvergabe im Worst/Best Case mit Liquidität zum negativen Zins belohnen. Die hierbei immer wieder zu beobachtende Denkweise der Politiker und Notenbanker „Hauptsache, in meiner Amtszeit geht alles gut“ erinnert an einen Menschen, der aus großer Höhe in die Tiefe springt. Unterwegs beruhigt er sich mit den Worten „Bisher ist doch alles gut gegangen“, aber es kommt hierbei nicht auf den Fall an, sondern auf die Landung. Und die wird richtig wehtun!

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Baader Bank AG
Über den Autor:
Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds bei der Baader Bank AG. Baader betreut an den Börsenplätzen Berlin, Frankfurt und München u.a. den Handel mit Anleihen und betreut Deutschlands führende Anleihen-Website Bondboard.
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