Der Niedrigzins und seine Folgen

Neben dem zunehmenden Margendruck auf Lebensversicherer und andere Finanzinstitute wirkt sich die Niedrigzinsphase auch auf den Immobilien- und Goldmarkt aus. Außerdem drohen Bankkunden nun höhere Gebühren. Kein Zweifel, die Nebenwirkungen, welche die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) mit sich bringen, machen sich immer deutlicher bemerkbar.

„Die Zeit von weiten Angeboten kostenloser Kontoführung ist aus meiner Sicht vorbei.“ Mit diesem Satz machte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon, in dieser Woche klar, dass sich die Niedrigzinspolitik nun auch auf die Kontoführungsgebühren der Sparkassen auswirkt. Man werde Leistungen bepreisen müssen - und zwar verursachergerecht, meinte er angesichts der „falschen Zinspolitik" der EZB. So werden Strafzinsen, die die EZB für geparkte Gelder von Banken verlangt, bereits an Firmenkunden selektiv weitergegeben. Vor dem Schritt, auch Privatkunden für ihre Spareinlagen einen Minuszins abzuverlangen, dürften insbesondere Sparkassen und Genossenschaftsbanken zurückschrecken. Daher werden sich die Institute über die Verteuerung der Kontoführungsgebühren neue Ertragsquellen erschließen. Eine weitere Nebenwirkung des ultrabilligen Geldes offenbart sich auf dem Immobilienmarkt. Dort kennen die Preise schon seit geraumer Zeit nur eine Richtung: Nach oben. Nicht von ungefähr warnt daher Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer vor einer Immobilienblase in Deutschland als Folge der Billiggeldschwemme der EZB. Er erläutert weiter, dass die Immobilienpreise zwar „noch nicht außer Rand und Band“ seien, wenn man sie mit den erzielbaren Mieten, den verfügbaren Einkommen und dem Schuldendienst vergleiche, aber wenn es noch Jahre so weitergehe, könnte am Ende eine Blase entstehen. Daher spricht Krämer von einer Überhitzung der Immobilienmärkte in gefragten deutschen Städten, in denen die Häuserpreise seit 2010 um ca. 30% stärker gestiegen sind als die Mieten und auch die verfügbaren Einkommen der Großstädter.

Aber auch der Goldpreis erfährt vor dem Hintergrund der EZB-Politik einen neuen Höhenflug und hat nun den höchsten Stand seit einem Jahr erreicht. In der Spitze mussten die Anleger für eine Feinunze (etwa 31 Gramm) an der Börse in London 1.284 US-Dollar bezahlen. Damit ist Gold so wertvoll wie zuletzt im Februar 2015. Die Nachfrage nach Gold ging bei dem größten Vermögensverwalter der Welt, Blackrock, sogar so weit, dass das Institut die Ausgabe neuer Wertpapiere bei seinem Goldfonds IAU kurzfristig eingestellt hatte. Als Grund für die Unterbrechung wurde auf die hohe Nachfrage von Anlegern verwiesen, die die Kapazitäten des Fonds überstiegen habe.

Wenn schon die Zinsen bei null liegen, mögen sich viele Anleger sagen, dann doch besser ein Engagement in Gold. Denn historisch gesehen konnte man mit Gold in etwa die Kaufkraft erhalten. Außerdem gilt eine Anlage in Gold als eine gewisse Absicherung gegen globale Krisen oder ein instabiles Finanzsystem. Im Krisenfall tendierte der Goldpreis von jeher nach oben.

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Baader Bank AG
Über den Autor:
Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds bei der Baader Bank AG. Baader betreut an den Börsenplätzen Berlin, Frankfurt und München u.a. den Handel mit Anleihen und betreut Deutschlands führende Anleihen-Website Bondboard.
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