Wenn Sie Zeitungsleser sind, werden Sie gestern in den
überregionalen Zeitungen die seitengroße Anzeige mit dem platten und
wenig aussagenden Satz „Der Euro ist notwendig“ gelesen haben.
Eine Behauptung, die auf den ersten Blick eingängig ist, bei näherer
Betrachtung eine Beleidigung des gesunden Menschenverstandes
darstellt und dümmer und substanzloser nicht sein könnte. Und
ungefähr das Niveau von „Deutschland den Deutschen“ hat.
Wie man liest, ist diese Anzeige Resultat des deutsch-französischen
Unternehmertreffens, des am herrlichen Südufer des Genfer Sees
gelegenen Evian-les-Bains (hoffentlich nicht das Einzige). Und ist
zu allem Ungemach noch dazu mit der Kanzlerin abgesprochen.
Und so setze ich – widerspenstig wie ich nun mal bin - einfach die
folgende ebenso platte Behauptung dagegen:
Der Euro ist nicht notwendig. Die Deutsche Mark ist notwendig.
Aber schauen wir uns erst einmal an, wer den Aufruf alles
unterzeichnet hat und machen wir uns Gedanken aus welchem Grund. 48
Unternehmer und Manager haben diesen Aufruf oder was das auch immer
sonst sein soll, unterzeichnet. Wird jedenfalls behauptet.
Sie verzeihen mir meine lieben Journalistenkollegen, wenn ich Ihnen
den Unternehmer streichen möchte. Denn ich sehe da im Wesentlichen
Vorstände, die nun wirklich mit einem Unternehmer nichts, aber auch
gar nichts zu tun haben. Wobei es Ausnahmen geben mag. Denn
Unternehmer definiert sich laut Wikipedia wie folgt:
„Der Unternehmer ist der Inhaber (vergleiche Eigentümer) eines
Unternehmens beziehungsweise eines Betriebes, den er selbständig und
eigenverantwortlich führt. Er trägt das Risiko der
Verschlechterung des Geschäftes und das allgemeine
Unternehmensrisiko“.
Nun gibt es sicherlich bessere Definitionen. Aber wenn ich den
letzten Satz hervorhebe, dann sind die Unternehmer mit Ausnahme von
Herrn Burda und Herrn Oetker fast gar nicht vertreten. Wobei ich
zugebe, dass ich bei den Franzosen das nicht genau weiß und schon
mich vorab entschuldige, wenn ich da einen übersehen haben sollte.
Und so halten wir fest, dass diesen Aufruf diejenigen unterschrieben
haben, die wie Politiker auch, auf ein begrenzte Laufzeit (meist 5
Jahre) ein Amt bzw. einen Vorstandsposten innehaben, sich damit für
den Rest des Lebens versorgen und für die Entscheidungen, die sie
treffen, in aller Regel nicht persönlich haften.
Und so halten wir auch fest, dass die inhabergeführten Unternehmer
und Familienbetriebe nicht unterschrieben haben. Weil die ihr Leben
lang schuften, statt sich in schönen Lokalitäten zu verlustieren und
Aufrufe zu verfassen, dann hoffen genug für die Altersvorsorge
zurückgelegt zu haben. Und für jedes noch so kleine Risiko, das sie
eingehen mit ihrem gesamten Privatvermögen haften. Und nebenbei noch
die meisten Arbeitnehmer dieser Republik beschäftigen und auch in
Krisenzeiten halten, statt sie kalt zu feuern. Wie es die Konzerne
tun.
Insofern könnte die Ausgangslage nicht unterschiedlicher sein. Und
wenn wir das Griechenlanddebakel sehen, dann tun sich mir jedenfalls
Parallelen auf.
Die Deutsche Post z.B. hat z.B. auch vor noch gar nicht langer Zeit
mit dem gescheiterten Aufbau des Paketgeschäfts in den USA
Milliarden an Euro versenkt. Und einen ganzen Flughafen verschenkt
(ist wirklich wahr!) Auch Herr Zetsche von der Daimler AG und
insbesondere die Aktionäre bekommen noch heute Angstschweiß auf die
Stirn, wenn sie den Namen Chrysler hören und von Höllenhunden namens
Cerberus träumen. Und ob wir Herrn Obermann, der dem
Milliarden-vernichtenden Voicestream Deal seinerzeit auch nicht
abgeneigt war, wirklich in dieser Sache folgen sollen, entscheiden
Sie bitte selbst. Und auch der Name Evonik steht zu Recht auf der
Liste. Da nenne ich nur das Stichwort Altlastenregelung im
Zusammenhang mit dem Bergbau und den Langzeitkosten. Da soll es
Stimmen geben, die meinen, dass dies wieder einmal zu Lasten der
Steuerzahler ging.
Dass Herr Dieckmann von der Allianz unterschrieben hat, wundert mich
nicht. Hätte ich die Griechenlandanleihen und auch anderen Anleihen
in meinem Depot wie er, stände mein Namen auch unter der Anzeige. Da
kann er sich übrigens mit Herrn Oueda von der Société General die
Hand reichen. Und auch wenn die Deutsche Bank angabegemäß ihre
Griechenlandanleihen auf den Marktwert abgeschrieben haben soll,
dann sieht man an der Kaufempfehlung für die Commerzbank AG, deren
Kapitalerhöhung sie begleitete, woher der Wind weht.
Bei den Franzosen tue ich mich ein bisschen schwerer. Ich hoffe, Sie
sehen mir das nach. Schließlich kann man nicht alles wissen. Aber
wenn ich da Alcatel-Lucent lese, die aus der 2006-er Fusion der
französischen Alcatel und der amerikanischen Lucent Technologies
denke, so gibt es sicherlich positivere Beispiele in der
Fusionsgeschichte. Jedenfalls sprachen die folgenden Verluste und
über 32 % höheren Entlassungen eine deutliche Sprache. Und die
France Telecom hat unter Le Bon seinerzeit bei der Mobilcom auch
nicht gerade eine bella Figura gemacht. Oder wie war das mit dem
Versprechen eines Aufbaus eines UMTS-Netzes? Das hätte den Riesen
mächtig in Schieflage gebracht. Sanofi-Aventis wird übrigens gerade
vorgeworfen, dass sie jahrelang Medikamente verkauft haben sollen,
deren Verfallsdatum nahte und die obwohl sie eigentlich für
Nordkorea gedacht waren, plötzlich in deutschen Apotheken wieder
auftauchten. Das hat schon was, oder? Für Vorbildzwecke ist es
allerdings weniger geeignet.
Also, hat sich da wieder einmal die sog. „Elite“ getroffen.
Vielleicht hätten die sich eher zu Wort melden sollen? Als nämlich
das angerichtet wurde, was jetzt nicht sie, sondern die vielen
kleinen Steuerzahler ausbaden müssen. Oder habe ich was nicht
mitbekommen und die Unternehmen haben für Griechenland ein paar
Milliarden gespendet? Wohl eher nicht oder?
Dann will ich dem Gerücht entgegentreten, dass wir den Euro mehr
bräuchten als alle anderen. Die Schweiz beweist das Gegenteil. Wenn
man gute Unternehmen hat, dann können die trotz eines hohen
Wechselkurses erfolgreich wirtschaften. Und dass die Deutsche Mark
heute stark wäre, weil die Deutsche Bundesbank im Gegensatz zur EZB
keine Staatsanleihen gekauft hätte, ist klar. Die Struktur in der
Industrielandschaft würde sich allerdings möglicherweise etwas
verschieben. Das gebe ich zu. Ob zu Lasten oder Vorteilen kann man
nicht wirklich sagen.
Und was die Absicherung der Fremdwährungsgeschäfte betrifft, so mag
ich falsch liegen. Aber seit nach dem Krieg bis hin zur
Euroeinführung meine ich, dass das ganz gut geklappt hat. Jedenfalls
sind wir mal so schlapp Exportweltmeister geworden. Trotz dieser
blöden Deutschen Mark und ohne Milliardentransfers an Griechenland,
Irland, Island und sonstigen. Unglaublich oder?
Wie war das eigentlich möglich Ihr 48 Unternehmer und Manager? Ohne
Euro hätte das doch gar nicht funktionieren dürfen, oder? Jedenfalls
wenn ich manchen von Fachwissen ungetrübten Politikern und diesen
Unsinn nachplappernden Journalisten Glauben schenken möchte. Was ich
mit Sicherheit nicht tue.
Fakt ist, dass ein Land, das seine komparativen Vorteile in der
weltweiten Arbeitsteilung nutzt, kein Problem wegen des
Wechselkurses haben muss. Im Gegenteil. Denkt vielleicht einer
dieser Halbwissenden mal darüber nach, dass eine starke D-Mark in
Zeiten wie diesen die ganzen Importe, also Rohstoffe dramatisch
verbilligen würde, wovon endlich einmal auch der normale Bürger was
hätte und auch die Mittelständler. Wobei die Industrie sich mit
langfristigen Aufträgen bzw. Produktionsverlagerungen weltweit
sowieso auf jedes Szenario einstellen kann. Also, was wollen die
eigentlich?
Nein. Profitiert haben von der Abschaffung der Deutschen Markt und
der Einführung des Euro vor allem die europäischen Länder, die uns
heute Sorgen machen. Und zwar allein über die niedrigen Zinsen.
Womit sie sich reichlich mit Geld für den Konsum und leider nicht
die Investition in Infrastruktur und den Aufbau von
Industriestrukturen versorgten. Das sagen im Übrigen auch Prof. Dr.
Starbatty und viele, viele andere Professoren. Und der ist im
Gegensatz zum Regierungsberater Prof. Dr. Fuest schon etwas länger
auf den Beinen und international anerkannt. Und profitieren tun in
diesem Europa die Lobbygruppen und Unproduktiven, die schmarozerhaft
jede Menge Geld und Subventionen aus dem System saugen.
Und so wird derzeit – was diese Diskussion betrifft – (Sie verzeihen
mir bitte wieder einmal) ein solcher fachfremder Scheiß erzählt,
dass sich mir, Herrn Starbatty und zahlreichen Volkswirten in
Deutschland die Fußnägel nach oben rollen.
Und so mag es Sie überraschen, dass wir – die das etwas anders sehen
- keine rechts- oder linksradikalen Dumpfbacken sind, sondern ganz
normale Familienväter und Unternehmer, denen dieses Land noch am
Herzen liegt und die im Gegensatz zu den Konzernen und
Konzernlenkern nicht einfach unsere Aktivitäten ins Ausland
verlagern können. Und für alles was wir tun auch gerade stehen. Und
nicht dann, wenn wir für unsere Entscheidungen gerade stehen müssen,
unser Gedächtnis verlieren, unsere Anschriften plötzlich nicht mehr
wissen und so tun, als ob wir Demenz hätten. Wie die Herren Börisg,
Sommer, Ricke, Middelhoff und viele andere mehr.
Wobei das in diesem Europa, ob auf Konzernseite oder der Seite der
Politik hilfreicher denn je ist. Demenz als Grundlage eines
vereinten Europas. Dann mus man sich nicht mehr an das erinnern, was
man in grauer Urzeit verbrochen hat.
Und so wird es sie überraschen, dass auch ich am Ende das Fazit
ziehe, dass ein Euro wünschenswert ist.
Aber nicht so. Und, wenn es in Europa so weitergeht, dann will ich
jedenfalls meine gute alte Deutsche Mark und meine gute alte
Deutsche Bundesbank zurück. Weil ich es satt habe, für das Versagen
anderer meinen Kopf hinzuhalten.
Und da bin ich mit Sicherheit nicht der einzige in Deutschland. Es
wird wohl noch ein zwei mehr geben, die sich einen gesunden
Menschenverstand erhalten haben, oder?
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und stets hohe Renditen.
Ihr Norbert Lohrke
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