WGZ Cognitrend Report - das Marktgeschehen aus dem Blickwinkel der verhaltensorientierten Forschung
Horrorszenarien verlieren ihren Schrecken
"There will not be a Staatsbankrott!" Immer wieder musste Finanzminister Wolfgang Schäuble – zugegeben, die (d)englische Wortwahl ist zweifellos verbesserungswürdig - während seiner Asienreise seine Gesprächspartner beruhigen, die ihn fortwährend zur Zukunft Griechenlands löcherten. Aber was, wenn doch? Was passiert, wenn Griechenland gar die Eurozone verlässt und auch andere Krisenländer zu ihrer eigenen Landeswährung zurückkehren? Das Schweizer Forschungsinstitut Prognos hat nun im Auftrag der Bertelsmann Stiftung die ökonomischen Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands und anderer Staaten beziffert. Das Szenario für Deutschland klingt ziemlich bedrohlich: 10 Prozent Arbeitslosigkeit, 1.707 Mrd. EUR wirtschaftlicher Wachstumsverlust von 2013 bis 2020 und 455 Mrd. EUR Forderungsverluste. Wachsen würde die heimische Wirtschaft erst wieder im Jahr 2018. Dagegen klingt die aktuelle Wachstumsvorhersage der Bundesregierung geradezu paradiesisch: Die Prognose für kommende Jahr wurde von 1,6 auf 1,0 Prozent gekappt, denn wegen der Eurokrise halten sich Unternehmen zunehmend mit Investitionsentscheidungen zurück. Auch für die Weltwirtschaft käme ein Austritt von Griechenland, Portugal, Spanien und Italien teuer zu stehen: Der Studie zufolge beliefen sich die Gesamtkosten auf 17.100 Mrd. EUR!
Wem bei diesen Zahlen angst und bange wird, hat allerdings die Rechnung ohne den eisernen Willen der Politiker gemacht. Europas Offizielle haben schon so viel Zeit und Energie in die Eurozone gesteckt, dass sie noch lange nicht bereit sind, auch nur einen der kriselnden Staaten gehen zu lassen. Stattdessen wollen die Euroländer enger zusammenrücken, etwa mit einer gemeinsamen Bankenaufsicht, die im Zentrum des EU-Gipfels stand - Europas Spitzenpolitiker tagten am Donnerstag und Freitag in Brüssel. Die Fortschritte sind zwar bescheiden, aber ausreichend, um die Marktteilnehmer davon zu überzeugen, solche Horrorszenarien für Deutschland und Euroland immer mehr zu verdrängen: Die Risikoaufschläge der Krisenländer-Anleihen sind so niedrig wie seit Monaten nicht mehr, während die Analysten zunehmend optimistischer werden. Der ZEW-Index etwa, der die Konjunkturerwartungen für Deutschland misst, fiel günstiger aus als erwartet.
Der DAX schaffte am Donnerstag wieder den Sprung über die 7.400er Marke. Freilich halten wir unser Potenzial bis 7.480 und darüber bis 7.640/45 aufrecht. Die wichtige Unterstützungsmarke, die den bullishen Ausblick schützt, liegt nun höher bei 7.240. Korrekturen sollten aber dann spätestens bei 7.015/20 aufgefangen werden.
Alle in diesem Dokument genannten Preisniveaus verlieren bei einem Durchstoß von zehn Punkten ihre Gültigkeit.
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