Boxkampf um die Heta

Für den Fall, dass die Gläubiger der Hypo-Bad-Bank Heta einem Schuldenschnitt nicht zustimmen, will der Kärntner Landeshauptmann, Peter Kaiser (SPÖ), „die Boxhandschuhe“ anziehen, wie er sagt. Bisher sei man mit Samthandschuhen vorgegangen. Denn kommt es zu keiner Einigung, steht Österreich ein Novum bevor: Die erste Pleite eines Bundeslandes.

Am morgigen Freitag läuft das Angebot aus Kärnten für die Heta-Gläubiger ab, das Letztere bislang ablehnen. Kärnten, das Nachbesserungen definitiv ausschließt, droht damit ein jahrelanger Rechtsstreit, dem allerdings nun tatsächlich eine Insolvenz vorangehen könnte. Das Bundesland Kärnten haftet für Anleihen der ehemaligen Hypo Alpe Adria i.H.v. 11 Mrd. €. Mehrere Investorengruppen hatten zuvor das aufgebesserte Angebot für den Rückkauf ihrer Heta-Anleihen abgelehnt. Eine große Gläubigergruppe, der u.a. die Commerzbank, die HSH Nordbank und die Deutsche Pfandbriefbank angehören, hält Heta-Papiere im Volumen von über 5 Mrd. €. Doch das Angebot kann nur wirksam werden, wenn zwei Drittel zustimmen und somit kann diese Gruppe alleine den Deal platzen lassen. Und auch die deutschen Versicherer pochen auf Erfüllung der unwiderruflichen Garantie des Bundeslandes und lehnen infolgedessen ebenfalls das Angebot Kärntens über eine finanzielle Beteiligung i.H.v. 1,2 Mrd. € ab. Hierin sieht Kärnten nämlich die Schmerzgrenze dessen, was es leisten könne. Und nur für dieses Angebot gibt es für Kärnten die Kreditierung durch den Bund. Das Angebot läuft am 11. März aus. Danach gibt es keine Chance mehr für die Gläubiger, doch noch zuzustimmen.

Nun spekulieren viele Anleger darauf, dass Österreich dem Bundesland zu Hilfe kommt, um dessen Insolvenz zu verhindern. Doch zuvor wird die zuständige Finanzmarktaufsicht (FMA) einen Schuldenschnitt bei der Bad Bank machen, der spätestens Ende Mai erfolgen muss. Bis dahin läuft das über die Heta verhängte Schuldenmoratorium. Auch eine Rückzahlung sämtlicher Heta-Anleihen ist bis dahin gestoppt.

Würden die Gläubiger das Angebot über insgesamt 7,8 Mrd. € annehmen, verzichteten sie auf rund 3 Mrd. €. Das Bundesland argumentiert, dass bei einem Rechtsstreit am Ende für alle Forderungen weniger bleiben als bei einer Annahme des vorliegenden Angebots. Verlässlichkeit sieht anders aus!

 

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Baader Bank AG
Über den Autor:
Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds bei der Baader Bank AG. Baader betreut an den Börsenplätzen Berlin, Frankfurt und München u.a. den Handel mit Anleihen und betreut Deutschlands führende Anleihen-Website Bondboard.
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