Die Nerven liegen derzeit blank im Hause Wirecard
AG. Die Vorstände Dr. Marcus Braun, Rüdiger Trautmann und Burkhard Ley
schießen bildlich gesprochen auf alles, was im Zusammenhang mit
einzelnen Teilen des Interviews des ehemaligen stellvertretenden
SdK-Vorsitzenden Straub steht. Das zeigen zwei Unterlassungs- und
Verpflichtungserklärungen, die mir über die Rechtsanwaltskanzlei Holme
Roberts & Owen Germany LLP gestern und am Montag per Fax zugestellt
wurden.
Ich werde darin aufgefordert es zu unterlassen, den Eintrag „Schlechte
Börsensoap“ und eine Formulierung im Zusammenhang mit einem
Rechtsanwalt, den die Wircecard AG beauftragt hatte, selbst oder durch
andere im Internet verfügbar zu halten und/oder anderweitig zu
veröffentlichen. Für den Fall der Zuwiderhandlung gegen die
Verpflichtung verpflichte ich mich, unter Ausschluss des
Fortsetzungszusammenhangs eine Vertragsstrafe in Höhe von EUR 5.000,00
bzw. 5.0001,00 an die Unterlassungsgläubigerin zu zahlen.
Wie im Anschreiben der Kanzlei ausgeführt, wurde dazu auch die
renommierte Frankfurter Allgemeine Zeitung verdonnert, die unter
www.faz.net die angeführte Behauptung ebenfalls zitiert hatte. Sie hat
angabegemäß – wie ich auch - die Unterlassung erklärt. Wie Sie also
sehen, bewege ich mich derzeit in bester Gesellschaft.
Was aber treibt die Wirecard AG, so massiv gegen die FAZ und mich
vorzugehen? Meine Erfahrung aus langjähriger Wirtschaftsprüfung ist
die, dass immer dann, wenn ich mit meinen Prüfungsfeststellungen
richtig lag, die Geschäftsführungen bzw. Vorstände aus allen Rohren
gegen mich geschossen haben. Insofern fühle ich mich in meiner Meinung,
die ich mir nicht zuletzt auch in Frankfurt auf einer
Investorenkonferenz bezüglich des Unternehmen gebildet habe, bestätigt.
Und die war alles andere als begeisternd.
Wissen Sie was ich mich frage?
Warum beauftragt die Wirecard eine der großen vier internationalen
Wirtschaftsprüfungsgesellschaften mit einer gutachterlichen
Stellungnahme, wenn doch alles in Ordnung ist? Reicht das Testat der
derzeitigen Wirtschaftsprüfer, eine mir unbekannte RP Richter GmbH aus
München, etwa nicht aus?
Warum reagiert die Wirecard AG so unsouverän, in dem Sie mit Kanonen
auf Spatzen schießt. Denn obwohl ich mächtig stolz auf mein Globalyze
Portal bin und mich an der Seite der FAZ geradezu sauwohl fühle, so
weiß ich wohl, dass ich eher ein kleiner, wenn auch feiner Player im
Feld bin.
Warum beschreibt die Wirecard in Ihren Pressemitteilungen die ihr von
der Schutzvereinigung für Kapitalanleger e.V. (SdK) zur Last gelegten
Sachverhalte nicht einfach hinreichend?
Wieso werden eigentlich die Vorstandsgehälter bis zum Geschäftsjahr
2009 nicht offengelegt?
Und wieso bekommen die Aufsichtsräte jährlich und in 2007 so hohe
Vergütungen? Hier die Zahlen aus dem Geschäftsbericht 2007:
Vorsitzender 60.000 Euro, Stellvertreter 45.000 Euro und Mitglieder
30.000 Euro zzgl. Sitzungen von Euro 1.250 Euro pro Mitglied zuzüglich
einer variablen Vergütungskomponente abhängig vom EBIT. Wobei letztere
500 Euro für jede vollendete Million, die das EBIT der Gesellschaft
einen Mindestbetrag von 12 Millionen übersteigt, gezahlt wird. Wobei
der Vorsitzende wieder das Doppelte und der Stellvertreter das
Eineinhalbfache der variablen Vergütungskomponente erhält. Für 2007
insgesamt 221.000 Euro.
Ich kann dazu nur feststellen, dass ich persönlich selten so etwas
gesehen habe! Sind die Jungs im Aufsichtsrat wirklich so gut und
wertvoll?
Weil wir gerade beim Aufsichtsrat sind. Der scheidende Herr Rehnig
erhielt zusätzlich TEUR 10 bei der Wirecard Technologies AG und TEUR 50
bei der Wirecard Bank AG. Und das Aufsichtsratsmitglied Hensler bekam
TEUR 10 bei Wirecard Technologies AG und TEUR 63 auf Basis von
Tagessätzen als Consultant. Da wird er möglicherweise das überwachen,
was er selbst als Consultant empfohlen hat. Wie ich meine ein sehr
interessante Konstellation.
Und warum ging der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Herr Rehnig,
trotz einer so außerordentlich hohen Vergütung?
Warum wurden für die relativ unbekannten Abschlussprüfer bei einem
Umsatz von 134 Mio. ¤ die doch recht hohen 380 TEUR an
Abschlussgebühren gezahlt?
Nur zum Vergleich: die Wavelight mit 78 Mio. Umsatz zahlt nur 68 TEUR
an Stolz & Partner GmbH. Oder die Villeroy & Boch mit einem
Umsatz von 848 Mio. ¤, also dem sechsfachen des Wirecard Umsatzes zahlt
ihrem Wirtschaftsprüfer KPMG, die einer der Big Four ist, nur 262 TEUR?
Was sind eigentlich strategische Firmenunterlagen, bei denen der
Vorstand absieht, diese im Internet zu veröffentlichen (wie im
Geschäftsbericht 2007 niedergelegt)?
Wann darf ich für diesen Artikel mit der nächsten
Unterlassungserklärung rechnen?
Eines kann ich Ihnen auf jeden Fall schon jetzt mitteilen. Ein gutes
Investment sieht wirklich anders aus. Da stimmt auch die
Management-Qualität. Vielleicht sollte sich der doch recht teure
Aufsichtsrat einmal zusammensetzen und überlegen, ob er diese Vorstände
und deren Gebaren wirklich als tragbar empfindet.
Wobei ich großes Vertrauen in die Anleger habe, die sicherlich ein
gutes Investment von einem schlechten unterscheiden können. Und
vielleicht hilft es Ihnen ja weiter, wenn ich Ihnen mitteile, dass mein
Portal zu einem deutlich negativen Kurspotential (trotz des
Kursabsturzes der vergangenen Tage) kommt. D.h., dass ich aufgrund
meiner Analysen zu einer Überbewertung komme.
Aber lassen Sie mich zum Schluss noch ein paar Worte direkt an den
Vorstandsvorsitzenden richten.
Lieber Herr Dr Braun, es ist schade, dass Sie statt dem Mittel der
verbalen Auseinandersetzung und sachlichen Argumentation, den
grobschlächtigen rechtlichen Weg der Unterlassungserklärung bevorzugen.
Ich muss deshalb annehmen, dass Sie diesen auch nötig haben. Was nicht
gerade für Sie sprechen würde. Im Übrigen tun Sie Ihrem Unternehmen
damit einen Bärendienst. Denn jetzt wird jeder hellhörig werden und Sie
zu Recht mit Argusaugen beobachten. Und auch zunehmend kritische Fragen
stellen. Ich hoffe für Sie, dass Sie nichts zu verbergen haben und Sie
bzw. die Wirtschaftsprüfer alle Fragen auch zu unserer Zufriedenheit
und der Ihrer Aktionäre beantworten können.
Denn Sie wissen ja: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es am
Ende heraus. Also, ziehen Sie sich schon einmal warm an.
Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.
Ihr Norbert Lohrke