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Norbert Lohrke,
Globalyze Invest AG
Über den Autor:
Diplom-Volkswirt Norbert Lohrke betreibt seit 2004 www.globalyze.de mit seiner einzigartigen voll-automatisierten fundamentalen Aktienauswahl. Daraus resultieren renditeträchtige Produkte wie Top10 Plus, Top Flop, Value Börsenbrief und der Aktienfonds Globalyze QuantValue (A1JL1H). Nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen aus Wirtschaftsprüfung und Bewertung sowie seiner kritischen Betrachtungsweise ist der Investmentprofi einer der meistgelesenen Wirtschaftsautoren im deutschsprachigen Raum. Sein Slogan? „Rendite ist kein Zufall“

Au Weia Card

08:52 01.08.08

Die Nerven liegen derzeit blank im Hause Wirecard AG. Die Vorstände Dr. Marcus Braun, Rüdiger Trautmann und Burkhard Ley schießen bildlich gesprochen auf alles, was im Zusammenhang mit einzelnen Teilen des Interviews des ehemaligen stellvertretenden SdK-Vorsitzenden Straub steht. Das zeigen zwei Unterlassungs- und Verpflichtungserklärungen, die mir über die Rechtsanwaltskanzlei Holme Roberts & Owen Germany LLP gestern und am Montag per Fax zugestellt wurden.

Ich werde darin aufgefordert es zu unterlassen, den Eintrag „Schlechte Börsensoap“ und eine Formulierung im Zusammenhang mit einem Rechtsanwalt, den die Wircecard AG beauftragt hatte, selbst oder durch andere im Internet verfügbar zu halten und/oder anderweitig zu veröffentlichen. Für den Fall der Zuwiderhandlung gegen die Verpflichtung verpflichte ich mich, unter Ausschluss des Fortsetzungszusammenhangs eine Vertragsstrafe in Höhe von EUR 5.000,00 bzw. 5.0001,00 an die Unterlassungsgläubigerin zu zahlen.

Wie im Anschreiben der Kanzlei ausgeführt, wurde dazu auch die renommierte Frankfurter Allgemeine Zeitung verdonnert, die unter www.faz.net die angeführte Behauptung ebenfalls zitiert hatte. Sie hat angabegemäß – wie ich auch - die Unterlassung erklärt. Wie Sie also sehen, bewege ich mich derzeit in bester Gesellschaft.

Was aber treibt die Wirecard AG, so massiv gegen die FAZ und mich vorzugehen? Meine Erfahrung aus langjähriger Wirtschaftsprüfung ist die, dass immer dann, wenn ich mit meinen Prüfungsfeststellungen richtig lag, die Geschäftsführungen bzw. Vorstände aus allen Rohren gegen mich geschossen haben. Insofern fühle ich mich in meiner Meinung, die ich mir nicht zuletzt auch in Frankfurt auf einer Investorenkonferenz bezüglich des Unternehmen gebildet habe, bestätigt. Und die war alles andere als begeisternd.

Wissen Sie was ich mich frage?

Warum beauftragt die Wirecard eine der großen vier internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften mit einer gutachterlichen Stellungnahme, wenn doch alles in Ordnung ist? Reicht das Testat der derzeitigen Wirtschaftsprüfer, eine mir unbekannte RP Richter GmbH aus München, etwa nicht aus?

Warum reagiert die Wirecard AG so unsouverän, in dem Sie mit Kanonen auf Spatzen schießt. Denn obwohl ich mächtig stolz auf mein Globalyze Portal bin und mich an der Seite der FAZ geradezu sauwohl fühle, so weiß ich wohl, dass ich eher ein kleiner, wenn auch feiner Player im Feld bin.

Warum beschreibt die Wirecard in Ihren Pressemitteilungen die ihr von der Schutzvereinigung für Kapitalanleger e.V. (SdK) zur Last gelegten Sachverhalte nicht einfach hinreichend?

Wieso werden eigentlich die Vorstandsgehälter bis zum Geschäftsjahr 2009 nicht offengelegt?

Und wieso bekommen die Aufsichtsräte jährlich und in 2007 so hohe Vergütungen? Hier die Zahlen aus dem Geschäftsbericht 2007: Vorsitzender 60.000 Euro, Stellvertreter 45.000 Euro und Mitglieder 30.000 Euro zzgl. Sitzungen von Euro 1.250 Euro pro Mitglied zuzüglich einer variablen Vergütungskomponente abhängig vom EBIT. Wobei letztere 500 Euro für jede vollendete Million, die das EBIT der Gesellschaft einen Mindestbetrag von 12 Millionen übersteigt, gezahlt wird. Wobei der Vorsitzende wieder das Doppelte und der Stellvertreter das Eineinhalbfache der variablen Vergütungskomponente erhält. Für 2007 insgesamt 221.000 Euro.

Ich kann dazu nur feststellen, dass ich persönlich selten so etwas gesehen habe! Sind die Jungs im Aufsichtsrat wirklich so gut und wertvoll?

Weil wir gerade beim Aufsichtsrat sind. Der scheidende Herr Rehnig erhielt zusätzlich TEUR 10 bei der Wirecard Technologies AG und TEUR 50 bei der Wirecard Bank AG. Und das Aufsichtsratsmitglied Hensler bekam TEUR 10 bei Wirecard Technologies AG und TEUR 63 auf Basis von Tagessätzen als Consultant. Da wird er möglicherweise das überwachen, was er selbst als Consultant empfohlen hat. Wie ich meine ein sehr interessante Konstellation.

Und warum ging der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Herr Rehnig, trotz einer so außerordentlich hohen Vergütung?

Warum wurden für die relativ unbekannten Abschlussprüfer bei einem Umsatz von 134 Mio. ¤ die doch recht hohen 380 TEUR an Abschlussgebühren gezahlt?

Nur zum Vergleich: die Wavelight mit 78 Mio. Umsatz zahlt nur 68 TEUR an Stolz & Partner GmbH. Oder die Villeroy & Boch mit einem Umsatz von 848 Mio. ¤, also dem sechsfachen des Wirecard Umsatzes zahlt ihrem Wirtschaftsprüfer KPMG, die einer der Big Four ist, nur 262 TEUR?

Was sind eigentlich strategische Firmenunterlagen, bei denen der Vorstand absieht, diese im Internet zu veröffentlichen (wie im Geschäftsbericht 2007 niedergelegt)?

Wann darf ich für diesen Artikel mit der nächsten Unterlassungserklärung rechnen?

Eines kann ich Ihnen auf jeden Fall schon jetzt mitteilen. Ein gutes Investment sieht wirklich anders aus. Da stimmt auch die Management-Qualität. Vielleicht sollte sich der doch recht teure Aufsichtsrat einmal zusammensetzen und überlegen, ob er diese Vorstände und deren Gebaren wirklich als tragbar empfindet.

Wobei ich großes Vertrauen in die Anleger habe, die sicherlich ein gutes Investment von einem schlechten unterscheiden können. Und vielleicht hilft es Ihnen ja weiter, wenn ich Ihnen mitteile, dass mein Portal zu einem deutlich negativen Kurspotential (trotz des Kursabsturzes der vergangenen Tage) kommt. D.h., dass ich aufgrund meiner Analysen zu einer Überbewertung komme.

Aber lassen Sie mich zum Schluss  noch ein paar Worte direkt an den Vorstandsvorsitzenden richten.

Lieber Herr Dr Braun, es ist schade, dass Sie statt dem Mittel der verbalen Auseinandersetzung und sachlichen Argumentation, den grobschlächtigen rechtlichen Weg der Unterlassungserklärung bevorzugen. Ich muss deshalb annehmen, dass Sie diesen auch nötig haben. Was nicht gerade für Sie sprechen würde. Im Übrigen tun Sie Ihrem Unternehmen damit einen Bärendienst. Denn jetzt wird jeder hellhörig werden und Sie zu Recht mit Argusaugen beobachten. Und auch zunehmend kritische Fragen stellen. Ich hoffe für Sie, dass Sie nichts zu verbergen haben und Sie bzw. die Wirtschaftsprüfer alle Fragen auch zu unserer Zufriedenheit und der Ihrer Aktionäre beantworten können.

Denn Sie wissen ja: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es am Ende heraus. Also, ziehen Sie sich schon einmal warm an.

Einen schönen Tag und hohe Renditen wünscht Ihnen.

Ihr Norbert Lohrke

Globalyze investiert nur in wertorientierte Unternehmen. Wirecard wird von uns nicht zum Kauf empfohlen.




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