Kartellamt durchsucht Pharmagroßhändler

Donnerstag, 15.09.2016 12:00 von

Haben sich die großen Pharmahändler in Deutschland wettbewerbswidrig abgesprochen? Das Bundeskartellamt geht diesem Verdacht jetzt nach. Der rund 29 Milliarden Euro große Markt wird von fünf Konzernen kontrolliert.

Das Bundeskartellamt nimmt die Pharmahandelsbranche unter die Lupe wegen des Verdachts auf wettbewerbswidrige Absprachen. Am Mittwoch wurden bei insgesamt acht Unternehmen der Branche Durchsuchungen durchgeführt, wie ein Sprecher der Behörde dem Handelsblatt bestätigte. Insbesondere geht es bei der Untersuchung um die Fragen, ob die Unternehmen Absprachen zum sogenannten Kundenschutz getroffen haben. Darunter sind etwa Vereinbarungen zu verstehen, dass sich Unternehmen ihre Kunden nicht gegenseitig abspenstig machen.

Zu den Namen der betroffenen Firmen wollte sich die Behörde nicht äußern, da bis zum Abschluss des Verfahrens die Unschuldsvermutung gelte, so der Sprecher. De facto sind aber fast alle Unternehmen der Branche durchsucht worden, da die Pharmabranche ein oligopolistischer Markt ist.

Im rund 29 Milliarden Euro großen Markt kontrollieren fünf Konzerne rund 90 Prozent. Den Rest bestreiten regionale Anbieter. Marktführer Phoenix führt das Oligopol nach Brancheninformationen mit 27 Prozent Marktanteil an, die Genossenschaft Noweda liegt mit rund 17 Prozent auf Platz zwei. Die zu Celesio gehörende Gehe, Alliance Healthcare Deutschland (früher Anzag) und die genossenschaftliche Sanacorp pendeln bei 15 bis 16 Prozent Marktanteil.

Phoenix gehört zur Merckle-Gruppe, Celesio seit 2014 zum US-Konzern McKesson (McKesson Aktie) und Alliance Healthcare zum Apotheken- und Drogeriekonzern Walgreens Boots Alliance (Walgreens Boots Alliance Aktie). Phoenix, Gehe und Sanacorp bestätigten dem Handelsblatt, dass bei ihnen Durchsuchungen durchgeführt wurden und man die Behörden vollumfänglich unterstützen werde. Noweda und Alliance Healthcare waren kurzfristig für ein Statement nicht erreichbar.

Die Pharmahandelsbranche ist in der Vergangenheit immer wieder Ziel von Untersuchungen des Kartellamts gewesen, zuletzt wurden vor knapp acht Jahren Bußgelder wegen illegaler Absprachen verhängt.

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