Kann Bayers Mega-Deal doch noch scheitern?

Mittwoch, 21.09.2016 12:17 von

Bayer wird durch den Monsanto-Kauf zum weltgrößten Agrarchemie-Anbieter.
Bayer wird durch den Monsanto-Kauf zum weltgrößten Agrarchemie-Anbieter. - © Shutterstock.com / Sergey Kohl
Nachdem Bayer am 14. September die Übernahme von Monsanto verkündete, äußerten sich amerikanische Bauern und Senatoren kritisch. Das letzte Wort haben die Kartellwächter.

66 Milliarden US-Dollar – so viel ist Bayer die Übernahme des US-amerikanischen Saatgutspezialisten Monsanto wert, wie der Leverkusener Konzern am vergangenen Mittwoch bekannt gab. Durch den Kauf, der die bisher größte Übernahme eines ausländischen Konzerns durch ein deutsches Unternehmen darstellt, wird Bayer zum Weltmarktführer in der Agrarchemie.

US-Bauern sind gegen die Fusion

Doch Kartellwächter und US-Senatoren könnten den Ambitionen der Leverkusener im letzten Moment einen Strich durch die Rechnung machen. Am Dienstag mussten die Konzernspitzen von Bayer und Monsanto ihre Fusionspläne vor dem US-Senat verteidigen. Mehrere Abgeordnete hatten im Vorfeld Kritik an der Übernahme geäußert. So hatte Charles Grassley, republikanischer Vorsitzender des Rechtsausschusses, vor einem wirtschaftlichen Schaden für die amerikanischen Landwirte durch die Konsolidierung gewarnt. Kartellbehörden sollten derartige Zusammenschlüsse gründlich prüfen, so Grassley. US-Bauern fürchten dem „Handelsblatt“ zufolge, dass Bayers Monsanto-Übernahme zu Angebotsverknappung und Preisanstiegen führen könnte.

In der gestrigen Anhörung vor dem Senat versuchten Jim Blome, Präsident von Bayer CropScience North America, und Robb Fraley, Vizepräsident von Monsanto, die Zweifel an der Rekordfusion zu zerstreuen. Infolge des Deals seien größere Technologie-Investitionen zu erwarten, die letztendlich US-Bauern zugutekämen, erklärten die Konzernvertreter gegenüber den Senatoren. Der Zusammenschluss ermögliche die Deckung des steigenden Nahrungsmittelbedarfs, so Blome und Frey weiter. Die Spitzenmanager argumentierten mit den unterschiedlichen geografischen Schwerpunkten der Konzerne. Während Monsanto vor allem auf dem nordamerikanischen Markt aktiv sei, agiere Bayer in erster Linie außerhalb Nordamerikas.

Bringen kartellrechtliche Auflagen den Deal ins Wanken?

Auch aus der Monopolkommission, die die deutsche Bundesregierung in Wettbewerbsfragen berät, wurde inzwischen Kritik an der Fusion laut. Ihr Vorsitzender Achim Wambach verwies auf das Engagement von Finanzinvestoren bei beiden Unternehmen. So sei der US-Vermögensverwalter Blackrock mit jeweils mehr als sechs Prozent an Bayer und Monsanto beteiligt – Kartellbehörden sollten dies bei ihrer Beurteilung der Fusion nicht außer Acht lassen. Über Wettbewerbsfragen des Bayer-Monsanto-Deals wird neben den US-Behörden auch die EU-Kommission entscheiden.

Aus Dokumenten, die der US-Wertpapieraufsicht SEC vorliegen, ging unterdessen hervor, dass die Unternehmen im Falle kartellrechtlicher Auflagen von ihrem Deal zurücktreten könnten. Sollte die Genehmigung der Fusion den Verkauf von Geschäftsbereichen mit einem Jahresumsatz von mehr als 1,6 Milliarden US-Dollar erforderlich machen, können Bayer und Monsanto sich gegen das Geschäft entscheiden. Der längst in trockenen Tüchern geglaubte Deal könnte in diesem Fall doch noch scheitern.