"Junge Frauen können sich nicht mit alten, abgetakelten Männern identifizieren."

Dienstag, 20.09.2016 07:45 von

Bestseller-Autorin Katja Eckardt
Bestseller-Autorin Katja Eckardt - © Photogenika
Nehmt Eure Finanzen endlich selbst in die Hand! Diesen Ratschlag gibt Volks- und Betriebswirtin Katja Eckardt den Frauen in Deutschland. Vor der Börse brauche niemand Angst zu haben, meint die als „Finanz-Diva“ bekannte Bestseller-Autorin. Wir sprachen mit ihr über Aktien, Lebenspläne und den Unterschied zwischen Frauen und Männern.

Auf dem „Investment & Business-Days“ am vergangenen Freitag trug Ihr Vortrag den Titel „Geld verlieren für Einsteiger“. Sind Sie in Börsendingen ein gebranntes Kind?
Katja Eckardt: In der Tat. Aber aus Fehlern wird man klug. Indem ich die Hosen runter lasse und über meine Fehler als Börseneinsteigerin berichte, müssen andere sie nicht machen.

Wann haben Sie sich entschlossen, Aktionärin zu werden - und warum?
Eckardt: Während meines Studiums habe ich zunächst mit einem Musterdepot herum experimentiert und fand es heraus, dass es kinderleicht war, an der Börse zu handeln. Alles in allem ist es eine Kombination aus purer Neugier und großem Interesse an Finanzthemen. Mir ist es sehr wichtig, mehrere finanzielle Standbeine zu haben.

In Ihrem Bestseller „Reichtum ist Frauensache“  behaupten Sie, Frauen investierten anders. Woran machen Sie das fest?
Eckardt: Wer statistisch gesehen weniger verdient, geht anders mit dem hart verdienten Geld um.

Aber grundlegende Ratschläge wie das Definieren klarer Anlageziele, die Streuung des Risikos oder ein rationaler Umgang mit Verlusten sollten doch für alle Menschen gelten. Was genau stört Sie an der althergebrachten Finanzwelt?
Eckardt: Daran stört mich rein gar nichts. Jedoch sollten Sie mal die Herausgeber der Standard-Ratgeber fragen, ob junge Leute und auch Frauen gezielt oder nur unwissentlich ausgegrenzt wurden.

Kaufen Frauen andere Aktien als Männer?
Eckardt: Laut dem Investment-Institut SIGFIG wählen Frauen sehr häufig Werte wie Kraft Foods, Pfizer und Merck. Männer hingegen bevorzugen Öl-Aktien wie BP, Technik-Werte wie Tesla oder Twitter. Übrigens zählen Facebook, Apple und Berkshire Hathaway-B zu den Top-Depot-Kandidaten beider Geschlechter.

"Lust auf Investainment" fragt der Finanzbuchverlag im Begleittext zu Katja Eckardts Buch "Reichtum ist Frauensache".
"Lust auf Investainment" fragt der Finanzbuchverlag im Begleittext zu Katja Eckardts Buch "Reichtum ist Frauensache".

Auf dem Cover Ihres Buches ist eine Frau zu sehen, auf die Banknoten herab regnen wie Sterne auf das Waisenkind im Sterntaler-Märchen. Ziemlich kitschig, finden Sie nicht?
Eckardt: Hänsel und Gretel, die orientierungslos umherirren und letztendlich einer unschuldigen alten Dame ihre Immobilie anknabbern, hätten nicht die richtige Zielgruppe angesprochen.

Von wem bekommen Sie mehr Feedback: von Frauen oder Männern?
Eckardt: Ich bin positiv überrascht, wie viele Leute mir schreiben, dass sie mein Buch inspiriert hat, sich mit der Geldanlage zu beschäftigen. Darunter befinden sich nicht nur Frauen, sondern auch erstaunlich viele Männer.

Wenn es eine andere Ansprache braucht, um mehr Frauen für Finanzthemen zu interessieren, wie könnte die Ihrer Meinung nach aussehen?
Eckardt: Sowohl die Politik als auch die Finanzwelt verwehren der Masse die Möglichkeit zum Einstieg, indem sie aus einfachen Dingen hoch komplexe, intransparente Sachverhalte generieren - bis hin zu dem Zeitpunkt zu dem auch die Top-Elite nicht mehr versteht, auf was man eigentlich gewettet hat. Jede Branche braucht ein Gesicht. Junge Frauen können sich nicht mit alten, abgetakelten Männern identifizieren.

Emotionen, so raten viele Experten, sollten an der Börse keinen Platz haben. Sehen Sie das genauso?
Eckardt: Ja. Aber Emotionen lassen sich nicht ausschalten, genau das macht uns ja zu Menschen. An der Börse hat man jedoch den Vorteil, einen Stop-Loss zu setzen.

Was für ein Anlegertyp sind Sie?
Eckardt: Ein Weiblicher – neugierig, trendbewusst, bedacht und geduldig. 

"Am Aktienmarkt bin ich derzeit nicht interessiert.
Ich warte zunächst die US-Wahl ab."

 

Nimmt die Finanzwelt mit Humor: Für Fotos posiert Katja Eckardt schon mal mit Monopoly-Accessoires. Foto/Copyright: Photogenika
Nimmt die Finanzwelt mit Humor: Für Fotos posiert Katja Eckardt schon mal mit Monopoly-Accessoires. Foto/Copyright: Photogenika

Wie sieht Ihr Portfolio aus?
Eckardt: Ich setze aktuell ausschließlich auf konservative Sachanlagen. Am Aktienmarkt bin ich derzeit nicht interessiert, denn ich warte zunächst die US Wahl und die lang herbei gebetete Zinswende ab. Erst dann richte ich meine Investment-Strategie neu aus.

Gibt es Wertpapiere, die Sie niemals kaufen würden?
Eckardt: Hebelprodukte und Anleihen.

Wer berät Sie bei der Geldanlage?
Eckardt: Bei Immobilien berät mich mein Immobilienmakler. Ideen für mein Aktiendepot liefert mir mein Alltag. Ich kaufe nur Aktien von Firmen, deren Produkte mich begeistern. Überdies informiere ich mich gerne über das aktuelle Marktumfeld mit Bloomberg TV oder Finanz-Magazinen.

Ihr Buch ist in einem leichten Stil geschrieben, ihre Vorträge sind oft unterhaltsam, und sie spielen auch gern mal mit Klischees. Was halten Sie denen entgegen, die in Finanzfragen gar keinen Spaß verstehen?
Eckardt: Wer als humorloser Mensch Ratgeber und Vorträge sucht, für den ist der Tisch längst reich gedeckt.