Junge Flüchtlinge brauchen sechs Jahre bis zum Facharbeiter

Montag, 24.10.2016 14:22 von

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Junge Flüchtlinge werden voraussichtlich im Schnitt sechs Jahre vom ersten Deutschkurs bis zum Abschluss ihrer Ausbildung brauchen. "Das sind nicht die Fachkräfte von heute, sondern von übermorgen", sagte der Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Bayern, Markus Schmitz, am Montag in München. Die Einschätzung basiert auf den Erfahrungen mit dem ersten Jahrgang 2200 jugendlicher Flüchtlinge, die zweijährige Berufsintegrationsklassen absolviert haben.

Von diesen Jugendlichen hat ein knappes Drittel eine Ausbildung begonnen, die übrigen besuchen entweder weiter die Schule oder Qualifizierungskurse verschiedener Art. Vor Beginn der eigentlichen Ausbildung stehen nach Schmitz' Worten noch das Deutschlernen und der Besuch der Berufsintegrationsklassen - so dass insgesamt sechs Jahre nötig seien, "ohne dass irgendjemand etwas falsch gemacht hat".

Dabei arbeiten Arbeitsagentur und Kultusministerium eng zusammen. Unter Regie von Ressortchef Ludwig Spaenle (CSU) gibt es in diesem Schuljahr an den Berufsschulen knapp 1200 Berufsintegrationsklassen. Spaenle sprach vom "bayerischen Weg", da nur wenige Bundesländer jungen Flüchtlingen ein ähnliches Bildungsangebot offerierten.

Die große Herausforderung kommt aber erst noch: Im kommenden Sommer werden wohl etwa 6500 Jugendliche Berufsintegrationsklassen absolvieren, im übernächsten Jahr dann zwischen 13 000 und 15 000. "Das wird eine Herkulesaufgabe", sagte Schmitz.

Gedacht sind die Ausbildungsangebote für Jugendliche "mit guter Bleibeperspektive" - also diejenigen, die mit einer Anerkennung ihres Asylantrags rechnen können. Im Zuge der großen Fluchtwelle des vergangenen Jahres kamen aber auch viele Jugendliche aus Ländern, deren Staatsangehörige keine oder zumindest keine große Chance auf die Anerkennung als Asylbewerber haben. Dazu zählen mehrere afrikanische Länder, aber auch viele afghanische Flüchtlinge werden abgelehnt.

Jugendliche, deren Asylanträge bereits zurückgewiesen wurden, sollen nach der Linie der Staatsregierung auch keine Ausbildung in Bayern absolvieren. Kritik daran kommt von der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte (Agaby).

Denn einerseits fehlen in Bayern Arbeitskräfte, andererseits bleiben auch abgelehnte Asylbewerber häufig jahrelang in Deutschland. "Auf der einen Seite werden Verluste in Milliardenhöhe durch fehlende Arbeitskräfte prognostiziert und auf der anderen Seite werden hoch motivierte Menschen vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen", kritisierte die Agaby-Vorsitzende Mitra Sharifi./cho/DP/fbr