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Konzerne müssen für beschleunigten Atom­ausstieg entschädigt werden

Jetzt verlangen die Lebensmittelhersteller Schadenersatz

Freitag, 21.10.2016 15:40 von

Die Bußgelder des Bundeskartellamts gegen Zuckerhersteller sind längst bezahlt. Und doch lässt der Ärger nicht nach. Jetzt beginnen in Mannheim weitere Prozesse, in denen Lebensmittelhersteller Schadenersatz verlangen.

Die großen deutschen Zuckerhersteller sehen sich in immer mehr Prozessen hohen Schadenersatzforderungen von Lebensmittelunternehmen ausgesetzt. Südzucker (Südzucker Aktie), Nordzucker und Pfeifer & Langen (Diamantzucker) haben nach Überzeugung des Bundeskartellamtes jahrelang Gebiete, Quoten und Preise abgesprochen. Dafür bekamen sie 2014 ein Bußgeld von 280 Millionen Euro aufgebrummt. Viele Unternehmen sind jetzt überzeugt, zu viel Geld für ihren Zucker bezahlt zu haben.

Vor dem Mannheimer Landgericht laufen bereits Verfahren der Süßwarenhersteller Katjes und Goldeck, in denen es um Millionen geht. Am Freitag begannen weitere Prozesse mit dem Feinkostunternehmen Hengstenberg, dem Bonbonproduzenten Kalfany, Lauterecker Fruchtsaft und weiteren Klägern. Da Zucker in vielen verarbeiteten Lebensmitteln steckt, könnte die Zahl der Prozesse weiter zunehmen. Nach Angaben des Bundeskartellamtes haben bisher mehr als 130 Unternehmen Akteneinsicht beantragt.

Erst vor wenigen Wochen reichte Deutschlands größte Genossenschaftsmolkerei DMK Schadenersatzklage ein. Das Unternehmen selbst äußert sich nicht zu den Details. Nach Informationen des „Handelsblatts“ geht es um 28 Millionen Euro. Allein die Unternehmen Bauer (Bauer Aktie), Ehrmann und Zentis rechnen den Zuckerherstellern demnach einen Schaden von fast 119 Millionen Euro vor.

Die Abwehrstrategie der Zuckergiganten war in bisherigen Prozessen immer gleich: Der europäische Zuckermarkt sei streng reguliert - und trotzdem habe es immer einen Wettbewerb gegeben. Selbst unter der Annahme, dass es Absprachen gegeben habe, seien keine höheren Preise entstanden, argumentieren die Juristen der Beklagten. Die Anwälte der Kläger sehen das völlig anders. Wer ein Kartell bilde, mache das, weil er sich davon einen Mehrerlös verspreche. Das sei das Wesen eines Kartells.

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