Jenoptik-Aktie im freien Fall

Mittwoch, 21.09.2016 13:56 von

Jenoptik liefert die Aggregate für das Flugabwehr-System Patriot.
Jenoptik liefert die Aggregate für das Flugabwehr-System Patriot. - © Shutterstock.com / gali estrange
Vorstandschef Mertin will Jenoptik verlassen. Die Aktie des Technologiekonzerns muss daraufhin Federn lassen.

Michael Mertin, langjähriger Vorstandsvorsitzender der im TecDax notierten Firma, hat überraschend seinen Rückzug aus dem Unternehmen bekannt gegeben. Mertin war seit 2006 im Vorstand von Jenoptik. Im Folgejahr stieg er zum Vorstandsvorsitzenden auf. Unter seiner Ägide hatte sich der Photonik-Konzern, der in 80 Ländern aktiv ist, ausgesprochen positiv entwickelt. Das spiegelte sich auch im Aktienkurs wider: Während Mertins Amtszeit hatte sich dieser verdoppelt und erreichte zuletzt mit 16,83 Euro seinen höchsten Stand seit 16 Jahren.

Analysten sehen Mertins Rückzug gelassen

Anleger nahmen die Nachricht über das Ausscheiden des Vorstandschefs dementsprechend negativ auf. Zur Stunde notieren die Papiere des ostdeutschen Traditionsunternehmens bei 15,875 Euro und weisen somit einen Verlust von 4,65 Prozent auf. Jüngste Analysen sehen Mertins Rückzug gelassener. Laut Karsten Iltgen, Analyst des Düsseldorfer Bankhauses Lampe, biete der Wechsel an der Konzernspitze auch Chancen. Der Experte belässt das Kursziel in seiner heute Vormittag veröffentlichten Studie daher bei 14 Euro und rät zum Halten der Papiere.  Ähnlich äußert sich Malte Schaumann vom Analysehaus Warburg Research. Ihm zufolge könnten von einem Nachfolger, falls dieser das Kerngeschäft von Jenoptik wieder stärker in den Vordergrund rücke, positive Impulse ausgehen. Der Warburg-Research-Analyst beziffert das Kursziel der Anteilsscheine auf 18 Euro.

Erst am Montag hatte Jenoptik bekannt gegeben, einen weiteren Großauftrag des US-amerikanischen Rüstungsherstellers Raytheon erhalten zu haben. Der US-Konzern habe bei Jenoptik demnach Bauteile für das Flugabwehrraketen-System „Patriot“ im Wert von knapp 4 Millionen Euro bestellt. Jenoptik lieferte bereits in der Vergangenheit Stromerzeuger-Aggregate für das Waffensystem, das bei zahlreichen Nato-Streitkräften, z.B. der Bundeswehr, im Einsatz ist. Neben der Rüstungstechnologie sind Materialbearbeitung, optische Systeme, Verkehrssicherheit und Messtechnik wichtige Sparten des Konzerns.