Top-Thema

08:38 Uhr -0,13%
Aktien Frankfurt Ausblick: Dax verschnauft nach Sprung über 11 000 Punkte

IPO/ROUNDUP/RWE erwartet Milliardenerlös bei Innogy-Börsengang - Blackrock dabei

Freitag, 23.09.2016 11:17 von

(neu: künftiger RWE-Anteil an Innogy, Zeitplan, Aktienkurs)

ESSEN (dpa-AFX) - Der hochverschuldete Energiekonzern RWE (RWE Vz Aktie) erwartet einen Milliardenerlös beim Börsengang seiner neuen Großtochter Innogy. Bis zu fünf Milliarden Euro könnte der Gang aufs Parkett in die Kassen von RWE und der Zukunftstochter spülen, wie die Unternehmen am Donnerstagabend mitteilten. Sie setzten die Preisspanne auf 32 bis 36 Euro pro Innogy-Aktie fest. Analysten rechnen damit, dass der Börsengang schon in der ersten Oktoberhälfte über die Bühne geht kann.

RWE hielt sich zum genauen Zeitplan bedeckt. Zunächst muss nun die Finanzaufsicht Bafin den Börsenprospekt genehmigen. Das dürfte dem Vernehmen nach bereits in wenigen Tagen der Fall sein. Danach würde angesichts der derzeit guten Stimmung an der Börse sehr schnell die Zeichnungsfrist beginnen, an deren Ende dann der genaue Ausgabepreis ermittelt wird. "Wir starten jetzt mit dem Endspurt für den Börsengang von Innogy", sagte RWE-Chef Peter Terium.

Je nach Nachfrage könnten bis zu 25 Prozent der Innogy-Anteile gleich bei der Erstnotiz auf den Markt kommen. Damit strebt RWE einen Börsenwert von bis zu 20 Milliarden Euro für seine Tochter an. RWE kommt derzeit zusammen mit Innogy auf eine Bewertung von gerade einmal gut 8,5 Milliarden Euro. Bei der Tochter bündelt RWE sein Zukunftsgeschäft mit Ökostrom, Netzen und Vertrieb. Der Konzern erhofft sich dadurch neue finanzielle Spielräume.

Einen wichtigen Investor hat Innogy bereits gewonnen. Vom weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock liege ein bindendes Kaufangebot über 940 Millionen Euro vor, hieß es in der Mitteilung. Terium sprach von einem "hohen Interesse" an Innogy-Aktien. Am Freitagvormittag sackten RWE-Aktien dennoch um rund 1,5 Prozent ab. Sie haben in diesem Jahr allerdings als zweitbester Dax-Wert auch schon gut ein Viertel zugelegt.

Der Börsengang besteht aus mehreren Teilen. So gibt Innogy 55,55 Millionen neue Aktien im Zuge einer Kapitalerhöhung aus. Das soll dem Unternehmen zwischen 1,8 und 2 Milliarden Euro für Wachstumsinvestitionen bescheren. Zudem will RWE aus seinem Bestand mindestens 45,5 Millionen Anteile verkaufen. Darüber hält sich der Konzern für den Fall einer hohen Nachfrage eine sogenannte Erhöhungsoption offen. In diesem Rahmen könnten weitere 25,3 Millionen Papiere verkauft werden. Für mögliche Mehrzuteilung (Greenshoe) stehen weitere 12,6 Millionen Aktien bereit.

So könnten dem Mutterkonzern rund drei Milliarden Euro zufließen. Dieses Geld kann RWE angesichts hoher Schulden und der Kosten für Atomausstieg gut gebrauchen. Nach dem Börsengang wird RWE - je nachdem wie viele Aktien der Konzern wirklich verkauft - noch zwischen 75 und 82 Prozent der Innogy-Anteile halten. Geplant ist, dass RWE auch langfristig mehr als 50 Prozent der Innogy-Aktien behält.

Nach der Trennung von Innogy wird sich RWE im operativen Geschäft künftig auf das von der Energiewende schwer gebeutelte Großkraftwerksgeschäft und den Energiehandel konzentrieren. Darüber hinaus baut RWE auf hohe Dividenden von Innogy, die der Konzern etwa für seine Verpflichtungen beim Atomausstieg braucht.

Bei der Tochter werden nach Abschluss der Umstrukturierung voraussichtlich rund 40 000 der insgesamt rund 60 000 Mitarbeiter des RWE-Konzerns beschäftigt sein. Entsprechend der jetzigen Aufteilung hätte die Tochter für das Jahr 2015 einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 4,5 Milliarden Euro verbucht, der gesamte RWE-Konzern inklusive Tochter hatte 7 Milliarden gemeldet. Für das laufende Jahr strebt der Gesamtkonzern ein Ebitda von 5,2 bis 5,5 Milliarden Euro an.

Bereits in der vergangenen Woche hatte Konkurrent Eon seine historische Aufspaltung mit dem Börsengang der Tochter Uniper abgeschlossen. Der Erzrivale ging dabei aber genau andersherum vor als RWE. Eon als Hauptkonzern wird sich künftig auf Ökoenergien, das Netzgeschäft sowie Kundenlösungen konzentrieren, während Uniper sich um die konventionellen Kraftwerke und den Handel kümmert./enl/she