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Initial Coin Offering (ICO): Ein riskantes Finanzierungsmodell

Montag, 13.11.2017 08:50 von Björn Selck

2017 wurden schon 3,2 Milliarden US-Dollar in ICOs investiert.
2017 wurden schon 3,2 Milliarden US-Dollar in ICOs investiert. - © gettyimages.de / Chunumunu
Die Finanzierungsform ICO ist in diesem Jahr zum Milliardenmarkt geworden. Lesen Sie hier, was es mit dem Crowdfunding-Modell auf sich hat – und welche Chancen und Risiken das Initial Coin Offering mit sich bringt.

Aktionären ist der IPO – die Kurzform für Initial Public Offering – als Ausdruck für Börsengänge ein Begriff. Zurzeit schießen neue Kryptowährungen wie Pilze aus dem Boden. In diesem Zusammenhang ist oft vom ICO (Initial Coin Offering) die Rede, was sich am ehesten als „Erstangebot von Coins“ ins Deutsche übersetzen lässt. Meist sind Initial Coin Offerings Investments in ein auf der Blockchain-Technologie basierendes Projekt oder Unternehmen. Beim ICO-Prozess werden anstelle von Aktien, also Unternehmensanteilen, Einheiten einer Kryptowährung oder sogenannte Tokens ausgegeben. Letztere stellen bei der Mehrzahl der ICOs eine Art digitalen Coupon für Beteiligungen am Unternehmen bzw. Projekt dar. Nicht allen neuen Kryptowährungen geht ein ICO voraus. Bitcoin, die Kryptowährung mit der höchsten Marktkapitalisierung, hat diesen Prozess nie durchlaufen – hier wurden und werden die Einheiten der Währung stets durch Mining, das digitale „Schürfen“ von Kryptowährungen, generiert.

ICO-Volumen explodiert

Ein Beispiel für einen aktuellen ICO ist das Projekt Filecoin, das von seinen Investoren insgesamt 257 Millionen US-Dollar an Startkapital einsammeln konnte: Filecoin steckt das Geld seiner Investoren – bei einem ICO wechseln beispielsweise US-Dollar im Tausch gegen Coins bzw. Tokens den Besitzer – in die Entwicklung eines dezentralen Cloudspeicher-Netzwerks. Die Wertentwicklung der Tokens, die an einer virtuellen Token-Börse gehandelt werden können, hängt vom Erfolg oder Misserfolg dieses Projektes ab.

2017 stiegen die Zahl der ICOs und das Investitionsvolumen massiv an: Im laufenden Jahr sollen schon 3,2 Milliarden Dollar mittels der neuen Finanzierungsmethode eingesammelt worden sein, zwölf Mal soviel wie im vergangenen Jahr. Während Börsengänge strengen rechtlichen Regulierungen unterliegen, sind Initial Coin Offerings quasi unregulierte Prozesse und für Anleger ausgesprochen risikobehaftet.

BaFin warnt vor Totalverlust

Anleger sollten den Unterschied zwischen öffentlichen ICOs und privaten ICOs kennen. ICOs des ersten Typs sind transparent. Hier gibt es ein festgelegtes Datum, an dem der Erwerb von Coins bzw. Tokens jedem offen steht. Sowohl die Anzahl der ausgegebenen Coins als auch das ICO-Modell können nachvollzogen werden. Anders der private ICO: Bei diesem Typ ist nicht ersichtlich, wie viele Einheiten in Umlauf gebracht werden – hier kann es zu Betrugsfällen kommen.

Die steigende Zahl und das Volumen der ICOs rief in der vergangenen Woche die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) auf den Plan. In ihrer am Donnerstag veröffentlichten Verbraucherwarnung warnte die Finanzaufsicht vor Totalverlusten für ICO-Investoren. Der Hype um die Initial Coin Offerings, so heißt es auf der Internetseite der BaFin, ziehe „auch Betrüger an.“ ICOs wiesen zudem eine „systembedingte Anfälligkeit“ für Straftaten wie „Geldwäsche oder Terrorismusfinanzierung“ auf.

Doch auch ICOs, bei denen es sich nicht um Betrug handelt, bergen laut der BaFin massive Risiken. Anders als beim Börsengang eines Unternehmens werden die Anteile nicht an regulierten Märkten, sondern an Token-Börsen gehandelt, einem womöglich „nicht liquiden oder gar nicht vorhandenen“  Zweitmarkt. Darüber hinaus sehen sich ICO-Anleger mit einem Risiko konfrontiert, das auch andere Startup-Investoren trifft: Per ICO finanzierte Projekte befinden sich oftmals in einem „sehr frühen, meist experimentellen Stadium“. Auch die Einschätzung der Chancen und Risiken des finanzierten Projekts stellt eine Hürde dar. Anders als Unternehmungen in etablierten, klassischen Branchen – Konsumgüter -, Automobil- oder Telekommunikationsindustrie – liegen den Vorhaben Programmiercodes zugrunde. Nur Experten können sich hier den notwendigen Überblick verschaffen, der jedem Investment vorausgehen sollte.

Weitere ausführliche Informationen über Initial Coin Offerings finden Anleger im kommenden BaFinJournal, das am Mittwoch auf der Internetseite der Finanzaufsicht veröffentlicht wird.