Indien, der Möchtegern-Weltmeister

Montag, 24.10.2016 06:40 von

Nach offiziellen Zahlen ist Indien die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der Welt. Regierungschef Narendra Modi ist darauf besonders stolz. Doch Ökonomen haben Zweifel an den kolportierten Daten.

Kaum eine Rede von Narendra Modi vergeht ohne einen stolzen Hinweis: Indien sei die am schnellsten wachsende große Volkswirtschaft, wiederholt der Regierungschef immer wieder. Und er ist nicht der einzige: Auch Fondsverwalter und Unternehmensberater bewerben Investitionen in Indien gerne mit dem Titel des weltweiten Wachstums-Weltmeisters.

Tatsächlich zeigen die offiziellen Zahlen ein beeindruckendes Bild: Im vergangenen Haushaltsjahr soll die Volkswirtschaft um 7,6 Prozent zugelegt haben. Konkurrent China wächst derzeit laut offiziellen Regierungsangaben nur um rund sechs Prozent. Auch internationale Finanzinstitutionen, wie beispielsweise die Weltbank, sehen Indien mittlerweile vor der Volksrepublik.

Doch der Befund beruht auf einer fragwürdigen Datenlage. Die internationalen Finanzinstitutionen stützen sich auf die indische Statistikbehörde – und ob deren Ergebnisse korrekt sind, ist zu bezweifeln. „Wir müssen die indischen Zahlen mit Vorsicht genießen”, sagt Shilan Shah, Indien-Ökonom des Beratungsunternehmens Capital Economics. Das amerikanische Außenministerium schreibt, das Wachstum Indiens dürfte übertrieben sein, und die britische Großbank HSBC hat gegenüber den Daten „methodologische Bedenken”.

Wachstum aus dem Nichts

Der Zauber begann vor mehr als einem Jahr. Nachdem der Reformer Narendra Modi sein Amt antrat, änderte Indien die Berechnungsmethode seines Bruttoinlandsproduktes (BIP). Vor der Umstellung haben die indischen Statistiker bei der BIP-Berechnung größtenteils Produktionsindizes eingesetzt, die mengenbasiert sind und deshalb nicht inflationsbereinigt werden müssen. Nun werden zu Berechnung stattdessen diese Werte verwendet, entsprechend muss nun die Teuerung herausgerechnet werden. Die neue Herangehensweise hatte einen willkommenen Effekt: Über Nacht zog das Wachstum von etwa fünf Prozent auf mehr als sieben Prozent an.

Um den vollständigen Artikel zu lesen, klicken Sie bitte hier.