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Hongkong bleibt für Anleger weiter vielversprechend

Mittwoch, 30.11.2016 12:40 von

London (GodmodeTrader.de) - Vor 20 Jahren machten inländische Unternehmen aus Hongkong aufgrund der schnell wachsenden lokalen Wirtschaft einen großen Teil eines typischen asiatischen Aktienportfolios aus. Heutzutage ist Hongkong für Anleger immer noch ein wichtiger Markt, aber die an der dortigen Börse gelisteten Unternehmen sind nun internationaler ausgerichtet. Die lokale Wirtschaft wächst in letzter Zeit langsamer. Da Hongkong sich aber langsam in eine regionale Drehscheibe verwandelt hat, sind einige der größten und erfolgreichsten Unternehmen aus China und der gesamten Region hier an der Börse gelistet und haben häufig ihren Firmensitz in Hongkong, wie Jason Pidcock, Manager des Jupiter Asia Pacific Income SICAV, in einem aktuellen Marktkommentar schreibt.

Hongkong werde oft als die freieste Wirtschaft der Welt angesehen: eine Unternehmerstadt, in der die Steuern niedrig seien. Da in Hongkong auf Dividenden keine Abgeltungssteuer erhoben werde, schütteten die Unternehmen lieber Gewinne an ihre Anleger aus, als Aktien zurückzukaufen. Das komme ertragsorientierten Anlegern zugute und behage auch den Unternehmern, die Hauptaktionäre in ihren eigenen Unternehmen seien. Eine Vergütung in Form von steuerfreien Dividenden sei besser als steuerpflichtige Gehälter, heißt es weiter.

„Hongkong ist für viele auch immer noch das Tor zu China. Obwohl Hongkongs Integration in das Festland weiterhin schnell voranschreitet, bleibt es durch seinen Status als Sonderverwaltungszone mit eigenem Rechtssystem (basierend auf dem englischen Common Law) und eigener Währung noch mindestens bis 2047 geschützt. Im Gegensatz zum chinesischen Renminbi wird der Hongkong-Dollar (HKD) international frei gehandelt und ist an den US-Dollar gekoppelt. Diese Vorteile haben dazu beigetragen, dass Hongkong zu dem Markt wurde, an dem sich die größten Unternehmen mit regionalen und auf dem Festland Chinas ansässigen Geschäftstätigkeiten notieren ließen - häufig zusätzlich zu den weniger zugänglichen Heimatmärkten“, so Pidcock.

Dazu zählten beispielsweise führende chinesische Internet-Unternehmen wie Tencent oder AIA. Letzteres sei ein internationaler Versicherungsriese, der in der gesamten Asien-Pazifik-Region tätig und die einzige lizensierte internationale Lebensversicherung sei, die ihre Produkte auf dem chinesischen Festland verkaufen dürfe. Auch wenn nicht alle chinesischen Unternehmen, die an der Hongkonger Börse notiert seien, derzeit Dividenden auszahlten, hätten viele jedoch das Potenzial, als Quelle für künftige steigende, regelmäßige Erträge zu dienen, heißt es weiter. „Zudem ist es wahrscheinlich, dass die Art von Unternehmen, die ich in der Region mag, dort an der Börse notiert ist. Dazu zählen vor allem große liquide Unternehmen mit guter Unternehmensführung, einer guten Erfolgsbilanz und einer umgänglichen Geschäftsleitung“, so Pidcock.

Die Internationalisierung habe für Hongkong aber auch Nachteile. Die Koppelung des HKD an den US-Dollar bedeute, dass sich die lokalen Zinsen im Einklang mit den US-Zinsen bewegten. Der lokale Konjunkturzyklus könne deshalb manchmal von den Entwicklungen in China und der gesamten Region abweichen und sei unter anderem der Grund für die Inflation gewesen - und die nachfolgende Deflation - am lokalen Immobilienmarkt. Das wiederum habe große Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft und deshalb werde die Immobilienkreditvergabe der Banken aktuell etwas in Mitleidenschaft gezogen, da es immer mehr faule Kredite gebe, heißt es weiter.

„Hongkong ist eine zyklische Volkswirtschaft, deren Wachstum den vorherrschenden Trends in der Weltwirtschaft ausgesetzt ist. Das liegt an ihren engen Handelsbeziehungen mit den globalen und insbesondere den chinesischen Handelsströmen sowie an dem Einfluss der USA über die Währung. Vieles wird deshalb davon abhängen, welche Richtung die Weltwirtschaft einschlägt. Und auch wenn ich davon überzeugt bin, dass die lokale Wirtschaft mit einer erwarteten Zinsanhebung in den USA umgehen kann, macht es die Sache sicherlich nicht einfacher. Die Integration mit China ist ebenfalls ein zweischneidiges Schwert für Hongkong. Wenn seine Verbindungen mit dem Festland enger werden, schwindet sein Status als erste Anlaufstelle für Auswärtige und es muss zunehmend mit Shanghai, Peking und anderen Städten konkurrieren, wo es immer mehr Expatriates gibt und die Rechtssysteme reformiert und verständlicher werden“, so Pidcock.

Hongkong könne aber durchaus als Chinas Haupthandelszentrum in Erscheinung treten, zumal nur wenige Länder zwei hätten - und da spreche vieles zu seinen Gunsten. In Hongkong werde Kantonesisch und Englisch gesprochen, in Shanghai nur Mandarin. Die Menschen aus anderen Teilen der Region, wie Taiwan, könnten freier nach Hongkong reisen als auf das Festland. Viele Unternehmen hätten bereits ihren Sitz in Hongkong und es gebe immer ein verständliches Maß an Schwerfälligkeit. Andererseits seien Unternehmer oft mobil. Zu guter Letzt könnten ein natürlicher Hafen, eine vortreffliche Infrastruktur, der Cluster-Effekt und ein geringes politisches Risiko die ausschlaggebenden Punkte sein. Aber das sei ein mehrjähriger Prozess und es werde sich so schnell nichts ändern. Fürs Erste bleibe Hongkong ein guter Ort, um Geschäfte zu machen, und eine unermessliche, vielfältige Quelle für hochqualitative Unternehmen, heißt es weiter.

„Meine Positionierung in Hongkong basiert stark auf der Titelauswahl nach dem Bottom-up Ansatz: Ein Unternehmen wird aufgrund seines Profils ausgewählt und nicht, weil ich auf die lokale Wirtschaft setze. Hier würde ein Anleger beispielsweise eine Bank oder eine Wohnimmobiliengesellschaft kaufen. Der Fonds hält weder noch. Auch wenn ich den Ausblick für die lokale Wirtschaft selbst nicht besonders optimistisch beurteilen, sollten die hochqualitativen Unternehmen im Portfolio, die den Großteil ihrer Erträge anderswo erwirtschaften, meines Erachtens gut positioniert sein, um jegliche lokalen Rückschläge zu meistern und ihr Potenzial zu entfalten“, so Pidcock.