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Guter Tag für Elefanten: Konferenz bannt Elfenbeinhandel

Sonntag, 11.09.2016 14:55 von

HONOLULU (dpa-AFX) - Das Thema Elfenbein war ein Krimi bis zum Schluss. Tagelang diskutierten sich die 1300 stimmberechtigten Mitglieder der Internationalen Naturschutzunion (IUCN) auf ihrer Weltkonferenz in Honolulu (USA) die Köpfe heiß. Trotz Gegenwinds aus Namibia, Südafrika, Japan und Kanada ging die Resolution für ein Verbot des nationalen Elfenbeinhandels aber in der Nacht zu Sonntag (MESZ) über den Tisch. "Das ist ein guter Tag für Elefanten", twitterte eine erleichterte Kongressteilnehmerin.

Zehn Tage lang hatten auf Hawaii mehr als 10 000 Teilnehmer darüber verhandelt, welche Anforderungen der Klimawandel an den Naturschutz der Zukunft stellt. Mit den "Hawaii Vereinbarungen" steht nun der Marschplan bis zur nächsten Konferenz in vier Jahren fest. NABU-Beobachterin und Artenschutzexpertin Barbara Maas bilanziert: "Das ist ein erfolgreicher Lackmustest für alle Reden über Nachhaltigkeit." Ein Überblick über wichtige Empfehlungen, die der IUCN zum Abschluss am Samstag aussprach.

- ELFENBEIN: Der erste fast Afrika-weite Elefanten-Zensus zeigt, dass statt der geschätzten 400 000 bis 600 000 Tiere nur noch gut 350 000 Afrikanische Elefanten in 18 Staaten des Kontinents leben. Grund für den dramatischen Rückgang - allein zwischen 2007 und 2014 um fast ein Drittel - ist vor allem Wilderei. Die Konferenz spricht sich nach hitziger Diskussion für ein striktes Handelsverbot für Elfenbein auch auf Binnenmärkten aus.

- LÖWEN: Löwenjagd für Touristen ist ebenfalls ein heißes Eisen. In Südafrika werden dabei auch Tiere gejagt, die zuvor eigens für Löwen-Streichelzoos gezüchtet und dadurch gezähmt wurden. Erwachsene Tiere werden schließlich in winzigen Gehegen ausgesetzt und zahlungskräftigen Jägern als leichte Beute präsentiert. Die IUCN-Mitglieder fordern nun ein Ende der sogenannten "Gatterjagd"

- SCHUPPENTIERE & CO: Die wie Tannenzapfen aussehenden Schuppentiere vermehren sich extrem langsam und sind durch illegalen Handel vom Aussterben bedroht. Deshalb sollen sie durch das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) besser geschützt werden, fordern die IUCN-Mitglieder. Gleiches gilt für Seiden- und Fuchshaie sowie Mobularochen.

- BEDROHTE OZEANE: Die Ozeane werden wärmer - und das bekommen neben Meeresbewohnern auch Menschen zu spüren. Getreideproduktion und Fischerei werden schwieriger, beschreibt ein neuer Ocean Warming Report. Zugleich sprach sich der Kongress für den effektiveren Schutz von Korallenriffen, den Kinderstuben vieler Fischarten, aus. Auch die bislang 76 Hope Spots - Meeresgebiete mit besonderem Schutzbedarf - wurden um 14 weitere aufgestockt. Unkontrollierte Fischerei soll zudem stärker beschränkt werden.

- WALE & DELFINE: Der wohl kleinste Wal der Welt, der Kalifornische Schweinswal, genießt künftig im Golf von Mexiko größeren Schutz. Die dortige Treib- und Stellnetzfischerei soll eingestellt werden. Auch für ein komplettes Verbot des "Walfanges zum Zweck der Wissenschaft" votierte die Konferenz - hier sind vor allem Zwergwale betroffen. Weniger erfolgreich waren bislang die IUCN-Bemühungen, den bedrohten Maui-Delfin vor Neuseeland zu retten: Obwohl es nur noch 40 Exemplare der Art gibt, ist Stellnetzfischerei vor Neuseeland weiterhin erlaubt.

- ROTE LISTE: Sie wurde erweitert und umfasst nun fast 93 000 Arten, von denen 24 000 vom Aussterben bedroht sind. Mit der Hochstufung des Östlichen Gorillas sind nunmehr vier der sechs großen Menschenaffen-Arten nur noch einen Schritt vom Auslöschen entfernt. Der Riesen-Panda hingegen hat sich erholt und wurde heruntergestuft - seine Bestände wachsen wieder.

- INDIGENE VÖLKER & KLIMASCHUTZ: Gleich mehrere Anträge betonten die wichtige Rolle, die indigenen Völkern beim Naturschutz zukommt - etwa beim Kampf gegen illegalen Wildtierhandel. Gemeinsam mit Einheimischen vor Ort sollten zudem mehr natur-basierte Lösungen für Probleme durch den Klimawandel gesucht werden. Problematisch sei etwa das Thema Palmöl-Produktion, der riesige, für Klima- und Artenschutz wichtige Regenwaldflächen zum Opfer fallen, betonte der Kongress und mahnte Waldschutzmaßnahmen an./emy/DP/fbr