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Grundsteinlegung für Stuttgart-21-Bahnhof ohne Grünen-Politiker

Freitag, 09.09.2016 05:21 von

STUTTGART (dpa-AFX) - Die Hälfte der grün-schwarzen Koalition Baden-Württembergs wird bei der Grundsteinlegung für den umstrittenen Tiefbahnhof von Stuttgart 21 nicht vertreten sein. Sowohl der grüne Oberbürgermeister Fritz Kuhn als auch der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann folgen der Einladung der Bauherrin Deutsche Bahn für die Veranstaltung am Freitag kommender Woche nicht. Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), leidenschaftlicher Gegner des Projekts, hat ebenfalls abgesagt.

Zu den prominenten Gästen gehören dagegen Bahnchef Rüdiger Grube und CDU-Politiker, darunter der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Norbert Barthle (Wahlkreis Backnang - Schwäbisch Gmünd), Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut und der Erste Bürgermeister der Landeshauptstadt, Michael Föll. Auch der Architekt des Bahnhofs, Christoph Ingenhoven aus Düsseldorf, ist unter den Rednern.

Der scheidende Infrastrukturvorstand Volker Kefer, der im Bahnkonzern verantwortlich für das Projekt zeichnet, ist nicht mit von der Partie. Kefer will seinen im September 2017 endenden Arbeitsvertrag nicht verlängern. Stuttgart-21-Gegner mutmaßen, dass dies auch mit Problemen bei dem Projekt zusammenhängt. Von der Bahn hieß es, dass bei solchen Veranstaltungen immer nur ein Bahnvorstand zugegen sei.

Die Grünen sehen das Milliarden-Vorhaben kritisch, arrangierten sich aber nach der Volksabstimmung zugunsten eines Weiterbaus im November 2011 zähneknirschend damit. Die Parkschützer, eine Aktivisten-Gruppe gegen das Bahnvorhaben, und das Aktionsbündnis planen eine Protest-Aktion am Bahnhof. Der Widerstand definiert die Grundsteinlegung als "vorgezogene Grabsteinlegung".

Die Grundsteinlegung ist der symbolische Startschuss für die riesige Betonplatte für den zwölf Meter tiefen Durchgangsbahnhof. Die 400 Meter lange und 80 Meter breite Fläche ist Basis für die Gleise und die Bahnsteige. Der Beton dafür - insgesamt 5000 Kubikmeter - wird in einer Stärke von 1,20 bis 2,50 Meter aufgetragen.

Die ersten Züge sollen nach offizieller Ankündigung Ende 2021 durch den neuen Tiefbahnhof rollen. Zuletzt waren aber auch bei der Bahn große Zweifel aufgekommen, ob der Termin zu halten ist. Auch wächst das Risiko, dass die Finanzierung von bis zu 6,526 Milliarden Euro für die unterirdische Station in Stuttgart samt Anbindung an die Neubaustrecke nach Ulm nicht reicht.

Zuletzt hatte das Münchner Verkehrsberatungsbüro Vieregg-Rössler die Kosten auf nahezu zehn Milliarden Euro beziffert. Mit Spannung wird ein ursprünglich für September anvisiertes Gutachten zu Finanzierung und Kostenentwicklung des geplanten Tiefbahnhofs der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG erwartet, das der Aufsichtsrat in Auftrag gegeben hatte.

In Kürze wird auch eine Expertise des Bundesrechnungshofes an den Bundestag gehen. Bereits durchgesickert ist, dass die Behörde ebenfalls auf Kosten von rund 10 Milliarden Euro komme. Damit sehen sich die Gegner in der Aussage bestätigt, dass ein Umstieg deutlich günstiger komme als ein Weiterbau. Im Kern wollen sie den bestehenden Kopfbahnhof mit seinen 16 Gleisen erhalten und modernisieren. Er ist aus ihrer Sicht leistungsfähiger als die neue Station mit ihren acht Gleisen./jug/DP/zb