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Gold bleibt langfristig attraktiv

Freitag, 13.01.2017 09:41

Konsolidierung am Goldmarkt durch den starken US-Dollar
Augenscheinlich ist Gold (Goldkurs) gerade dabei, die seit den US-Präsidentschaftswahlen im November erlittenen Verluste zu konsolidieren. Der Goldpreis erreichte sein Monatstief im Dezember bei USD1.137 pro Unze, nachdem die US-Notenbank Federal Reserve (kurz: Fed) am 14.Dezember die beabsichtigte Erhöhung des US-Leitzinses (Federal Funds Rate)1 um 25Basispunkte bekannt gegeben hatte. Die Entscheidung der Fed führte auch dazu, dass der U.S. Dollar (Dollarkurs) Index (DXY)2 auf neue Höchststände kletterte. Der Goldpreis schloss den Monat mit einem Preis von USD1.152,27 pro Unze, verlor also USD20,98 (1,8%). Die Nettorückkäufe von börsengehandelten Goldprodukten nahmen nach den Präsidentschaftswahlen weiterhin zu, flachten jedoch zum Jahresende hin ab. Seit dem Sieg von Donald Trump kam es bei börsengehandelten Goldprodukten (exchange traded product=ETP) weltweit zu Nettoabflüssen von 7,2Millionen Unzen. Im Ergebnis beliefen sich die Nettozuflüsse in 2016 aber immerhin auf eindrucksvolle 11,8Millionen Unzen.
Auch die Goldaktien befanden sich im Konsolidierungsmodus, während der NYSE Arca Gold Miners Index (GDMNTR)3 um 1,1% zulegte und der MVIS Junior Gold Miners Index (MVGDXJTR)4 2,0% verlor.
Selbst wenn Marktereignisse ignoriert werden, können sie langfristig unterstützend wirken
Im Dezember kam es zu zwei voneinander unabhängigen Entwicklungen, die von den Märkten weitgehend ignoriert wurden. Wir sind jedoch der Meinung , dass diese sich langfristig positiv auf den Goldpreis auswirken könnten. Am 4.Dezember sprachen sich die italienischen Wähler in einem Referendum gegen eine Verfassungsänderung aus. Dies kam einem Misstrauensvotum gegen Premierminister Matteo Renzi gleich, der auch umgehend zurücktrat. Dies ist der jüngste Erfolg in einer Serie populistischer Siege rund um den Globus, die sich aus dem Unmut der vom politischen Establishment enttäuschten Wähler speisen. Die etablierten Parteien waren mit ihrer Politik nicht in der Lage, benötigte Arbeitsplätze zu schaffen. Stattdessen bescherte uns die Politik nach der Krise in einem noch nie gesehenem Ausmaß neue Vorschriften, geldpolitische Experimente, Sparmaßnahmen und Neuverschuldung. Durch das Ergebnis des Referendums wächst die Macht der Oppositionsparteien in Italien die die Frage aufwerfen, ob das Land in der Europäischen Union (EU) bleiben sollte. Mit der Umsetzung des Brexit im Jahr 2017 entstehen erhebliche Risiken für die europäische Wirtschaft, und das Referendum in Italien ist ein weiterer Beleg für eine breite Bewegung, die sich gegen die EU wendet. In 2017 finden wichtige Wahlen in den Niederlanden (März), in Frankreich (April) und in Deutschland (August bis Oktober) statt. Wächst das Risiko eines Scheiterns der Europäischen Union, dann könnte dies den Goldpreis durchaus beflügeln.
Zudem wurde am 5.Dezember ein Meilenstein gesetzt, der sich für Gold als vorteilhaft erweisen könnte: Die Prüfungs- und Rechnungslegungsorganisation für islamische Finanzinstitute (Accounting and Auditing Organisation for Islamic Financial Institutions, AAOIFI) führte den Scharia-Goldstandard (kurz: der Standard) ein.5 Mit dem Standard werden erstmals spezifische Regeln für den Einsatz von Gold als Investment in der islamischen Finanzbranche festgelegt. Bisher fehlten derartige Regeln. Dies führte zu Verwirrungen darüber, ob es islamischen Haushalten erlaubt ist, in Gold zu investieren. Wer zuvor Gold besitzen wollte, dem war dies nur in Form eines Investments in Schmuck gestattet. Entsprechend dem Standard ist es nun zulässig, in Goldminenaktien zu investieren. Dies eröffnet weltweit einem wichtigen Bevölkerungssegment, das bereits eine Neigung zum Golderwerb hat, die Möglichkeit, in Goldbarren, Goldmünzen, ETPs und Goldaktien zu investieren.
Das Jahr 2016 sollte als gewinnbringendes Jahr und als Wendepunkt für Gold in Erinnerung bleiben
Obwohl die Wertentwicklung von Gold und Goldaktien nach der US-Wahl doch eher enttäuschte, war 2016 insgesamt ein ertragsstarkes Jahr und ein wichtiger Wendepunkt für Gold-Investments. Gold legte 2016 USD91 pro Unze bzw. 8,6% zu und erzielte damit seinen ersten Jahreskurszuwachs seit vier Jahren. Gewinner des Jahres waren jedoch die Goldaktien. Sie verzeichneten Zuwächse von 54,4% im GDMNTR und von 75,1% im MVGDXJTR.
Die Gründe für die herausragende Performance der Goldaktien waren vielschichtig. Ausschlaggebend waren dabei unter anderem die folgenden Aspekte:

Eine Erholung des Bärenmarktes von 2015, der stark überverkauft war, setzte ein. Der Finanzsektor fiel in „Ungnade“ bei den Investoren , sodass die Bewertungen Rekordtiefstände erreichten.
Die Goldproduzenten beeindruckten die Investoren mit ihrer Kostenkontrolle, ihren operativen Ergebnissen und ihrer allgemeinen finanziellen Disziplin.
Renditehebel auf den Goldpreis

Eine so starke Performance wie im Jahr 2016 ist charakteristisch für wichtige Wendepunkte auf dem Goldmarkt. Beispielsweise legte der GDMNTR 2002 um 80% zu, 2009 stieg der Index um 37%.
Konsensmeinungen und kurzfristige Überreaktionen sind mit Vorsicht zu genießen
Wenn wir aus dem Jahr 2016 eines gelernt haben, dann ist es dies: Egal welcher Konsens über die Ereignisse in der Wirtschaft, in der Investmentbranche oder in der Politik im kommenden Jahr bestehen mag, er ist wahrscheinlich falsch. Dieses Jahr zeigt sich die Fed in Bezug auf die US-Wirtschaft wieder optimistisch und geht von drei Zinserhöhungen im Jahr 2017 aus. Der Markt reagierte im Dezember mit Goldverkäufen und trieb den US-Dollar in die Höhe. Die Prognosen der Fed erweisen sich jedoch selten als korrekt, sodass wir keinen Grund zu der Annahme haben, dass sich 2017 etwas ändern wird. Letztes Jahr um diese Zeit ging die Fed von vier Zinserhöhungen im Jahr 2016 aus, umgesetzt wurde jedoch nur eine.
Die „Flitterwochen“ mit Donald Trump haben den Aktienmarkt zum Erblühen gebracht. Die Finanzmedien stellen bereits den Sekt kühl für den Fall, dass der Dow Jones Industrial Average (DJIA)6 die Marke von 20.000 Punkten nehmen sollte. Auf dem Aktienmarkt macht sich der Konsens in Bezug auf solides Wirtschaftswachstum bemerkbar. Die Trump-Administration hat sicherlich das Potenzial, wachstumsfördernde politische Maßnahmen zu ergreifen. Der Markt scheint jedoch viele potenzielle Risikofaktoren zu ignorieren, die auf die neue politische Führungsriege zukommen könnten. Dazu gehören die beabsichtigte Veränderung von Handelsabkommen, die Einwanderungspolitik, die Demokraten und die sogenannten ‚deficit hawks‘ (politische umgangssprachliche Bezeichnung für Befürworter eines Defizit getriebenen Wachstums) im Kongress, die Staatsverschuldung sowie und eine Zinsstraffungspolitik...
 
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