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GESAMT-ROUNDUP: Schwache Weltwirtschaft trifft deutsche Schlüsselindustrien

Mittwoch, 02.11.2016 17:40 von

FRANKFURT/BERLIN/NÜRNBERG (dpa-AFX) - Die eingetrübte Weltkonjunktur bringt deutsche Schlüsselindustrien in Bedrängnis. Wegen der Schwäche wichtiger Absatzmärkte und politischer Unsicherheiten berichteten sowohl die Chemie- als auch die Maschinenbaubranche am Mittwoch über schlechtere Geschäfte im dritten Quartal.

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) senkte seine Prognose nach schwachen Zahlen bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr. Der Umsatz in der deutschen Chemieindustrie werde 2016 um 3 Prozent auf 183 Milliarden Euro sinken und damit doppelt so stark wie zuletzt erwartet, teilte der VCI in Frankfurt mit. Grund für den Pessimismus ist die Schwäche von Schwellenländern, gerade in Asien, und Unsicherheit wegen des Brexits. Auch das Chemiegeschäft in den USA wachse kaum.

"Wir bekommen wenig Rückenwind durch das politische und wirtschaftliche Umfeld, so dass wir kaum Indizien für eine nachhaltige Belebung sehen", sagte VCI-Präsident Kurt Bock. Im dritten Quartal fiel der Umsatz in der Branche auch wegen des Preisdrucks bei Chemikalien gemessen am Vorjahreszeitraum um 2,5 Prozent. Die Produktion ging um 0,5 Prozent zurück. Die Zahl der Arbeitsplätze in der Branche sank leicht auf 440 000.

Auch dem Maschinenbau macht die maue Weltkonjunktur zu schaffen. Nach zuletzt stärkeren Auftragseingängen musste die exportorientierte Branche im September einen Rückschlag hinnehmen. Die Bestellungen blieben auf dem Niveau des Vorjahresmonats, berichtete der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in Frankfurt.

Wegen eines Order-Einbruchs im Juli verzeichnete der Verband einen Rückgang der Bestellungen von real sieben Prozent im dritten Quartal. Damit ergebe sich in den ersten neun Monaten eine Stagnation. "Die Nachfrage nach Maschinen ist unverändert zu schwach, um ein Wachstum zu generieren", sagte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. Für 2016 erwartet der Verband eine Stagnation der realen Produktion. Der Maschinenbau ist mit mehr als einer Million Beschäftigten laut eigenen Angaben hierzulande die größte Industriebranche.

Ungeachtet dessen bleibt der Arbeitsmarkt in Deutschland robust. Die Zahl der Arbeitslosen sank im Oktober kräftig auf 2,54 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote fiel um 0,1 Punkte auf 5,8 Prozent. Auch bereinigt um die übliche Belebung im Herbst sank die Zahl der Erwerbslosen.

Der Wirtschafts-Sachverständigenrat warf der Bundesregierung derweil schwere Versäumnisse vor. Zwar setze sich der Aufschwung in Deutschland fort. Doch die Bundesregierung dürfe sich nicht auf den Erfolgen früherer Reformen ausruhen. "Deutschland weist für die laufende Legislaturperiode eine enttäuschende Reformbilanz aus", konstatierten die "Wirtschaftsweisen" in ihrem Jahresgutachten. Sie plädierten etwa für die Rente mit 71 Jahren. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wies den Vorwurf mangelnder Reformen zurück./als/tb/sl/cat/DP/mis