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GESAMT-ROUNDUP: Dämpfer für Deutschlands Industrie und Exporte

Dienstag, 08.11.2016 11:03 von

WIESBADEN (dpa-AFX) - Die Produktion und der Außenhandel in Deutschland sind laut am Dienstag veröffentlichten Zahlen zuletzt etwas ausgebremst worden. Experten sehen zwar kein Alarmsignal. Eine Enttäuschung bei den Wachstumszahlen für das dritte Quartal sei aber nicht auszuschließen. Außerdem könnten mögliche negative Überraschungen vor allem aus den USA, Großbritannien oder China künftig den Außenhandel und damit auch die deutsche Wirtschaft insgesamt empfindlich treffen.

Die gesamte Produktion im verarbeitenden Gewerbe Deutschlands habe im September 1,8 Prozent unter dem Niveau des Vormonats gelegen, teilte das Statistische Bundesamt mit. Analysten hatten im Mittel nur mit einem Rückgang um 0,5 Prozent gerechnet. Die enger gefasste Güterherstellung in der Industrie ging um 1,7 Prozent zurück. Zudem waren die Ausfuhren deutscher Unternehmen laut den Statistikern im September 0,7 Prozent geringer als im Vormonat. Die Einfuhren nach Deutschland fielen um 0,5 Prozent. Bei den Exporten hatten Experten einen etwas deutlicheren Rückgang erwartet, bei den Importen dagegen einen schwächeren.

Forian Hense, Experte bei der Berenberg Bank, sieht in dem Rückgang der Produktion eine Korrektur nach einem starken Zuwachs im Vormonat. "Es handelt sich nicht um den Beginn eines neuen Trends." Darauf hätten auch andere Konjunkturindikatoren zuletzt hingewiesen. Das Wachstum der gesamten Produktion vom August ist nach revidierten Zahlen vom Dienstag sogar noch stärker ausgefallen als zunächst angenommen. Der Zuwachs lag demnach bei 3,0 Prozent und war damit so stark wie zuletzt im März 2010. Zunächst war ein Wachstum um 2,5 Prozent geschätzt worden.

Andreas Rees, Experte bei der Bank Unicredit, verweist zudem auf einmalige Effekte aufgrund verschobener Ferientage. Im wichtigen Automobilsektor seien Urlaubstage dieses Jahr anders als sonst üblich bereits im Juli statt im August angefallen. Dadurch habe es ein besonders starkes Wachstum der Produktion im August gegeben. Im September gab vor allem die Produktion von Investitionsgütern deutlich um 2,4 Prozent nach. Konsumgüter wurden um 1,9 Prozent weniger produziert und Vorleistungsgüter um 0,5 Prozent.

Bei den Exporten sieht die Entwicklung im September im Vergleich zum Vorjahresmonat deutlich besser aus als im Vergleich zum Vormonat. Gegenüber September 2015 legten die Ausfuhren um 0,9 Prozent zu. Die Importe gingen nach dieser Abgrenzung um 1,4 Prozent zurück.

"Aufgrund der sehr starken Vormonatsentwicklung schrillen noch keine Warnglocken", kommentiert Stefan Kipar, Experte bei der Bayerischen Landesbank. Das Brexit-Votum habe offensichtlich bislang nicht zu einem Einbruch der Exporte insgesamt geführt. Die Ausfuhren nach Großbritannien hätten zwar im Juli einen Rückgang zum Vormonat verzeichnet, trotzdem aber im Juli und August jeweils noch ihr Mai-Niveau überschritten.

Während der Sommermonate seien fast 25 Prozent der deutschen Exporte aus den USA, Großbritannien und China nachgefragt worden, schreibt Carsten Breszki, Deutschland-Chefvolkswirt bei der Bank Ing-Diba. "Zugleich ist diese Stärke aber auch die größte Achillesferse für die deutschen Exporte. Der jüngste Sturzflug des Pfund Sterlings dürfte Spuren im deutschen Außenhandel hinterlassen." Für die Briten werden Produkte aus dem Euroraum schließlich teurer. Hinzu komme die Gefahr eines verstärkten Protektionismus in den USA sowie einer erneuten überraschenden Wachstumsschwäche in China.

Im Vorjahresvergleich legten die deutschen Exporte im September in Länder der Europäischen Union (EU) zu, während die Ausfuhren in den Rest der Welt sanken. Gleichzeitig schrumpften die Importe von außerhalb der EU deutlich stärker als die Einfuhren aus EU-Ländern.

Auch wenn die Zahlen zur Produktion und zum Außenhandel aus Sicht der Ökonomen nicht dramatisch sind: Bei den kommende Woche anstehenden Wachstumszahlen für das dritte Quartal sei eine Enttäuschung nicht auszuschließen, meint Experte Brzeski. Die Kombination aus Brexit-Unsicherheit, einem reifen Konjunkturzyklus und politischen sowie wirtschaftlichen Unsicherheiten bei vielen wichtigen Handelspartnern wirke dämpfend./tos/jkr/stb