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Französische Rechte will Wirtschaft reformieren - Fillon Favorit

Freitag, 25.11.2016 12:40 von

PARIS (dpa-AFX) - Die französischen Konservativen wollen nach einem möglichen Machtwechsel 2017 die Wirtschaft drastisch reformieren. Das würde weniger Jobs im öffentlichen Dienst und längeres Arbeiten bedeuten. "Wir sind in der Lage (...) einer Fast-Pleite", warnte der Favorit der bürgerlichen Rechten für den Präsidentenposten, François Fillon (62), am späten Donnerstagabend bei einem TV-Duell mit seinem parteiinternen Gegner Alain Juppé (71).

Den Konservativen geht es dabei auch darum, wieder den Anschluss an Deutschland zu schaffen, das wirtschaftlich besser dasteht. Die Jugendarbeitslosigkeit liege in Frankreich bei rund 24 Prozent, in Deutschland bei 7 Prozent, bilanzierte Ex-Premier Juppé.

Fillon dürfte laut einer Umfrage die Stichwahl der Konservativen um die Kandidatur für das Amt des Staatspräsidenten an diesem Sonntag mit großen Abstand gewinnen. Fillon könnte auf 65 Prozent der Stimmen kommen, Juppé auf 35 Prozent, berichtete das Meinungsforschungsinstitut Ifop.

Fillon hatte sich in der ersten Vorwahl-Runde am vergangenen Sonntag überraschend mit gut 44 Prozent der Stimmen durchgesetzt. Juppé kam auf 28,6 Prozent. Ex-Präsident Nicolas Sarkozy schied hingegen aus dem Rennen für den Élyséepalast aus.

Die Präsidentenwahlen sind im April und Mai kommenden Jahres geplant. Der Kandidat der Konservativen hat laut Umfragen gute Chancen, in der entscheidenden Stichwahl anzutreten, aller Wahrscheinlichkeit nach gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen von der Front National (FN). Amtsinhaber François Hollande von Sozialisten ist im Umfragetief und hat noch nicht erklärt, ob er wieder antreten wird.

Beide Anwärter der Rechten wollen das gesetzliche Renteneintritts-Alter von 62 auf 65 Jahre anheben. Fillon plädiert dafür, über fünf Jahre hinweg 500 000 Stellen im öffentlichen Dienst abzubauen. Juppé spricht von 250 000. "Man muss mit den 35 Stunden (in der Woche) aufhören", sagte Fillon mit Blick auf die Regelarbeitszeit. "Es ist wahr, mein Projekt ist radikaler", fügte er hinzu. Der als gemäßigt geltende Juppé sagte, auch er wolle Reformen - aber "ohne Brutalität".

Juppé kritisierte Fillon, weil dieser von Kreml-Chef Wladimir Putin gelobt wurde. "Das ist das erste Mal, dass der russische Staatschef seinen Kandidaten (...) in einer französischen politischen Wahl aussucht", sagte Juppé. Fillon entgegnete, er habe mit Putin in seiner Zeit als Regierungschef zusammengearbeitet. Fillon gilt als russlandfreundlich und tritt dafür ein, die europäischen Sanktionen gegen Moskau zu beenden. Fillon war unter Sarkozy von 2007 bis 2012 Premierminister gewesen./cb/DP/she