Fehlgeschlagene Übernahmen kosten Dax-Konzerne so viel wie nie zuvor

Dienstag, 27.09.2016 18:00 von

Die Firmenwert-Abschreibungen börsennotierter Unternehmen in Deutschland haben sich laut einer Studie 2015 auf Rekordniveau bewegt. Für drei Dax-Konzerne waren fehlgeschlagene Übernahmen besonders teuer.

Fehlgeschlagene Übernahmen haben die börsennotierten Unternehmen in Deutschland 2015 so viele Abschreibungen gekostet wie nie. Nach einer Studie der Beratungsgesellschaft Duff & Phelps haben sich die Bewertungskorrekturen auf Firmenwerte („Goodwill“) im vergangenen Jahr auf 11,7 Milliarden Euro verachtfacht.

Firmen müssen Goodwill bilanzieren, wenn sie bei Übernahmen mehr für Unternehmen zahlen als diese auf dem Papier wert sind. Nur wenn die Wirtschaftsprüfer später feststellen, dass der Wert zu hoch angesetzt ist, muss der Goodwill wieder abgeschrieben werden.

Davon waren in den vergangenen fünf Jahren vor allem drei Dax-Konzerne betroffen: Die Deutsche Telekom (Deutsche Telekom Aktie) schrieb insgesamt 6,8 Milliarden Euro an Goodwill ab, die Deutsche Bank (Deutsche Bank Aktie) 6,7 Milliarden und E.On 5,4 Milliarden.

Dem Düsseldorfer Energiekonzern drohen in diesem Jahr nach der Abspaltung von Uniper weitere Wertkorrekturen auf seine Beteiligung. Das seien aber Einzelfälle, sagte Duff & Phelps-Bewertungsexperte Hartmut Paulus in Frankfurt. Bei den meisten anderen Großkonzernen seien solche Abschreibungen erst dann in Sicht, wenn sich die Konjunktur und die Aussichten eintrübten.

Insgesamt hat sich der Goodwill in den Bilanzen deutscher Firmen laut der Studie binnen zehn Jahren auf 314 (2005: 151) Milliarden Euro mehr als verdoppelt. In den USA haben sie sich bei den Unternehmen im S&P-500-Index sogar verzweieinhalbfacht. Paulus hält die Entwicklung nicht für besorgniserregend: „Von einer ,Blase' beim bilanzierten Goodwill kann nicht per se gesprochen werden. Die Beträge werden bei fortgesetzten Unternehmenskäufen sogar weiter ansteigen.“

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