EZB-Rat Jazbec: Grenzen der Geldpolitik 'noch lange nicht erreicht'

Freitag, 16.09.2016 09:16 von

DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), Bostjan Jazbec, sieht trotz der bereits extrem expansiven Geldpolitik der Notenbank noch ausreichend Spielraum für neue Maßnahmen. "Wir haben bei weitem noch nicht die Grenzen der Geldpolitik erreicht", sagte Jazbec, der auch Chef der Notenbank von Slowenien ist, in einem Interview mit dem "Handelsblatt" (Freitagausgabe). Seit geraumer Zeit versucht die EZB, die Konjunktur mit niedrigen Leitzinsen und einem massiven Kaufprogramm von Anleihen stärker in Schwung zu bringen und die ungewöhnlich schwache Inflation anzuschieben.

Nach Einschätzung von Jazbec dürfte die EZB in diesem Jahr aber keine weiteren Maßnahmen beschließen. "Ich wäre überrascht, wenn wir unsere bisherige Strategie im Vergleich zum September verändern würden", wird der Notenbanker zitiert. Am 8. September hatte die EZB für viele Beobachter überraschend die Geldpolitik nicht weiter gelockert. Am Markt war eine Ausweitung der Anleihekäufe über das bisher anvisierte Ende im März 2017 hinaus erwartet worden.

"Ich glaube, dass es zu früh ist, eine letztendliche Entscheidung über die Verlängerung des Anleihekaufprogramms zu treffen", sagte Jazbec. Den aktuell negativen Zinssatz von 0,4 Prozent auf Einlagen der Geschäftsbanken bei der EZB sieht der Slowene außerdem als ein zeitlich begrenztes Phänomen: "Negative Zinsen auf Guthaben sind nur eine vorübergehende Antwort auf unsere makroökonomische Situation."

Im Kampf gegen die Konjunkturflaute sieht der Notenbanker ähnlich wie zuvor auch EZB-Präsident Mario Draghi die Mitgliedsstaaten der Eurozone stärker in der Pflicht. Diese müssten "noch viel größere Anstrengungen" unternehmen, forderte Jazbec. Als Beispiel nannte er die Überwindung der Unterschiede in der Steuerpolitik einzelner Mitgliedstaaten der Eurozone./jkr/bgf/zb