Experten erwarten nach Opec-Einigung weiteren Anstieg der Ölpreise

Donnerstag, 01.12.2016 14:26 von

FRANKFURT (dpa-AFX) - Experten erwarten nach der Einigung des Ölkartells Opec auf eine Förderkürzung einen weiteren Anstieg der Ölpreise. Seit Mittwoch reagieren die Ölpreise mit einem Höhenflug auf den Beschluss, der sich am Donnerstag mit etwas weniger Tempo fortsetzte. Die Opec drosselt erstmals seit acht Jahren ihre Ölförderung. Auch das Nicht Opec-Land Russland beteiligt sich. Das Ölkartell will im ersten Halbjahr 2017 insgesamt 1,2 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag weniger produzieren.

"Dies ist ein deutlich größerer Schnitt als es die meisten erwartet hatten, und es könnte den Ölpreis in Bereiche zwischen 50 und 60 US-Dollar pro Barrel schicken", kommentierte Bob Minter, Stratege bei Aberdeen Asset Management. Bedeutsam sei der Schritt aber auch, da man mit Russland ein Land außerhalb des Kartells mit einbezogen habe. "Die Leute hatten schon ernsthaft begonnen, an der Fähigkeit der OPEC zu zweifeln, auf die Geschehnisse am Ölmarkt reagieren zu können", schreibt Minter. Diese Entscheidung bestätige die Fähigkeit der Opec als Gruppe zu handeln.

"Vor allem psychologisch stelle die Vereinbarung einen wichtigen Meilenstein dar", kommentieren Analysten von HSBC Trinkaus. Schließlich habe man es geschafft, zum Teil sehr unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bringen. Analysten des Bankhauses Goldman Sachs (Goldman Sachs Aktie) rechnen nun mit einem weiteren Anstieg der Ölpreise. Den US-Ölpreis WTI sehen sie künftig zwischen 55 und 56 US-Dollar. Die Experten von Morgan Stanley erwarten ein Preisband von 50 bis 60 Dollar (Dollarkurs), wenn die Opec die Produktionskürzung beibehalte.

Offen sei jedoch, ob der Ölpreisanstieg längerfristig anhält. "Ein deutlicher Nachfrageanstieg beim Öl (Rohöl) in den kommenden Jahren ist allerdings keine Gewissheit", schreibt Minter. Schließlich wollten Länder wie Indien und China nicht mehr vom Öl abhängig sein. "Die OPEC muss all ihre Kräfte bei der Zusammenarbeit und in Verhandlungen bündeln, um dieser existentiellen Bedrohung zu begegnen", schreibt Minter./jsl/jkr/fbr