ESM-Chef: Schuldenerleichterungen für Athen derzeit nicht notwendig

Donnerstag, 27.10.2016 12:08 von

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Chef des Euro-Rettungsfonds, Klaus Regling, hält Schuldenerleichterungen für Griechenland derzeit nicht für notwendig. "Das Land hat aktuell kein Schuldenproblem", sagte der ESM-Chef am Mittwochabend vor Journalisten in Frankfurt. "Ein Schuldenstand von 180 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ist nicht sehr relevant, wenn nur 1 Prozent Zinsen dafür gezahlt werden müssen". Langfristig könnte sich die Lage allerdings anders darstellen.

Zwischen dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und insbesondere Deutschland ist umstritten, wie tragfähig die Schulden Griechenlands sind und ob Athen schon jetzt weitere Erleichterungen benötigt. Das Land ist seit 2010 von der Unterstützung internationaler Geldgeber abhängig. Im vergangenen Sommer hatte Athen in einer dramatischen Finanzlage für ein Hilfsprogramm in Höhe von bis zu 86 Milliarden Euro nach harten Verhandlungen weitreichende Reformzusagen gemacht.

Regling hält es für sinnvoll, dass der IWF bei Griechenland zunächst weiter an Bord bliebt. "Wie das in zehn Jahren ist, ist eine andere Frage".

Mit Sorge betrachtet Regling, dass die portugiesische Regierung des sozialistischen Ministerpräsidenten António Costa einen Teil der Reformen wieder "zurückdrehe". Lissabon hatte die Sparmaßnahmen der Vorgängerregierung deutlich gelockert. Das Land dürfe seine Wettbewerbsfähigkeit nicht aufs Spiel setzen, mahnte Regling. In der Vergangenheit war Portugal durch den Rettungsschirm vor dem Kollaps bewahrt worden./mar/DP/fbr