Droht eine neue Finanzkrise?

Dienstag, 20.09.2016 11:57 von

Chinas Finanzmetropole an der Südküste: Hongkong
Chinas Finanzmetropole an der Südküste: Hongkong - © Shutterstock.com / Ronnie Chua
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt in ihrem jüngsten Quartalsbericht vor einer neuen Finanzkrise. Gründe sind der BIZ zufolge die Geldpolitik der Zentralbanken sowie eine Kreditblase in China.

Am Sonntag veröffentlichte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ihren neuen Quartalsbericht. Die Organisation deutet darin an, dass die aktuelle Bewertung von Vermögenswerten nicht deren tatsächliche Risiken widerspiegle – Kennzahlen deuteten auf eine neue Spekulationsblase an den Finanzmärkten hin. Die Verantwortung für diese Entwicklung tragen nach Angaben der BIZ die Notenbanken. Deren anhaltende Niedrigzinspolitik habe dazu geführt, dass anstelle von konservativen Kapitalanlagen seit längerer Zeit Anlageformen mit hoher Renditeaussicht, beispielsweise Aktien, im Fokus der Anleger stünden. An den internationalen Finanzmärkten zeigten sich demzufolge Anzeichen einer Überbewertung. Die Experten verweisen in diesem Zusammenhang auf den Brexit: Dieser habe zwar kurzfristige Turbulenzen an den Märkten nach sich gezogen, sei aber nach kurzer Zeit wieder vergessen gewesen – ein Signal des Übermuts an den Börsen, meint die BIZ. Nach dem Ausstiegsvotum der Briten im Juni waren Indizes wie der DAX zwar regelrecht eingebrochen, doch konnten ihre Verluste binnen weniger Wochen wettmachen.

Kreditblase in China

Sorgen bereitet der BIZ, die ihren Hauptsitz in Basel hat, zudem die Kreditblase in China. Entgegen den Zielen der chinesischen Regierung habe sich die Gesamtverschuldung in den vergangenen Monaten weiter vervielfacht – insgesamt stehen im Reich der Mitte nun Kredite in Höhe von 28 Billionen US-Dollar aus. Besonders eine Kennzahl, die „credit to GDP gap“, deutet dem Bericht zufolge auf massive Risiken hin. Sie gibt Aufschluss über die Entwicklung des Verhältnisses zwischen dem Bruttoinlandsprodukt und der Staatsverschuldung. Für China liegt sie aktuell bei 30,1 – dem höchsten Wert, der jemals für ein Land gemessen wurde. Laut den BIZ-Ökonomen bergen die Zahlen aus China das Potenzial, eine neue internationale Banken- und Finanzkrise auszulösen.

Die letzte große Krise war 2007 durch eine Spekulationsblase am US-Immobilienmarkt ausgelöst worden. Schätzungen zufolge verursachte sie einen weltweiten volkswirtschaftlichen Schaden von rund acht Billionen Euro.