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DIHK: Handelsbeziehungen zum Iran zäher angelaufen als erhofft

Sonntag, 02.10.2016 15:56 von

BERLIN/TEHERAN (dpa-AFX) - Unmittelbar vor der Iranreise des Bundeswirtschaftsministers Sigmar Gabriel (SPD) hat der DIHK Eile bei der Klärung der Probleme im Handel mit der Islamischen Republik angemahnt. "Die Handelsbeziehungen entwickeln sich leider zäher als gedacht", sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Dies liege vor allem an Schwierigkeiten bei der Finanzierung.

So seien US-Sanktionen im Finanzmarktbereich noch in Kraft. Zudem seien die iranische Kreditwirtschaft und deren IT-Ausstattung noch immer weit entfernt von westlichen Standards. "Das müssen wir der iranischen Seite auch verdeutlichen, weil das ist eine conditio sine qua non."

Gabriel reist von Sonntag bis Dienstag in den Iran. Begleitet wird er von einer großen Wirtschaftsdelegation. Die Firmen erhoffen Milliardengeschäfte, weil das Land nach der Aufhebung der im Atomstreit verhängten Sanktionen einen großen Nachholbedarf hat.

Der Iran und die fünf UN-Vetomächte sowie Deutschland hatten den Atomkonflikt im Juli 2015 in einem Abkommen beigelegt. Die Sanktionen wurden im Januar aufgehoben. Der von Präsident Hassan Ruhani versprochene Wirtschaftsaufschwung über westliche Investitionen im Iran blieb allerdings aus. Die internationalen Handelsprojekte kommen nicht vom Fleck, weil vor allem europäische Banken bei der Finanzierung zurückhaltend sind. Wer gegen die noch bestehenden amerikanischen Sanktionen verstößt, muss mit US-Strafen rechnen.

Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums betrug das Handelsvolumen zwischen Deutschland und dem Iran im Jahr 2015 rund 2,4 Milliarden Euro, das sind zehn Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Deutschland exportierte Waren im Wert von etwa 2,1 Milliarden Euro in den Iran.

Die Ausfuhren seien nun von Januar bis Juli zwar um etwas mehr als zehn Prozent gestiegen, sagte Treier der dpa. "Aber da ist noch deutlich mehr Potenzial drin, was wir noch nicht ausgenutzt haben." Trotz politischer Spannungen in der Region, ungelöster Finanzierungsfragen und bürokratischer Hürden sei die Nachfrage nach Geschäftsbeziehungen in den Iran nach wie vor "enorm groß".

Der DIHK rechnet in den kommenden zwei bis drei Jahren damit, dass das Exportvolumen auf fünf Milliarden Euro steigt. In den nächsten fünf Jahren sollen es zehn Milliarden Euro sein. Diese Zahl sei angesichts des Rohstoffreichtums des Irans und seines Modernisierungsbedarfes im Industriebereich, der insbesondere dem deutschen Mittelstand und Maschinenbau ein riesiges Potenzial biete, nicht vermessen. Bedingung sei aber, dass es bei den Finanzierungsproblemen möglichst schnell zu Verbesserungen komme.

"Deutschland steht noch an erster Stelle der vom Iran präferierten Handelspartner", sagte Treier. "Aber wenn wir nicht schneller die Finanzierungsfrage klären oder verbessern, (...) dann besteht die Gefahr, dass die Italiener uns den Rang ablaufen."

Die Unternehmen hoffen, an die guten Beziehungen der Vergangenheit anknüpfen zu können. In den 1970er Jahren war der Iran laut DIHK für die deutsche Wirtschaft der zweitwichtigste Exportmarkt außerhalb Europas und lag damit nur hinter den USA. Dann schrumpfte die Bedeutung stetig: 2005 - vor den Sanktionen - habe das Land Waren "Made in Germany" im Wert von 4,4 Milliarden Euro importiert./seb/DP/he