„Die prekärsten Arbeitsbedingungen in ganz Europa“

Montag, 07.11.2016 16:41 von

Der Billigflieger Ryanair steuert 200 Millionen Passagiere bis 2024 an. Trotz ehrgeiziger Pläne hagelt es für Airline-Chef O’Leary auch Kritik. Das EU-Parlament und Gewerkschaften monieren umstrittene Arbeitsbedingungen.

Wenn es noch eines Beleges für die Aggressivität von Ryanair bedurft hätte, hat ihn die irische Billig-Fluggesellschaft spätestens an diesem Montag geliefert. Bis zum Jahr 2024 werde die Zahl der beförderten Passagiere auf rund 200 Millionen steigen, prognostizierte Michael O’Leary in seinem Statement für die Investoren. Das sind fast doppelt so viele Fluggäste wie Ryanair im abgelaufenen Geschäftsjahr (rund 106 Millionen Passagiere) transportiert hat.

O’Leary spürt derzeit jede Menge Rückenwind. Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres (bis Ende März) hat Ryanair einen Überschuss von 912 Millionen Euro erzielt. Das sind acht Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Airline überraschte mit diesen Zahlen, hatte O’Leary doch die eigene Prognose erst im Oktober mit Verweis auf die Schwäche des Pfund-Kurses nach unten revidiert.

Deshalb blieben auch Analysten eher zurückhaltend bei ihren Vorhersagen. Entsprechend reagierten Investoren auf die guten Zahlen, der Kurs legte am Vormittag um fast fünf Prozent zu. O’Leary zeigte sich sichtlich stolz über die Zahlen und sprach von einer „unglaublichen Entwicklung“ trotz des schwierigen Umfeld mit Flughafenstreiks, Terrorismus und Brexit.

Doch die aggressive Expansion des Billiganbieters provoziert auch wachsenden Gegenwind. Schon länger steht Ryanair wegen der Arbeitsbedingungen unter Beschuss. Die Airline lässt sich unter anderem einen Teil der Piloten von Personaldienstleistern vermittelt. Denen wird vorgeworfen, Steuern zu hinterziehen. Auch bei den Sozialabgaben soll es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Unter anderem ermittelt die Staatsanwaltschaft Koblenz.

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