Devisen: Eurokurs gestiegen - EZB-Spekulationen stützen

Mittwoch, 05.10.2016 13:07 von

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Eurokurs ist am Mittwoch gestiegen. Gestützt wurde der Euro weiterhin durch Spekulationen über eine schrittweise Zurückführung der Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB). Die Gemeinschaftswährung wurde im Mittagshandel bei 1,1222 US-Dollar gehandelt und damit über dem Kurs vom Dienstag. Die EZB hatte den Referenzkurs am Dienstag auf 1,1161 (Montag: 1,1236) Dollar (Dollarkurs) festgesetzt.

Bereits am Vortag hatte der Euro deutliche Verluste wieder ausgeglichen, nachdem die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Bezug auf informierte Kreise berichtet hatte, die EZB könnte vor einem Ende ihres milliardenschweren Wertpapierkaufprogramms ihre Käufe schrittweise verringern. Das Volumen könnte laut einem Szenario um je 10 Milliarden Euro pro Monat vermindert werden, so Bloomberg.

Commerzbank-Expertin Thu Lan Nguyen hält die Aufwertung des Euro nach dem Bericht zur EZB für überzogen. Es sei ohnehin damit zu rechnen, dass die Notenbank ihre Anleihekäufe nicht von einem Tag auf den anderen beende, sondern zuvor die Käufe langsam zurückfahre. Viele Marktteilnehmer hätten die Meldung womöglich so verstanden, dass die EZB bereits in naher Zukunft ihre Anleihekäufe verringern könnte. Aber: "Bei einer Inflationsrate von gerade einmal 0,2 Prozent und einer Kernrate von nach wie vor unter einem Prozent im Euroraum wäre dies gelinde gesagt: Unsinn."

Die am Vormittag veröffentlichten Konjunkturdaten bewegten den Devisenmarkt kaum. Der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor der Eurozone fiel nur wenig besser aus als in einer ersten Schätzung ermittelt. Die Einzelhandelsumsätze in der Eurozone waren im August etwas weniger gesunken als erwartet.

Das britische Pfund ist unterdessen auf einen neuen 31-jährigen Tiefstand gefallen. Am Mittwochmorgen wurde die Marke von 1,27 Dollar je Pfund kurzzeitig unterschritten. Bereits am Vortag war die Währung wegen gestiegener Furcht vor einem "harten" Brexit mit Abstrichen beim Zugang Großbritanniens zum Binnenmarkt der EU-Länder deutlich gefallen./jsl/ck/bgf/fbr