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Der Krieg der Worte

Dienstag, 08.11.2016 18:00 von

Amerika im rhetorischen Ausnahmezustand. Die beiden Kandidaten haben sich gegenseitig beschimpft und verunglimpft. In den Echokammern der sozialen Medien verschwimmt die Grenze zwischen Wirklichkeit und Wahn.

Das Phänomen ist aus Hirnforschung und Werbepsychologie bekannt: Man muss nur oft und laut genug ein Wort, einen Satz wiederholen, damit er sich festsetzt und einbrennt in den Köpfen des Publikums. Damit er heimisch wird in den neuronalen Schaltkreisen. Schwarze sind faul zum Beispiel und Mexikaner Vergewaltiger. Amerika ist heruntergekommen und Washington korrupt. Bernie Sanders spinnt und Hillary Clinton lügt. Lauter Sätze des republikanischen Präsidentschaftskandidaten, die dem Publikum in Serie eingehämmert werden, in Interviews, Reden und Tweets.

Mehr als 200 Mal hat Donald Trump seine Konkurrentin auf dem Kurznachrichtendienst Twitter geschmäht: „Crooked Hillary“, „betrügerische Hillary“. Das Wort ist zum rhetorischen Fallbeil geworden im Wahlkampf der Republikaner, zu einem Gladiatorenurteil, das keine Argumente und Gründe braucht – zum Vehikel eines Hasses, der sich seine eigene, binäre Wirklichkeit schafft.

Hillary, so versichert der New Yorker Immobilientycoon in Tausenden von Tweets, sei nicht nur „sehr dumm“, sondern auch eine „pathologische Lügnerin“, eine „Heuchlerin“ und „Betrügerin“ – „crooked Hillary“. Das hässliche Epitheton soll sich der Antipodin wie ein Stigma aufprägen, nicht durch den Nachweis ihrer Unglaubwürdigkeit, sondern durch schiere Wiederholung. Eine simple, aber wirkungsvolle Manipulation, die wie ein unbewusster, gegen jeden Einwand immunisierter Sprachreiz funktioniert und berechenbare Reflexe auslöst. Jedenfalls bei den Trump-Anhängern, die sich Clinton gar nicht mehr anders denken können als „crooked“. Und siehe da, sie skandieren: „Sperrt sie ein!“ und „Tötet sie!“.

Sogar für Viertklässler verständlich

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