Das Billionen-Risiko

Montag, 13.02.2017 17:42 von Handelsblatt

Europas Banken haben faule Kredite im Volumen von mehr als einer Billion Euro in den Bilanzen. Der Chef der europäischen Bankenaufsicht fordert deshalb eine Abwicklungsbank. Doch die Bundesregierung hat Bedenken.

Es ist eine gigantische Zahl, eine Ziffer mit zwölf Nullen. Acht Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise liegen in den Bilanzen europäischer Banken faule Kredite im Umfang von mehr als einer Billion Euro. Diese Lasten beschränken die Fähigkeit der Geldhäuser, Darlehen zu vergeben, und damit die Erholung der gesamten Wirtschaft in der EU. Ein Teufelskreis, der die Banken und die Wirtschaft schwächt.

Andrea Enria, Chef der europäischen Bankenaufsicht Eba, fordert deshalb eine spezielle Abwicklungsbank, in die die Geldhäuser die notleidenden Kredite so schnell wie möglich auslagern. Anschließend sollen die Papiere an Investoren weiterverkauft werden. „Es muss dringend gehandelt werden“, sagt Enria im Interview mit dem Handelsblatt. Sonst drohe Europa ein noch schlimmeres Schicksal als Japan. Dort dauerte es 15 Jahre, bis das Land in den 1990er-Jahren das Problem der maroden Bankbilanzen in den Griff bekam.

EU-Kommission und Europäische Zentralbank stehen Enrias Vorschlag aufgeschlossen gegenüber. Dagegen hat die Bundesbank Bedenken, und die Bundesregierung hat bereits klare Ablehnung signalisiert. Im Finanzministerium fürchtet man eine weitere Vergemeinschaftung von Risiken. Tatsächlich hat Enrias Vorschlag einen Haken: Wenn die Banken ihre Kredite zu realistischen Preisen an die Bad Bank weitergeben, dürfte das zusätzlichen Abschreibungsbedarf bedeuten, und die daraus entstehenden Verluste könnten neue Staatshilfen nötig machen. Der Eba-Chef beschwichtigt: Dafür sollen ausschließlich die Nationalstaaten aufkommen. Eine gemeinsame Haftung schließt er aus.

Neue Bank für alte Lasten

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