Commerzbank: Radikaler Stellenabbau geplant

Freitag, 23.09.2016 14:15 von

Der Commerzbank-Tower in Frankfurt am Main.
Der Commerzbank-Tower in Frankfurt am Main. - © Shutterstock.com / volzformat
Die EZB-Niedrigzinspolitik zwingt das Frankfurter Geldhaus zu drastischen Maßnahmen: Nach Angaben des „Wall Street Journal“ plant die Bank den Abbau von 5.000 Stellen.

Einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge plant die Commerzbank einen radikalen Strategiewechsel. 5000 Mitarbeiter, fast zehn Prozent der knapp 51.000 Mitarbeiter, werden demzufolge ihren Arbeitsplatz verlieren. Laut der Wirtschaftszeitung, die sich auf Insiderinformationen beruft, trifft der Stellenabbau das deutsche Backoffice, das Bereiche wie die Kreditbearbeitung, die Buchführung oder die IT umfasst. Außerdem wird eine Auflösung der Mittelstandsbank des Frankfurter Kreditinstituts ins Auge gefasst. Vor einigen Wochen war bereits über die Aufspaltung der Abteilung diskutiert worden – jetzt droht möglicherweise ihre komplette Abwicklung.

Geldpolitik der EZB zwingt zu Strategiewechsel

Die Mittelstandsbank vergibt Kredite an mittelständische Unternehmen. Wie andere Banken leidet sie seit Längerem unter der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank, die den Motor der europäischen Wirtschaft mit billigem Geld befeuert. Für die Banken bleibt der Kurs unter EZB-Präsident Mario Draghi nicht ohne Folgen: Das klassische Geschäft der Kreditinstitute bricht ein – und nachdem im August das erste deutsche Geldhaus das Tabu der Strafzinsen brach, diskutieren immer mehr Banken über steigende Kontoführungsgebühren und drastische Sparkurse.

Zielke will Filialgeschäft erhalten

Auch Martin Zielke, seit Mai Vorstandsvorsitzender bei Deutschlands zweitgrößter Bank, strebt unter dem Druck des Marktes eine deutliche Kostensenkung an. Eine seiner ersten Amtshandlungen war die Verkündung eines Gewinneinbruchs von mehr als 50 Prozent im ersten Quartal – Zielke nahm anschließend die Hilfe von McKinsey-Beratern in Anspruch, um das Fundament der Bank prüfen zu lassen. Sie waren es, die das Ende der Mittelstandsbank ins Spiel brachten – deren Kunden sollten je nach Größe entweder auf das Investmentbanking oder das Privatkundengeschäft verteilt werden.

Auch Zielkes Bekenntnis zum Filialgeschäft dürfte erklären, warum die Sparmaßnahmen nun wahrscheinlich das Back Office und die Mittelstandsbank treffen. Zielke, der selbst aus dem Privatkundengeschäft kommt, erteilte dem deutschlandweiten Trend zur Schließung von Geschäftsstellen bei der Bankentagung in Frankfurt Ende August eine deutliche Absage. Filialschließungen, so Zielke, stünden dem Wachstum entgegen, denn dazu sei physische und persönliche Präsenz nötig. Vor diesem Hintergrund trifft der Sparkurs nun andere Bereiche der Frankfurter Großbank.

Dem „Wall Street Journal“ zufolge werden die neuen Vorstandspläne demnächst dem Aufsichtsrat vorgestellt; in zwei Wochen soll der Betriebsrat über die neue Strategie informiert werden. Die Commerzbank kommentierte den Bericht der Zeitung bislang nicht.