Brot für die Welt warnt vor schädlichen Agrarexporten nach Afrika

Sonntag, 13.11.2016 14:20 von

HANNOVER (dpa-AFX) - Entwicklungsorganisationen warnen im Vorfeld eines deutsch-afrikanischen Landwirtschaftsforums vor schädlichen Agrarexporten nach Afrika. "Die Frage ist: Will man Afrika nur füttern, oder dabei helfen, eine eigene Nahrungsproduktion aufzubauen", sagte Francisco Marí, Agrarexperte von Brot für die Welt.

Billigexporte in afrikanische Länder zerstörten die lokale Landwirtschaft. Die aus Deutschland eingeführten Hähnchen seien so billig, dass lokale Produzenten nicht mithalten könnten.

Bei Weizen oder Milch sei das ähnlich: "Der Import dieser Waren macht die dortigen Bauern arm, weil ihre eigenen, traditionellen Produkte wie Hirse oder Sorghum nicht mehr konkurrenzfähig sind", sagte Marí. Im Durchschnitt arbeiteten 70 Prozent der Menschen in Afrika als Landwirte, denen man so jegliche Chance nehme, ihre eigenen Waren zu verkaufen.

Beim zweiten deutsch-afrikanischen Agribusiness Forum, das am Montag in Hannover stattfindet, wollen sich deutsche und afrikanische Vertreter aus der Landwirtschaft über Chancen und Herausforderungen der Branche austauschen.

Landwirte in Europa hatten zuletzt mit Überangeboten und Niedrigpreisen unter anderem bei Milch- und Fleischprodukten zu kämpfen. Ein Grund dafür ist etwa Russlands Embargo für europäische Agrarprodukte in Folge der Ukraine-Krise. Neben direkten finanziellen Hilfen sieht die EU-Kommission einen möglichen Ausweg vor allem in einem stärkeren Export.

Eine Chance für deutsche Unternehmen könnten Exporte sein, die Afrika dabei helfen, im Agrarsektor effizienter zu werden, sagte Claudia Voß, Sprecherin des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft, der das Agrarhandelsforum mitorganisiert hat. "Effizienzsteigerung durch moderne Maschinen, guten Dünger, bessere Infrastruktur gehören darum zu den sinnvollsten Investitionen, die ein deutsches Unternehmen auf dem Partner- und Chancenkontinent tätigen kann - sowohl wirtschaftlich als auch mit Blick auf den Beitrag zur Entwicklung vor Ort", sagte Voß.

Der Deutsche Exportverband für Nahrung und Agrarprodukte (GEFA) verzeichnet für 2015 Exporte nach Afrika in Höhe von 1,6 Milliarden Euro. Die wichtigsten Exportprodukte sind Weizen und Milcherzeugnisse mit den Hauptzielländern Algerien, Marokko und Südafrika./elm/DP/he