Bericht: AKW schützen Druckbehälter mit geheiztem Notkühlwasser

Donnerstag, 24.11.2016 14:40 von

BERLIN (dpa-AFX) - In mehreren Atomkraftwerken in der EU wird einem Medienbericht zufolge das Notkühlwasser für die Reaktoren vorgeheizt, um das alternde Material der Reaktordruckbehälter zu schonen. Nach Recherchen des WDR und der "Süddeutschen Zeitung" ist das bei mindestens 18 Reaktoren in der EU der Fall, etwa im französischen AKW Fessenheim 2.

Fachleuten zufolge lassen Betreiber errechnen, wie warm das Not-Kühlwasser höchstens sein darf, um seine Funktion zu erfüllen. Dies werde nur bei älteren Druckbehältern so gehandhabt, bei neueren sei es nicht nötig. "Je spröder der Reaktor ist, desto weniger Temperaturunterschied hält er bei einem Störfall aus", sagte die Nukleartechnik-Expertin Simone Mohr vom Öko-Institut in Darmstadt. "Aber je größer der Temperaturunterschied ist, desto besser kann man runterkühlen." Das Kühlwasser werde auch in den belgischen Meilern Doel 3 und Tihange 2 gewärmt.

Das Bundesumweltministerium äußerte sich am Donnerstag zunächst nicht. Laut "Süddeutsche" heißt es dort, in deutschen Atomkraftwerken werde nirgends aufgrund des aktuellen oder am Ende ihrer Lebensdauer zu erwartenden "Werkstoffzustandes" Notkühlwasser vorgeheizt.

"Wenn Reaktordruckbehälter durch langen Betrieb so sehr versprödet sind, dass die Gefahr des Berstens beim Kontakt mit kaltem Wasser besteht, muss der Reaktor abgeschaltet werden", sagte die Grünen-Atompolitikerin Sylvia Kotting-Uhl. Das durch Aufheizen des Wassers zu umgehen, sei leichtsinnig./ted/DP/men