Bank of Japan-Entscheid nicht mehr als heiße Luft?

Mittwoch, 21.09.2016 11:16 von

Tokio (Godmode-Trader.de) - Die japanische Notenbank (BoJ) denkt über eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik nach. Die Währungshüter kündigten auf ihrer September-Sitzung an, dass man bei der Ausweitung der Geldmenge nicht mehr strikt an der Marke von 80 Billionen Yen festhalten werde, sondern die Ankäufe kurzfristig flexibel gestalten wolle. Am Negativzins von minus 0,1 Prozent hielt die Bank fest. Notenbankchef Haruhiko Kuroda sagte im Anschluss an die Entscheidungen: „Falls es für das Inflationsziel erforderlich ist, wird die Geldpolitik angepasst. Eine Option bleibt eine schnellere Ausweitung der monetären Basis. Wir werden aber keine großen Veränderungen bei dem Volumen der Anleihekäufe vornehmen“. Das Inflationsziel solle so schnell wie möglich erreicht werden, sagte Kuroda.

Ziel des vergrößerten Spielraums soll es sein, dass die Renditen bei den Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten nicht noch weiter in den Keller rauschen. Die BoJ plant, der immer kleiner werdenden Differenz zwischen den Zinsen für kurz- und langfristige japanische Schuldscheine entgegenzuwirken. „Der Hauptgrund hinter dem veränderten Vorgehen ist die über die vergangenen Monate deutlich abgeflachte Zinsstrukturkurve, die auf den Finanzinstituten gelastet hat, die langfristige Staatsanleihen halten", schreiben Experten der Bank UniCredit. Ziel sei es nun, wieder eine steilere Zinskurve zu generieren, so dass die Notenbanker künftig verstärkt am kurzen Ende aktiv sein dürften, vermutet Dirk Gojny, Analyst bei der National-Bank.

Die Notenbanker dürften künftig also verstärkt Wertpapiere mit kürzeren Laufzeiten ins Auge nehmen. Dafür wurde die Ziel-Laufzeit für Staatsanleihenankäufe aufgegeben. Die bisher angepeilte Restlaufzeit der angekauften Wertpapiere von sieben bis 12 Jahre wurde aufgegeben. Niedrige Renditen der Staatsanleihen sollen für Wachstumsimpulse, Lohnsteigerungen und damit Inflation sorgen. Vorstellbar ist nun auch, dass die BoJ künftig stärker auf risikoreichere Wertpapiere ausweicht.

Experten werteten die Entscheidungen unterschiedlich. Heftige Kritik kam von der NordLB: „Was die japanische Notenbank abgeliefert hat, kann man getrost als Enttäuschung bewerten — ein weiteres Indiz dafür, dass die japanische Notenbankpolitik jedwede Glaubwürdigkeit verloren hat“, monierte Analyst Stefan Große. Die Notenbank wirke, als weiß sie nicht was sie tue. „Etwa durch die überstürzte Einführung der Negativzinsen, die den Bankensektor überrascht und unter anderem deshalb deutliche Nebenwirkungen hatte. Von der mehrfachen Verschiebung des anvisierten Zeitpunktes der Erreichung des Inflationszieles mal ganz abgesehen“.

Folker Hellmeyer, Chefanalyst bei der Bremer Landesbank sagte hingegen: Die Entscheidungen der Japaner hätten nicht enttäuscht, „da man sich das Tor zu weiteren Maßnahmen offen hielt.“ Eine mögliche Verschärfung der bestehenden Instrumente bei Bedarf stehe im Raum.

Derweil strauchelt die japanische Wirtschaft weiter, wie anhand neuer Außenhandelszahlen zu erkennen ist. Im August sind die Exporte nach Angaben des Finanzministeriums um 9,6 Prozent gesunken — der elfte Rückgang in Folge. Experten hatten dagegen mit einem nur halb so starken Rückgang gerechnet.